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Seit Tagen völlig außer Atem

Beate Baumholzer und Jan Ziegler über das Gallery Weekend und die hohe Kunst, im Kunstbetrieb zu überleben

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Was erwarten Sie sich vom Gallery Weekend?

Beate Baumholzer: Natürlich, dass wir gesehen werden, dass Leute vorbeikommen und sich die Arbeiten anschauen. Wir hoffen auch auf ein gutes Feedback. Und ein paar Verkäufe würden wir uns auch wünschen. Vor allem aber geht es um Kontakte.

Warum haben Sie ausgerechnet die »coGalleries« gewählt, in der doch fast schon vollständig gentrifizierten Berliner Mitte?

BB: Wir haben hier nach einem Raum gesucht. Ich finde die Torstraße auch ganz spannend. Die Augustststraße ist nebenan, es ist nicht schlecht als Standort.

Wie schätzen Sie das ein: Die großen Sammler brauchen doch den Massenbetrieb des Gallery Weekends nicht, die haben ihre eigenen exklusiven Termine. Warum dennoch die Teilnahme?

Jan Ziegler: Auch die großen und wichtigen Sammler freuen sich, wenn sie etwas entdecken können. Wenn sie zufällig mit ihrer Limousine vorbeifahren und sehen: Da brennt noch Licht. Dann denken sie vielleicht auch: Hier muss ich noch rein. Andere werden vielleicht von jemandem aus unserem Dunstkreis mitgebracht. So etwas passiert schon, das hatten wir letztes Mal auch. Das Gallery Weekend ist ein durchlässiger Prozess. Und der Zufall bringt einige Möglichkeiten. Darauf setzen wir.

Funktioniert das Gallery Weekend für Sie wirtschaftlich? Immerhin haben Sie den Raum, haben Zeit und Geld in die Vorbereitungen gesteckt.

BB: Am Weekend selber geht das nicht auf. Aber es gibt die Effekte danach. Letztes Jahr kamen Kunden rein, die dann im Nachhinein einige Verkäufe getätigt haben. Es kamen auch ein paar Aufträge herein.

Wie gehen Sie eigentlich damit um, dass ein Käufer, der von einem oder einer von Ihnen in der Vergangenheit gekauft hat, sich nun einem anderen zuwendet? Geben Sie potenzielle Käufer gern ab?

JZ: Unsere Positionen unterscheiden sich schon sehr deutlich voneinander und damit auch die Geschmäcker der Käufer. Das mischt sich nicht zwingend. Und wenn doch, dann ist das positiv. BB: Wir freuen uns für alle. Und wer verkauft hat, der lädt die anderen dann zum Essen ein, so einfach ist das. Es ist ja auch positiv, wie wir uns im Vorfeld unterstützen und ergänzen. Einer besorgt den Raum, der andere kümmert sich um den Flyer. JZ: Es ist mittlerweile eine sehr eingespielte Zusammenarbeit. Und wenn einer den Anstoß gibt für eine Gruppenausstellung, dann ist das auch ein Ansporn, zum Termin neue Arbeiten fertig zu haben.

Wie mutig ist es dann aber trotzdem, sich als Künstler selbst in den Massenstrom zu stellen, den solch ein Gallery Weekend ja darstellt, mit den 47 offiziellen Galerien und den mehreren Hundert Ausstellungsräumen, die sich anschließen?

BB: Es braucht total viel Mut. Ich erinnere mich, das erste Mal, vor vier Jahren, war das so, dass wir uns gesagt haben: Ach, probieren wir das mal. Jahr für Jahr wird das aber immer schwieriger, denn unsere eigenen Ansprüche steigen. Und es ist wahnsinnig emotional. Eigentlich bin ich seit Tagen völlig außer Atem. Aber wenn es dann so weit ist, ist es wieder gut. Ich habe jetzt das erste Mal auch meine Studenten eingeladen. Das ist ja auch ein Risiko, wie die das finden. JZ: Der Titel unserer Ausstellung »Early Summer Failures« repräsentiert das ja auch ganz gut. Wir maßen uns an, uns ins Gallery Weekend zu werfen, uns auf der Torstraße zu zeigen, Räume anzumieten, eine große Promotion zu starten. Andere tun das ebenfalls. Warum dann nicht auch wir? Bei anderen gehe ich vielleicht auch rein und drehe mich gleich wieder um. Das dürfen die Leute natürlich auch bei uns. Das ist die Freiheit, die die Kunst hat ...

... und der Betrachter der Kunst auch.

Ja, und mit diesem Moment spielen wir. Mit diesem Wagnis gehen wir in Bereiche, die außerhalb unserer Komfortzone liegen.

Gallery Weekend, bis 28. April. Infos: www.gallery-weekend-berlin.de

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