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Wedding calling

Ein breites, nachbarschaftliches Bündnis ruft zu antikapitalistischer Demonstration auf

  • Von Christian Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Rund 20 Personen schmieren Stullen, kochen Eintopf und packen Kisten mit Kleidung, Hygieneartikeln und Isomatten. Die »Obdachlosenhilfe« bereitet ihre Tour vor, bevor sie zu ihren Ausgabestellen an Leopoldplatz, Alexanderplatz und Kottbusser Tor fährt. »Es ist etwas anarchisch, aber schwer erfolgreich und ohne Kontrolle von oben«, sagt Joanna McMillan. Sie hilft als Freiwillige seit einigen Wochen regelmäßig in dem Verein in Wedding.

Niclas Beiersdorf von der »Obdachlosenhilfe« ist alltäglich mit Armut in Wedding konfrontiert. »Wir erleben immer stärkere Verdrängungstendenzen, einerseits auf dem Wohnungsmarkt, andererseits von Seiten privater Securities und teilweise auch aus der Politik, die unliebsame Gruppen mit Überwachung und Kontrolle aus dem öffentlichen Raum verdrängen wollen.«

Der Verein ruft für den 30. April zu der antikapitalistischen Demonstration unter dem Motto »Widerständig und solidarisch im Alltag - Organize!« auf. Die Demonstration findet seit 2012 in Wedding statt. Sie trat damit das Erbe der eher punkigen Walpurgisnacht am Boxhagener Platz an und trug damit zu einer Repolitisierung der Walpurgisnacht bei. Im letzten Jahr zählte die Demonstration etwa 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dieses Jahr wird sie von 20 Gruppen organisiert und unterstützt - darunter Hausprojekte, migrantische Initiativen, Linksradikale und soziale Einrichtungen. Ab 20. April fand eine Aktionswoche mit Diskussionen, einer Radtour zu Neubauten und einem Familienfest statt.

Seit der ersten Demo dabei ist die Kiezgruppe »Hände weg vom Wedding«. Ihr Sprecher Martin Steinburg sagt, die Demonstration sei heute von einem breiten nachbarschaftlichen Bündnis getragen und über die Initiativen eine »wirklich im Kiez verankerte Organisierungsform« entstanden. Mit der »Obdachlosenhilfe«, »Wedding hilft« oder der Erwerbsloseninitiative »BASTA!« wolle man das Thema soziale Gerechtigkeit mit Leuten bearbeiten, die das ganze Jahr dazu aktiv sind. Selbstverständlich gebe es ein Spannungsverhältnis in der Zusammenarbeit, gibt Steinburg zu. Doch wenn man undogmatisch arbeite und »auch Szenefremden mal das Ruder in die Hand« gebe, stoße man »auf erstaunlich offene Ohren für Antikapitalismus«. Von radikaler Kritik will »Hände weg vom Wedding« nicht abrücken. Man wolle keine »Pseudomietpreisbremse oder noch ein Milieuschutzgebiet, das vielleicht ein paar wenigen hilft«, sagt Steinburg. Auch die Bilanz des rot-rot-grünen Senats verlange Opposition. »Wir wollen ein Recht auf Wohnen, keinen Wohnungsmarkt - das ist ein fundamentaler Unterschied. Auch ein sozialer Wohnungsmarkt ist eiskalt«, sagt Steinburg weiter.

Der Aufruf zur Demonstration beschränkt sich jedoch nicht auf die Kritik an Gentrifizierung im Wedding, sondern reißt auch die Themen Rassismus, Nationalismus, Polizeigewalt und Überwachung an. Dass dies keine bloße Aufzählung linker Allgemeinplätze ist, erklärt Steinburg: »Schwerpunkt der Demo ist der Kiez, alles was im Aufruf steht, spiegelt sich hier wider. Die neoliberale Umstrukturierung drückt uns die Themen rein.« Letzten Endes seien aber die Probleme in Kreuzberg oder Neukölln die gleichen, man sei solidarisch mit Kämpfen in anderen Kiezen und es bestünden auch Kontakte zu anderen Bündnissen, ergänzt Emma Bachman, die ebenfalls für das Demonstrationsbündnis spricht.

Um Austausch und Vernetzung im Stadtteil zu verstetigen, plane »Hände weg vom Wedding« zusammen mit anderen auch das »Kiezhaus Agnes Reinhold«. Eine Immobilie sei dafür bereits in Aussicht, so Bachman. In dem Projekt, das nach einer Weddinger Anarchistin benannt ist, sollen »verschiedene Lebensrealitäten und soziale Kämpfe zusammenfinden«, heißt es auf der Homepage des Projekts. Das Bündnis verfolgt einen basisorientierten Ansatz. Die Themen müssten aus dem Kiez kommen, sonst seien Vernetzungen meist nicht erfolgreich, sagt Steinburg. Auch Beiersdorf und die »Obdachlosenhilfe« beteiligen sich an der Demonstration, »weil die Vernetzung mit Initiativen, die sich wie wir für eine solidarische Gesellschaft einsetzen, der einzige Weg ist, gemeinsam eine Veränderung zu erreichen«.

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