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Orthodoxe mit Sonderrechten

Die Privilegien der Ultras stehen auf dem Prüfstand

Während die meisten Israelis in diesen Tagen den 70. Jahrestag der Unabhängigkeit ihres Staates feiern, demonstrieren vor allem in Jerusalem regelmäßig Hunderte ultraorthodoxe Juden: Sie fordern, dass Religiöse auch weiterhin von der Wehrpflicht befreit bleiben, und so mancher bringt dabei auch seinen Unmut über die Existenz Israels als solche zum Ausdruck.

Denn Ultraorthodoxe, die an ihrer schwarzen Kleidung zu erkennen sind, nehmen traditionell in der israelischen Gesellschaft eine Sonderstellung ein. Viele von ihnen lehnen den Staat Israel aus religiösen Gründen ab, verweigern ihm den Dienst. Um dennoch allen Juden ein Leben in Israel zu ermöglichen, wurden Anfang der 50er Jahre Kompromisse beschlossen: Man befreite Ultraorthodoxe vom Wehrdienst und erlaubte ihnen, die Lehrpläne in ihren Schulen selbst fest zulegen.

Doch heute steht dieser Kompromiss auf dem Prüfstand, und das auch, weil die Zahl der Ultraorthodoxen von anfangs wenigen tausend auf nun fast zehn Prozent der 8,655 Millionen Einwohner (2017) zählenden Bevölkerung gestiegen ist; viele Israelis empfinden die Sonderrechte als ungerecht, zumal das Verhältnis zum Staat durchaus ambivalent ist: Trotz der Ablehnung nehmen Ultraorthodoxe, von denen 60 Prozent unter der Armutsgrenze leben, Sozialleistungen in Anspruch; im Parlament sind zudem auch zwei orthodoxe Parteien vertreten und an der Regierung beteiligt. Oliver Eberhardt

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