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Ein kleiner Neustart

Viele Olympiahelden sagten Marco Sturm vor der Eishockey-WM ab. Also setzt der Bundestrainer auf junge Spieler

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Bundestrainer Marco Sturm ist in einer verzwickten Lage. Einerseits will er den Schwung nutzen, den der sensationelle Gewinn der olympischen Silbermedaille seiner Mannschaft ausgelöst hat, um das deutsche Eishockey weiter nach vorn zu bringen. »Ich war seit dem Februar viel unterwegs. Weil die Spieler sofort wieder in die Playoffs starteten, war es an mir, unsere Sportart und die Nationalmannschaft zu präsentieren. Das Ziel muss sein, mehr Nachwuchs zu bekommen. Ich habe schon ein paar neue junge Spieler dazukommen sehen. Das ist ein erster kleiner Schritt«, sagt Sturm.

Andererseits muss er die Erwartungen dämpfen, wenn an diesem Freitag die Weltmeisterschaft in Dänemark beginnt und neu gewonnene Fans eine Wiederholung des Wunders von Pyeongchang erwarten. »Man muss auf dem Teppich bleiben. Andere Nationen sind weiterhin besser als wir. Das hat sich nicht geändert. Wir stehen auf Weltranglistenrang sieben, und es wird schon sehr schwer, diesen Platz zu verteidigen«, warnt Sturm. »Schon in der Vorrunde sind harte Brocken dabei. Alle Mannschaften sind eng zusammen.«

Dabei durfte der Bundestrainer zur WM - im Gegensatz zum Olympiaturnier - die besten deutschen Profis aus der NHL nominieren. Das gilt jedoch auch für alle anderen Nationen, und davon profitieren Teams wie Kanada, Schweden oder die USA weitaus mehr, da sie viel mehr Spieler in der nordamerikanischen Eliteliga haben. Das Niveau der Gegner wird also steigen, das des deutschen Teams trotz des 22-jährigen Superstars Leon Draisaitl aber kaum, denn insgesamt werden Sturm 15 Silbermedaillengewinner von Südkorea fehlen.

Nicht einer davon wurde von einem NHL-Spieler verdrängt, denn davon sind gerade mal drei im WM-Kader. Dafür nimmt Sturm acht Akteure komplett ohne WM-Erfahrung mit. Manuel Wiederer von den zweitklassigen San Jose Barracuda reist sogar ohne ein einziges Länderspiel an. »Es ist ein kleiner Neustart für uns« sagt Sturm. Die 25 Nominierten konnten zudem nicht einmal in einem Testspiel zusammen auf dem Eis agieren. Die Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist gerade erst zu Ende gegangen, so dass die fünf Finalisten aus Berlin und München bei keiner Vorbereitungspartie mit dabei waren. »Mit den Finalspielern hatte ich leider nur zwei Trainingseinheiten. Daran kann ich aber nichts ändern. Ich versuche, das Beste daraus zu machen«, sagte Sturm, der nur vor der Heim-WM 2017 mal die komplette Mannschaft für zwei Wochen vor einem großen Turnier versammeln durfte. »Das war damals sehr gut. Durch die Olympiapause war das dieses Jahr aber nicht möglich. Zum Glück kennen mich die Jungs schon eine Weile. Daher hoffe ich, dass die Umstellung schnell geht.«

Die WM des Vorjahres ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, wie Sturm aus der Not eine Tugend machen kann. Gern setzt er dabei auf unbekannte junge Talente anstatt auf Haudegen der zweiten Reihe. »Ich bin ein Fan junger Spieler. Es wäre schön, wenn wieder jemand eine Erfolgsgeschichte schreiben könnte wie Frederik Tiffels letztes Jahr«, erinnert sich Sturm an den Aufstieg des 22-jährigen Kölners, der damals vom US-College direkt ins Nationalteam rutschte und danach einen NHL-Vertrag unterschreiben konnte. Diesmal überzeugte College-Spieler Marc Michaelis in der WM-Vorbereitung mit drei Toren.

Bei Olympia waren beide nicht dabei. Nach Südkorea wollten aber auch alle gestandenen Profis, die nicht gerade in der NHL spielen. Sturm setzte mal auf Erfahrung und wurde mit Silber belohnt. »Der Zusammenhalt war unglaublich groß und wuchs mit der Zeit weiter an. Wir haben unsere Aufgaben auch spielerisch gut gemeistert und unseren Plan perfekt umgesetzt«, resümierte der Bundestrainer kürzlich noch mal das Olympiaturnier. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Deutschland mit zwei Niederlagen ins Turnier gestartet war. Norwegen konnte danach nur im Penaltyschießen, die Schweiz in der Verlängerung geschlagen werden. Erst ab dem Viertelfinale wuchs die Mannschaft gegen Schweden und Kanada sowie im knapp verlorenen Finale gegen Russland über sich hinaus.

So etwas ist nicht beliebig wiederholbar, schon gar nicht mit einem fast runderneuerten Team. Führungsspieler wie Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer sind zurückgetreten, andere legen eine Pause ein. So steht zu befürchten, dass der neue Schwung sogleich wieder gestoppt wird.

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