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  • Ostdeutscher Sparkassenverband

Der Lockruf des Geldes

Zwei sächsische Kommunalpolitiker konkurrieren um lukrativen Job bei Sparkassenverband

  • Von Hendrik Lasch, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

Als der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung im März 60. Geburtstag feierte, titelte ein Boulevardblatt: »Forever Jung!« Das Blatt spielte auf die Ankündigung des Jubilars an, sich 2020 zum dritten Mal um den Chefposten im Rathaus bewerben und sieben Jahre amtieren zu wollen. »Ich fühle mich kräftig, die Stadt blüht und gedeiht, und da möchte ich noch bissl dabei sein«, erfuhren die Leipziger.

Zwei Monate später wird klar, dass sich Jung auch ein anderes Leben vorstellen kann: eines, bei dem er sein Amtszimmer in Leipzigs Rathaus gegen eines in einem Büroturm in Berlin tauschte, was ihm mit etwa einer halben Million Euro im Jahr versüßt würde. Der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV), Dachverband der 45 kommunalen Geldinstitute aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, will im Oktober einen neuen Präsidenten wählen. Amtsinhaber Michael Ermrich, früher Landrat im Harz und erster Nicht-Banker auf dem Posten, geht in Rente. Nach einigen Spekulationen erklärte Jung, den Posten anzustreben: Er wolle den Sparkassen im Osten »da, wo möglich, zu noch stärkerer Sichtbarkeit verhelfen«.

Jung ist freilich nicht der einzige Bewerber. Als Anwärter wird auch ein weiterer prominenter Kommunalpolitiker aus Sachsen gehandelt, der Bautzener Landrat Michael Harig. Der 57-Jährige, der im Unterschied zum gebürtigen Westfalen Jung eine Ostbiografie hat, leitet die Kreisverwaltung seit 2001 und ist eigentlich bis 2022 gewählt. Schon jetzt hat er Führungspositionen im OSV-Verbandsvorstand inne, dem Jung nur als Mitglied angehört, und sitzt auch im Präsidialausschuss des Verbands.

Die Kampfkandidatur ist nicht nur parteipolitisch pikant: Jung ist SPD-Mann, Harig ein CDU-Mitglied - beide Parteien koalieren derzeit im Freistaat. Die Kandidaturen entzweien zudem die kommunalen Spitzenverbände: Harigs Kandidatur wird vom Landkreistag unterstützt, die des Leipziger OB vom Städte- und Gemeindetag. Weil gemutmaßt wird, dass bei konkurrierenden Kandidaturen aus Sachsen ein Dritter den Zuschlag erhalten oder Ermrichs Amtszeit verlängert werden könnte, versuchten beide Verbände, sich bei einem Krisengipfel vorige Woche zu einigen, jedoch ohne Erfolg. Jung spielte den Konflikt herunter: Es sei »nichts Ungewöhnliches oder gar Fragwürdiges«, wenn es mehrere Bewerbungen für ein Amt gebe. Sollte er den Kürzeren ziehen, werde die Welt für ihn nicht untergehen, gab er zu verstehen: »Natürlich will ich gewinnen, aber ich muss nicht gewinnen.« Schließlich sei Leipzig eine »wunderbare Stadt« und halte »spannende Herausforderungen« bereit.

Um deren Bewältigung indes dürften sich andere kümmern - so oder so. Erhält Jung den OSV-Job, gibt es 2019 eine vorgezogene OB-Wahl; bekommt er ihn nicht, ist indes nur noch schwer vorstellbar, dass er glaubwürdig eine erneute Kandidatur anstreben könnte. Die LINKE krempelt bereits die Ärmel hoch: Man sei für einen Wahlkampf »gut gerüstet«, sagt Stadtchef Adam Bednarsky. Jung warf er vor, den »Tiefensee zu machen«. Ex-OB Wolfgang Tiefensee war 2006 aus dem Rathaus nach Berlin gewechselt und ist inzwischen Minister in Thüringen. Spekuliert wird nun, wen die SPD zum Nachfolger machen will: Generalsekretärin Daniela Kolbe, Fraktionschef Dirk Panter oder Integrationsministerin Petra Köpping. Sören Pellmann, LINKE-Fraktionschef im Stadtrat, fürchtet, der Abgang des populären Jung werde »zum weiteren Niedergang der Leipziger SPD beitragen, was uns nicht kalt lässt«.

Und in Bautzen? Dort wird als potenzieller Erbe Harigs der Ordnungsdezernent Udo Witschas gehandelt, der wegen vertraulicher Kontakte zu einem NPD-Mann in der Kritik stand. Dass die CDU aus einer Neuwahl als Sieger hervorginge, ist indes nicht sicher. Das Bautzner Direktmandat bei der Bundestagswahl gewann die AfD.

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