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Eine Schaufensterpuppe als Matrose

Von Schiffsunfällen bis Schwarzarbeit - der Streifendienst der Wasserschutzpolizei Mainz hat reichlich zu tun

  • Von Christian Schultz, Mainz
  • Lesedauer: 5 Min.

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Als Thomas Spindler das Motorboot auf dem Rhein nahe Heidesheim erspäht, schaltet er das Blaulicht der »WSP IV« ein und winkt. Der Polizeihauptkommissar der Wasserschutzpolizei Mainz macht sich bereit für eine Kontrolle - wie so oft in diesen Tagen, wenn bei Frühsommerwetter viele Freizeitsportler auf dem Rhein sind.

Sein Kollege Andreas Korn lenkt das Polizeiboot parallel, fix wird vertäut. Den Kontrollierten, einer Familie aus Bad Kreuznach, fehlt ein Papier. So was wie der Fahrzeugschein beim Auto. »Da muss ich leider eine Verwarnung aussprechen.« Zehn Euro werden fällig, dann folgt zum Abschied Spindlers obligatorisches »Gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel«.

Kurz darauf stoppen die Beamten ein weiteres Sportboot. Das gehört Dirk Schmelzer aus Johannisberg im hessischen Rheingau, der gerade mit seiner Frau auf dem Rhein unterwegs ist. Die Papiere sind in Ordnung, es folgt ein kurzes Fachgespräch über Motoren und Rümpfe. Keine Spur von Ärger bei Bootseigner Schmelzer über den Polizei-Check. »Kontrollen sind wichtig. Und wenn man nichts zu verbergen hat, ist das doch kein Problem«, sagt er, winkt und fährt davon.

Spindler, Korn und ihre Kollegen von der Mainzer Station der Wasserschutzpolizei Rheinland-Pfalz sind zuständig für den Rheinabschnitt zwischen dem rheinhessischen Eich im Süden und der Fähre Ingelheim (Kreis Mainz-Bingen). In den Randzeiten übernehmen sie auch noch das Gebiet der dann nicht besetzten Station in Bingen. »Dann bestreifen wir bis zum Mäuseturm«, erklärt Spindler.

Und was beschäftigt die Beamten so alles? Da wären die Aufnahme von Schiffsunfällen, die Kontrolle von Schiffen - vom Frachter bis hin zu Fahrgastschiffen. Es geht um mögliche Schwarzarbeit an Bord, die richtige Deklarierung von Abfällen, ob Ruhezeiten eingehalten werden. Vorschriften für die richtige Ladung an Bord werden gecheckt, Angler kontrolliert, nach illegalen Campern in Schutzgebieten wird Ausschau gehalten. Auch Temposünder gebe es, sagt Spindler. »Wir machen eigentlich das, was die Kollegen an Land auch machen.«

Er selbst ist schon seit Jahrzehnten dabei. Wasseraffin sei er, tauche gern und sei bei einem gekenterten Drachenboot schon mal beherzt selbst in die Rheinfluten gesprungen. Anekdoten kann Spindler eine Menge erzählen. Ein Frachtschiffer sei mal allein an Bord unterwegs gewesen, obwohl es ein weiteres Besatzungsmitglied gebraucht hätte. Eine Schaufensterpuppe habe er so in eine Koje gelegt, dass sie durch ein Fenster wie ein schlafender Kollege ausgesehen habe. Durchgekommen sei er damit am Ende aber nicht. Auch Wasserleichen hat er schon gesehen, sagt Spindler. »Ganz schlimm.«

Als er das sagt, sehen er und Korn einen Stand-up-Paddler, der im Schutzgebiet der Mariannenaue bei Heidesheim-Heidenfahrt unterwegs ist - verbotenerweise. Sie holen ihn an Bord und klären ihn auf. Gisbert Klose aus Wiesbaden beteuert, hier zum ersten Mal unterwegs zu sein und die Hinweisschilder nicht gesehen zu haben - die Beamten belassen es bei einem Platzverweis und einer Verwarnung. »Heute Abend wäre ich mit meiner Frau dorthin gepaddelt«, erzählt Klose. Dann hätte es teuer werden können. Der Stand-up-Paddler bedankt sich und macht sich wieder auf den Weg, diesmal im für Wasserfahrzeuge zugelassenen Rheinabschnitt.

»In der Regel sind die Leute sehr nett«, sagt Polizeihauptkommissar Korn. Er habe auch mal Streifendienst an Land gemacht, da gehe es oft aggressiver zu. Für ihn sei es ein toller Job auf dem Wasser. »Ich möchte nichts anderes machen.« Sein Kollege Spindler nickt und ergänzt schmunzelnd: »Manchmal gibt es auch Vorlaute.« Er habe schon junge Männer in Motorbooten erlebt, die mit ihren Freundinnen auf Tour gewesen seien. Als dann eine Ordnungsgebühr fällig geworden sei, hätten sie ein ganzes Bündel an Scheinen rausgeholt.

Grundsätzlich mangele es so manchem Freizeitschiffer an Erfahrung, sagt Spindler. »Die fahren nur bei schönem Wetter und dann nur bis in die Auen, ankern und fertig.« Wenn es dann plötzlich windig und wellig werde oder ein Ausweichmanöver nötig werde, könne es zu Problemen kommen. Gefährlich könne der Rhein durchaus sein - auf dem Abschnitt bei Heidesheim etwa bei starkem Westwind für Surfer. Bei Oppenheim habe sich vor Jahren mal ein Motorboot bei höheren Wellen überschlagen. Und erst 2017 seien beim Abschlussfeuerwerk des Mainzer Johannisfests zwei Boote ineinandergekracht. Die Folge: Ein kniffliger Einsatz mit mehreren Verletzten im Dunkeln. »Es war ein Lottogewinn, dass nicht mehr passiert ist«, sagt Korn.

Wer kontrolliert werde, sei Erfahrungssache, erklärt Spindler. Grundsätzlich ziehe es immer mehr Menschen an und auf den Rhein. »Die Leute gehen immer öfter ans Wasser. Es ist schön und kostet nichts.« Als er das sagt, heult in Ufernähe ein Jetski auf - ein Wassermotorrad, wie die Beamten sagen. Die dürfen eigentlich keine Pirouetten drehen oder andere Manöver machen. Offiziell seien nur Streckenfahrten erlaubt, sagt Spindler. »Aber beweisen Sie das mal.«

Ob Jetski oder Powerboot, abgehauen ist den Beamten noch niemand. Ihr Boot ist flott unterwegs und kommt zu Tal - also flussabwärts - auf gut 50 Kilometer in der Stunde. Ein Motorbootfahrer habe mal eine Flucht versucht, erinnert sich Korn. »Dem ist der Motor hochgegangen.«

Die letzte Kontrolle auf dieser Fahrt ist für Spindler und Korn eine besondere, geht es doch um ein aufwendig mit Holz verkleidetes Motorboot aus italienischer Fertigung. »Ein Schmuckstück«, wie Spindler beim Blick durch das Fernglas betont. An Bord ist die vierköpfige Familie Andreas aus Mainz. Auch hier sind die Papiere schnell gecheckt, alles ist in Ordnung. Zu guter Letzt gibt es noch eine Gratis-Führung für die zwei Kinder auf der »WSP IV«. dpa/nd

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