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Mehr Dengue-Fälle durch Klimawandel

Gegen eine der weltweit häufigsten fiebrigen Infektionen gibt es bisher weder eine antivirale Therapie noch eine zuverlässige Impfung

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Das Dengue-Fieber gehört zu den Infektionskrankheiten, die durch Mücken der Gattung Aedes übertragen werden. Die Standardsymptome sind mehrtägiges Fieber, begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen. Da sich letztere als heftige Muskelschmerzen bei Bewegungen zeigen, trägt die Krankheit den Beinamen »bone breaker«, also Knochenbrecher. Der Verlauf des Fiebers ist zudem unregelmäßig, denn nach etwa sechs Tagen sinkt die Körpertemperatur zunächst, um nach weiteren zwei Tagen wieder anzusteigen. Hinzu kommt dann ein Hautausschlag mit kleinen Flecken, das hohe Fieber hält bis zu fünf Tage an.

Ist die Krankheit überstanden, bleiben oft noch einige Wochen depressive Verstimmungen bestehen. Allerdings gibt es auch einen schwereren Verlauf, der teilweise sogar tödlich endet. Dann treten starke Blutungen und Kreislaufversagen (das Dengue-Schock-Syndrom) auf.

Weltweit wird die Zahl der jährlichen Infektionen auf 390 Millionen geschätzt. Damit gehört die Erkrankung zu den am weitesten verbreiteten und am häufigsten übertragenen fieberhaften Infektionen. Außer in Europa tritt sie auf allen Kontinenten auf, vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. Aber auch im Süden unseres Erdteils tauchte sie mittlerweile auf, es wurden Fälle aus Kroatien, Südfrankreich und von der portugiesischen Atlantikinsel Madeira gemeldet. 2013 hatten britische Wissenschaftler bemerkt, dass die Krankheit weiter verbreitet war als bis dahin angenommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) war nur von 50 bis 100 Millionen Fällen pro Jahr ausgegangen, die Forscher sprachen hingegen von weltweit 300 Millionen unentdeckten Fällen.

Da das Virus auch in vielen bei Europäern beliebten Urlaubsländern vorkommt - etwa in Ägypten oder in Thailand - bringt sich manch einer das Fieber als Souvenir mit. Dem Robert-Koch-Institut wurden 2016 insgesamt 956 Fälle gemeldet, davon waren vier hämorrhagisch, also mit Blutungen verbunden. Auch diese vier Patienten überlebten.

Zwar gilt die Infektion eher als harmlos, aber sie bringt jährlich etwa eine halbe Million Menschen in die Krankenhäuser, es wird von mindestens 20 000 Todesfällen ausgegangen. Das Dengue-Fieber tritt häufig epidemisch auf. So wurden zum Beispiel in Sri Lanka 2017 mehr als 180 000 Fälle gemeldet. Bis mindestens März 2018 war kein Rückgang des Ausbruchs zu erkennen. In Sri Lanka wurden zudem alle vier bekannten Virustypen registriert. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit wiederholter Erkrankungen und schwerer Verläufe.

Eine Erklärung für die hohen Fallzahlen in verschiedenen Ländern wurde in klimatischen Veränderungen gefunden. Bei sehr großer Hitze entwickeln sich kleinere Mücken, die häufiger Blut saugen müssen als ihre normal großen Artgenossen. Auch starker Regen fördert die Vermehrung der Insekten, zumal ihnen schon geringe Flüssigkeitsmengen zur Fortpflanzung genügen. Da sie tagaktiv sind, kann mit Moskitonetzen nicht allzu viel erreicht werden.

Gegen das Dengue-Fieber gibt es noch keine zugelassene antivirale Therapie, jedoch seit 2017 einen Impfstoff. Dengvaxia wurde nach Auskunft des Bernhard-Nocht-Institutes Hamburg, das zu Tropenkrankheiten und deren Therapien forscht, in je fünf Ländern Asiens und Lateinamerikas getestet. An den Studien nahmen insgesamt mehr als 30 000 Menschen teil. Die Schutzwirkung lag bei 60 Prozent.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Dengvaxia nur für Länder, in denen mehr als 70 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen Dengue-Viren haben. Diese Menschen haben sich schon einmal mit dem Virus infiziert. Erst bei einer zweiten Infektion, so die Erfahrung, kann es zu dem schweren Verlauf mit Blutungen kommen. Das Problem liegt in der Existenz von vier verschiedenen Virentypen. Vorhandene Antikörper können offenbar die Erkrankung durch einen der anderen Typen verstärken. Auch nach der Dengvaxia-Impfung werden Antikörper gebildet. Noch ist unklar, ob auch diese künftige Infektionen verstärken. In Arbeit ist ein Impfstoff, der Antikörper gegen alle vier Dengue-Viren bilden soll.

Seit mehreren Jahren wird auch daran geforscht, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Wolbachia-Bakterien könnten hier ein vielversprechender Ansatz sein. Die Wolbachien kommen in manchen Mückenarten vor und produzieren dort antivirale Substanzen, die auch das Dengue-Fieber-Virus töten. Forscher aus Liverpool haben kürzlich mit Wolbachien infizierte Mücken in zwei Feldversuchen in Brasilien und Vietnam freigesetzt. Die Auswirkungen auf die vorhandenen Mücken sind jedoch noch nicht abschließend untersucht. Offenbar spielen bei der Übertragung des Dengue-Virus noch unbekannte Faktoren eine Rolle.

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