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Expeditionsreisen im russischen Jahrhundert

Erinnerungen an Fritz Mierau (1934 - 2018)

  • Von Wladislaw Hedeler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Von Fritz Mierau herausgegebene Reclambände bedurften keiner Werbung, seine kommentierten Übersetzungen russischer Autoren waren für uns Studenten ein Begriff. Freunde, die an der Sektion Germanistik der Humboldt-Universität studierten und Mierau kannten, erzählten, dass er an einer Ausgabe der Werke von Franz Jung arbeitet. Damals interessierte er sich für den sowjetischen Detektivroman und wollte mehr über Nikolai Bucharin erfahren, der 1923 in der »Prawda« einen Appell an die Schriftsteller veröffentlicht hatte, sich dem Thema der »roten Pinkertons« zuzuwenden. Die Ersten, die Bucharins Anregung folgten und Kriminalromane verfassten, waren Ilja Ehrenburg und Marietta Schaginjan. 1923 erschienen »Trust D. E.« und »Mess-Mend oder die Yankees in Petrograd«. Auf unser erstes Gespräch folgten weitere, wir trafen uns während seiner Arbeiten an der Franz-Jung-Edition und der Ausgabe der Werke von Pawel Florenski. Fritz Mieraus Horizont und Gründlichkeit waren immer wieder faszinierend, seine Fragen zum Thema »Russen in Berlin« eine Herausforderung.

Mit Blick auf den bevorstehenden Jahrestag der russischen Revolution fragten wir Ende 2016 an, ob er Zeit und Interesse hätte, an einem von der Redaktion des Journals »Berliner Debatte. Initial« organisierten Podiumsgespräch über das Revolutionsjahr und seine Folgen im Blick der Literatur teilzunehmen. Uns lag sehr daran, ein in seinen Publikationen über das russische Exil in Berlin angesprochenes Thema aufzugreifen. Es ging um »Berlin als Ort, an dem der Kampf um die Zukunft Russlands in Europa in seiner Leiblichkeit ausgetragen wird, betörend und erschreckend zugleich« (Fritz Mierau: »Russen in Berlin«. Weinheim 1988). »Die heikle Lage der beiden Länder - praktisch aufeinander angewiesen zu sein, wo sie sich doch grundsätzlich gegenseitig ausschließen - war mehr als ein politisches Paradox: Sie war die eigentliche neue Weltkonstellation unseres Jahrhunderts. Den Russen in Berlin verdanken wir die frühesten Anstrengungen, sich darin zurechtzufinden.«

Mit Blick auf die Berliner Begegnung Deutscher und Russen hatte Fritz Mierau hervorgehoben, dass es sich eher um eine intellektuelle oder kulturelle Erscheinung als eine von politischem Gewicht handelte. Eine gleichwohl politisch hochaktive Öffentlichkeit trug dazu bei, Berlin zu einem Ort überraschender Allianzen und Begegnungen zu machen. Die Einladung in die Mendelssohnstraße - wie immer per Briefpost - ließ nicht lange auf sich warten. Was er dazu zu sagen hätte, sei doch veröffentlicht und könne nachgelesen werden, gab Mierau zu bedenken. Er, der, wie es in einem der vielen Nachrufe zu Recht heißt, unablenkbar blieb, würde uns jedoch gerne - mit Blick auf die ihm angebotene Möglichkeit der Publikation - das Kapitel eines Buches über Maximilian Woloschin anbieten, an dem er gerade mit Nachdruck arbeite. Zudem läge in der Schublade ein zum Gedenken an den Hamburger Verleger Lutz Schulenburg geschriebener Beitrag über Sergej Tretjakow im intellektuellen Haushalt der DDR. Beide Texte sind veröffentlicht. Unsere Hoffnung auf einige Zeilen zu den in das Journal aufgenommenen Beiträgen seiner Kollegen, die er mit Interesse las, hat sich leider nicht erfüllt. Fritz Mierau ist am 29. April 2018 in Berlin verstorben. Seine Beisetzung findet an diesem Donnerstag um 10 Uhr auf dem Alten Friedhof St. Marien-St. Nikolai, Prenzlauer Allee 1, 10405 Berlin, statt.

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