Werbung

Ein Pokal zum Abschied

Mit Griezmann holt Atlético Madrid die Europa League

  • Von Nils Bastek, Lyon
  • Lesedauer: 3 Min.

Es wäre ein nahezu perfekter Abgang. Zwei Treffer als Abschiedsgeschenk, 3:0-Sieg gegen Olympique Marseille im Finale der Europa League, erster großer Titel der Karriere: So lief die wahrscheinlich letzte große Vorstellung von Antoine Griezmann für Atlético Madrid. Nicht einmal sein Trainer Diego Simeone wäre ihm jetzt noch böse, sollte er im Sommer tatsächlich zum schwer interessierten FC Barcelona wechseln.

»Wenn er uns verlässt, ist das okay, weil er so viel für den Klub gegeben hat«, sagte Simeone nach dem Titelgewinn in Lyon. Griezmann dagegen wirkte im Anschluss an den bisher größten Sieg seiner Karriere gewohnt phlegmatisch, antwortete knapp und noch knapper auf Fragen zu seiner Zukunft: »Ich will die Gegenwart genießen.« Simeone weiß, dass sein immer wieder umworbener Star diesmal wirklich gehen könnte. Denn spätestens jetzt wird sich Griezmann fragen: Was kann ich mit Atlético noch gewinnen?

Fragt man den Trainer, könnte das noch einiges sein: »Sportlich sind wir nicht so weit weg von den Teams, die tiefer in die Tasche greifen können.« Tatsächlich stand Atlético zum fünften Mal innerhalb von acht Jahren in einem europäischen Finale und hatte dabei 2014 und 2016 nur äußerst knapp gegen den Stadtrivalen Real den Sieg in der Champions League verpasst.

Auch den Gewinn der spanischen Meisterschaft machen seit Griezmanns Ankunft in Madrid im Sommer 2014 immer nur Real und Barça unter sich aus. Der 27-jährige Franzose zählt zu den besten Stürmern der Welt. Große Titel seien daher sein Ziel, »seit ich mit 14 meine Heimat verlassen habe«, sagte er nach dem Finale. Der allergrößte Titel für einen Vereinsfußballer ist die Champions League. Die Chance, diesen an der Seite von Lionel Messi mit dem FC Barcelona zu gewinnen, scheint tatsächlich etwas größer.

Griezmann wirkte müde, als er mal wieder auf die Wechselgerüchte angesprochen wurde. »Es ist jetzt nicht die Zeit, um über meine Zukunft zu reden«, meinte er. Am Sonntag muss Atlético noch einmal in der Liga gegen Eibar antreten. Ein Unentschieden reicht, um vor Real die Vizemeisterschaft perfekt zu machen. Vielleicht läuft Griezmann dann zum letzten Mal im rot-weißen Trikot auf.

Eine Legende des Klubs wird dagegen ganz sicher verabschiedet. Fernando Torres bestreitet am Sonntag das letzte Spiel für seinen Herzensverein. Der 34-jährige Stürmer macht Schluss. Daher war der Abend von Lyon eine kleine Krönung für ihn. »Ein Traum ist wahr geworden«, sagte Torres. Dabei hatte er schon zuvor alles gewonnen: Champions League mit dem FC Chelsea 2012, zwei mal die Europameisterschaft und einen WM-Pokal mit Spanien, Weltmeister und vieles mehr.

Von einer solchen Vitrine träumt nun Antoine Griezmann. Er weiß, dass auch Torres für einige dieser Titel Atlético hatte verlassen müssen. dpa /nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!