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Aus dem Mund der Diva

Der französische Fotograf Tom Volf lässt in seiner Dokumentation »Maria by Callas« die Sängerin selbst zu Wort kommen

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Weltpremiere fand in Rom statt, was wohl kein Zufall war. Denn eine abgebrochene Aufführung von »Norma« auf der römischen Bühne wurde einer der wegweisenden Skandale im bewegten Leben der Operndiva, die der Filmemacher Tom Volf rund vierzig Jahre nach ihrem Tod in ihren eigenen Worten erzählen lässt, wie schwierig es war, die Privatperson Maria mit dem öffentlichen Star Callas zu vereinbaren.

Der Dokumentarfilm »Maria by Callas« ist beinahe eine posthum autorisierte Biografie. Autorisiert von den Angestellten der einsamen Sängerin, ihrem Majordomo und ihrer Haushälterin, denen Volf den Film widmete. Ein Interview mit dem US-Starreporter David Frost (»Frost/Nixon«) steht im Mittelpunkt der Bild- und Ton-Collage aus Opernmitschnitten, Probenaufnahmen, Roter-Teppich-Berichterstattung, weiteren Interviews und eingelesenen Briefen und Tagebucheinträgen. Eva Mattes ist die Callas-Stimme der deutschen Fassung, Fanny Ardant war es im französischen Original.

Material gab es reichlich: Die Callas war eine viel gefilmte Frau, eine öffentliche Figur der starken Konturen und harten Kontraste. Mehrsprachig auch, hier (untertitelt) zu hören in fließendem Englisch, Französisch, Italienisch. Manchmal bestand ein Widerspruch zwischen ihren privaten Äußerungen und ihren öffentlichen Statements, aber das liegt wohl in der Natur der Dinge. Volf, der die Künstlerin Callas vor fünf Jahren eher zufällig entdeckte, erweist sich jedenfalls als zielstrebiger Fan, der keine Mühe scheute, das Mysterium Callas auszuleuchten und Menschen zu finden, die sie näher kannten und Aufzeichnungen bewahrten.

Er historisiert die Filmaufnahmen, koloriert nach, zeigt ein oft stark vermitteltes Bild samt Bildstrich und Perforation - artifiziell zwar, aber es funktioniert, weil der inoffizielle Charakter mancher Aufnahmen, ihre suggerierte Schlüssellochperspektive, die Aura noch verstärkt. Wer da neben der Callas im Bild ist, wird nicht weiter aufgeführt - die Bandbreite reicht von ihren Regisseuren Luchino Visconti und Pier Paolo Pasolini bis zu den Schauspielkolleginnen Anna Magnani und Brigitte Bardot.

Volf lässt die berühmte Stimme zur Geltung kommen und die viel gerühmte schauspielerische Ausdrucksstärke. Er dokumentiert das schwierige Verhältnis zur Mutter, die gestohlene Kindheit, die frühen Jahre in New York und Kriegsjahre in Griechenland, die Ausbildung, die Ehen, die Opernhäuser (und ihre Intendanten), die stets klatsch-, tratsch- und skandalsüchtige Presse.

Die aus Callas’ Korrespondenz zitierten Passagen stammen meist aus Briefen, die an Elvira de Hidalgo, die Gesangslehrerin und Mentorin, aber auch an Grace Kelly in Monaco, oder, höchst privat, an Marias Geliebten gesendet wurden, den griechischen Reeder Aristoteles Onassis, für den Callas ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft aufgab, um eine endlose Scheidung abzukürzen - nur um dann aus der Presse zu erfahren, dass Onassis eine Hochzeit mit der Kennedy-Witwe Jacqueline plante.

Man wird, neben der Stimme und Schauspielkunst, Callas’ warmes Lachen in Erinnerung behalten.

»Maria by Callas: In Her Own Words«, Frankreich 2017. Regie: Tom Volf. 113 Min.

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