Werbung

Chic im Osten oder Modische Zeitreise in die Vergangenheit

Leipziger Verein präsentiert mit großem Erfolg Mode aus der DDR

  • Von Heidrun Böger, Leipzig
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Aktiv ist der Verein bereits seit Mai 2011. Das Thema spricht viele an, wie der zunehmende Erfolg des Vereins zeigt. »Angefangen hat alles mit einem Buch«, erzählt Autorin Ute Scheffler, eine der Macherinnen. Das hieß »Chic im Osten« und beschäftigte sich mit der Mode zu DDR-Zeiten. Was trug Frau (und Mann) vor 70 oder 40 Jahren, wenn sie zur Arbeit, in die Schule oder zur Uni ging? Was trug der Durchschnitts-Ossi bei Festen, in der Disco oder im Urlaub? Wie schick war der Osten?

Die Mode war, so Ute Schefflers Einschätzung, kreativ, vielseitig und von guter Qualität. Sie erzählt eine Anekdote: Einer der jungen Männer im Verein - nach 1989 geboren - sah einen Stapel Jeans und wunderte sich, dass zur Modenschau auch West-Jeans gezeigt werden. Ute Scheffler: »Wenn man nur flüchtig drauf schaut, sieht man keinen Unterschied.« Als sie sich mit dem Thema beschäftigte, war es wie eine Zeitreise in ihre Kindheit. In der Wohnung ihrer Mutter lagen DDR-Modezeitschriften wie Pramo, Sibylle und Saison. Ergänzend zum Buch, das im Leipziger Verlag für die Frau 2010 erschien, kam eine Anfrage, ob nicht eine Modenschau möglich sei. Es folgte eine kleine Anzeige im »Neuen Deutschland« mit einer großen Resonanz bei den Lesern, die Hunderte Kleidungsstücke zur Verfügung stellten. So fing alles an.

Ute Scheffler kann schneidern. Sie hat es von ihrer Mutter gelernt. Da das Angebot in den Läden oft nicht so gut beziehungsweise nicht so vielseitig war, nähten viele selbst. Natürlich war es manchmal schwierig, einen guten Stoff zu finden. Aber letztendlich entstanden individuelle Hosen, Jacken und Blusen, auf die die Trägerinnen und Träger stolz waren. Nach Ute Schefflers Erfahrung war auch vieles in den Läden schick, nicht nur im Exquisitgeschäft: »Nur waren die wirklich modischen Stücke schnell weg.«

Im gemeinnützigen Verein arbeiten derzeit etwa 20 Männer und Frauen - von 20 bis über 60 Jahre alt. Zu den Organisatoren zählen Museologen, Designer, Kulturwissenschaftler und Moderedakteure. Ute Scheffler selbst ist promovierte Philosophin und verdient ihr Geld mit Kommunikationsseminaren.

Die Mitglieder vereint die Liebe zur Mode im Osten. Sie organisieren mehrmals im Jahr Modenschauen, Ausstellungen, Gespräche und Lesungen. In den Ausstellungen wird mit Schaufensterpuppen die Mode gezeigt, dazu Accessoires, Modezeichnungen und Modefotografie. Alles wird individuell je nach Auftraggeber konzipiert. Es gibt einen Fundus von etwa 3000 Stück DDR-Mode, von der Wisent-Jeans über Dederonkleider bis zu Präsent-20 Anzügen und Kostümen - alles eingelagert in Leipzig. Von hier aus werden die Veranstaltungen organisiert. Models sind ausschließlich Vereinsmitglieder, manchmal auch deren Kinder und Enkel. Schwerpunkt ist natürlich der Osten zwischen Schmalkaden und Binz, aber es gibt auch Anfragen aus Wiesbaden und Hamburg. Kürzlich gestaltete man eine Ausstellung unter dem Titel »Feten, Fummel, Cola-Mix - Partymode in der DDR« in der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig mit großem Erfolg.

Die gezeigte Kleidung aus der sozialistischen Konfektionsindustrie ist, so Ute Schefflers Einschätzung, oft besser als ihr Ruf. Alles grau und grau, das war nur bedingt wahr. »Natürlich waren Präsent 20 und Dederon nicht atmungsaktiv, aber das waren die vergleichbaren Stoffe im Westen auch nicht.« Nylon und Dederon waren identisch, hießen nur anders. Viele in der DDR peppten gekaufte Konfektionsware auf, auch das ist in den Modenschauen zu sehen. Es war natürlich auch eine Imagefrage. Levi’s und Wrangler-Jeans galten als toll, hatten aber nur Kinder, deren Familie über Westkontakte verfügte. Jeans waren lange nicht nur Mode, sondern auch Einstellung. Bis Mitte der 70er Jahre wurden Jeans - egal ob aus dem Osten oder Westen - in der Schule nicht gern gesehen. Später lockerte sich das.

Bei allem Erfolg gibt es für die Vereinsmitglieder aber noch ein großes Ziel: Sie hätten gern in Leipzig eine ständige Ausstellung als Begegnungs- und Veranstaltungsort rund ums Thema Mode und Alltagskultur. Sie müssten dafür natürlich Räume anmieten. Noch werden Sponsoren gesucht.

Internet:

www.chic-im-osten.de

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!