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Des einen Freud, des anderen Leid

Zieht der Maulwurf in die Stadt?

  • Von Marco Krefting, München
  • Lesedauer: 4 Min.

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Ganze Fußballfelder hat er schon umgewühlt und den einen oder anderen Hobbygärtner zur Weißglut getrieben, wenn er auf fein zurechtgestutztem Rasen seine Haufen hinterlässt: Der Maulwurf buddelt sich gerne auch in der Nähe von Menschen durchs Erdreich.

Naturschützer sehen darin klare Vorteile: Der Maulwurf verspeise Schädlinge wie Schnecken und Engerlinge, vertreibe Wühlmäuse, durchmische, belüfte und drainiere den Boden, findet etwa der BUND. Selbst dem manchmal lästigen Aushubmaterial gewinnt der Verband Positives ab: »Maulwurfshügel liefern zudem hervorragende Erde für Blumenbeete.« Der Nabu spricht von einem eher »ästhetischen Problem«.

Wie viele Maulwürfe es gibt, weiß niemand. Der stellvertretende Geschäftsführer vom Bund Naturschutz Bayern, Martin Hänsel, sagte vor kurzem, den Maulwurf ziehe es in Großstädte. »Insgesamt geht man durch die zunehmende Landwirtschaft davon aus, dass die Gesamtzahl der Maulwürfe abnimmt. Die Stadt ist ein Refugium geworden, wie auch für Vögel oder den Igel«, sagte Hänsel der »Süddeutschen Zeitung«.

Der Maulwurf komme locker über Feldwege und einspurige Straßen. »Das macht er aber nur, wenn der Randstein nicht zu hoch ist und er auf der anderen Seite eine sichere dunkle Böschung als Silhouette erkennt«, so Hänsel. Maulwürfe seien aber eher auf Flächen zu finden, die ans Umland angeschlossen sind.

Forstwirtin Geva Peerenboom vom Fachbereich Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Universität Freiburg, die dort am Projekt Wildtiere in der Stadt mitarbeitet, meint: »Der Maulwurf ist ein klassischer Wiesenbewohner.« Wenn etwa künstliche Bewässerung in der Stadt mehr Regenwürmern einen Lebensraum biete, könnte diese Nahrungsquelle durchaus Maulwürfe anlocken. »Aber in der Stadt gibt es Barrieren wie große Straßen, wo Maulwürfe sich nicht durchbuddeln können.« Weil der genetische Austausch in den Inselpopulationen etwa in Stadtparks fehle, verschwänden sie dort.

Während der Maulwurf in der Erwachsenenwelt als Synonym für Spitzel herhält, wird er für Kinder stets drollig dargestellt: Sei es im Buch-Bestseller von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch, in dem ein Maulwurf herausfinden will, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Sei es »Der kleine Maulwurf« aus der Zeichentrickserie. Der possierliche Geselle ist dort mal als Chemiker unterwegs, bekommt mal eine Hose, hantiert mit Raketen und Autos oder trickst einen Bulldozer aus. Zeichner Zdenek Miler erfand die Figur 1957 - nach eigenen Angaben, weil er bei einem Spaziergang über einen Maulwurfshügel stolperte.

In der Realität ist der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) mit 14 bis 16 Zentimetern Länge und schwarzem Fell ein Arbeitstier: Bis zu 6000 Quadratmeter kann das Jagd- und Wohnrevier des Männchens laut BUND zur Paarungszeit umfassen. »In einer einzigen Nacht kann der Maulwurf mit seinen schaufelartigen Vorderbeinen Tunnel von 100 Meter Länge anlegen.« 67 Meter pro Minute könnten die Tiere in den Gängen zurücklegen. Fast das Dreißigfache des Körpergewichtes heben sie an.

Um die 100 Gramm bringt ein Maulwurf auf die Waage. Aber sein schneller Stoffwechsel mache ihn gefräßig: Bis zu 30 Kilogramm Schnecken, Raupen, Regenwürmer und Insektenlarven vertilgt er den Angaben nach pro Jahr. Hänsel spricht daher von »Fressmaschinen«. Schon zwölf Stunden ohne Fressen könnten lebensbedrohlich sein.

Die Buddler leben Peerenboom zufolge 10 bis 30 Zentimeter unter der Erde - im Winter auch mal bis zu einem Meter, um dem Frost zu entgehen. Laut Hänsel graben manche Tiere, die maximal sechs Jahre alt werden, auf einer Fläche von nur 300 Quadratmetern, wenn es genug Nahrung gibt. »Entscheidend ist, dass Flächen in sich so groß sind, dass die Tiere darin wandern können, wie im Englischen Garten.« Dort freut man sich über die Tiere: Prinzipiell seien sie »gern gesehene Bewohner in unseren Anlagen«, teilt eine Sprecherin der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen mit.

Wer sich dennoch über Maulwürfe ärgert, braucht die Schädlingsbekämpfer nicht anrufen. Weil der Maulwurf besonders geschützt ist, darf er nach dem Bundesnaturschutzgesetz weder gefangen noch getötet werden. Einzig Vergrämen ist erlaubt, wie Peerenbaum sagt. So könnten die Tiere etwa mit einem Ultraschallgerät gestört werden. Krach machen, Ball spielen - das empfehlen auch die Naturschützer. Und Brühe: Ansetzen aus Zweigen vom Lebensbaum, Holunder oder Knoblauch und in kleineren Mengen in die Gänge schütten, rät der NABU. »Der Maulwurf soll und darf nicht ertränkt werden, sondern die Brühe riecht sehr intensiv, was der feinen Nase des Maulwurfs nicht passt.« dpa/nd

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