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  • SV Waldhof Mannheim

Mannheim muss büßen

Der SV Waldhof wird lange an den Folgen der Ausschreitungen einiger seiner Fans leiden - der DFB sollte dennoch mit Bedacht reagieren

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

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Tage, Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre wird das Spiel zwischen Waldhof Mannheim und dem KFC Uerdingen den Fußball beschäftigen. Das Rückspiel in der Aufstiegsrelegation zwischen dem Zweiten der Regionalliga Südwest und dem Meister der West-Staffel wurde am Sonntag in der 82. Minute abgebrochen. Rund 50 Mannheimer Fans auf der Osttribüne hatten mit permanentem Zünden von Pyrotechnik Schiedsrichter Patrick Ittrich keine andere Wahl gelassen.

Das Hinspiel hatte Uerdingen mit 1:0 gewonnen, zur Zeit des Abbruchs führte der KFC mit 2:1. Offiziell aufgestiegen sind die Krefelder noch nicht. Zweifel, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zu Gunsten der Uerdinger entscheiden wird, gibt es aber nicht. Das Urteil des Sportgerichts wird noch in dieser Woche erwartet.

Etwas länger wird die Auswertung der Vorfälle dauern. Am Montag vermeldete das Polizeipräsidium Mannheim 45 Verletzte. »Das DRK hat uns 37 Menschen mit Atemwegsreizungen und Verbrennungserscheinungen gemeldet«, konkretisiert Pressesprecher Christoph Kunkel gegenüber »nd«. Leicht verletzt wurden auch sechs Beamte. Wie viele Rauchbomben, Böller und Leuchtraketen zum Einsatz kamen und wer sie gezündet hat, soll nun mit Videoaufnahmen geklärt werden. »Das kann sich über mehrere Wochen hinziehen«, so Kunkel. Er gehe fest davon aus, dass jede Tat ein Strafverfahren nach sich ziehe. Zehn Festnahmen und 24 Anzeigen gab es schon am Sonntag.

Es sollte eigentlich ein großer Tag für Waldhof Mannheim werden. Die Spiele in der vierten Liga wollten durchschnittlich nicht mal 5000 Zuschauer sehen - gegen Uerdingen war das Stadion mit fast 25 000 ausverkauft. Einen Tag danach sagt Klubpräsident Klaus-Rüdiger Geschwill: »Das ist für den SV Waldhof in jeder Beziehung ein Riesendesaster.« Und der 60-Jährige meint damit weniger den zum dritten Mal in Folge verpassten Aufstieg. Der Verein wollte sich mit einem Fußballfest ins Schaufenster stellen. Auf mögliche Sponsoren wird das Szenario eher abschreckend gewirkt haben. Stattdessen erwartet den chronisch klammen Klub eine deftige Strafe vom DFB. Mit rund drei Millionen Euro steht Waldhof schon bei Hoffenheims Chef Dietmar Hopp in der Schuld, der den SV Waldhof nicht nur einmal vor einer Insolvenz gerettet hat. Wie und wann der Klubs sich von den neuerlichen Rückschlägen erholt, bleibt abzuwarten.

Verständnis zeigte der Gegner. »Von Verbandsseite muss sich keiner wundern, dass die Leute ausrasten, wenn du drei Mal in so eine Scheiß-Relegation musst und drei Mal scheiterst«, sagte Uerdingens Stürmer Maximilian Beister. Die Regionalliga ist die einzige Spielklasse, in der die Meister bislang nicht direkt aufsteigen. Aber selbst wenn es in allen Fällen bei leichten Verletzungen geblieben ist, der immer wieder kritisierte Aufstiegsmodus entschuldigt keinesfalls Verletzungen - vor allem Unbeteiligter - durch Pyrotechnik.

Dennoch sollte der DFB überlegt reagieren, und nicht wie sein Vizepräsident Ronny Zimmermann: »Wenn das die Antwort auf ein Entgegenkommen und ein Dialogangebot ist, sind wir jetzt am Ende angekommen.« Generell sollte die Bereitschaft zum Dialog immer da sein. Zudem randalierten auch in Mannheim wieder nur einige wenige - die von der Masse dafür ausgepfiffen wurden.

Mannheims Trainer Bernhard Trares hatte sich während der Spielunterbrechung mit einem Mikrofon vor die Osttribüne gestellt: »Ich habe für eure Enttäuschung Verständnis. Lasst uns das aber bitte fair zu Ende bringen und ein gutes Gesicht zeigen.« Wenn selbst solche Ansprachen keine Wirkung zeigen, darf man das Interesse der Randalierer an ihrem Verein infrage stellen und sie als unbelehrbar bezeichnen. Bestrafen muss man sie auch. Aber eben nicht alle Fans. Wenn aber nun der DFB, der unter Präsident Reinhard Grindel zumindest ein tatsächliches Interesse für Fanprobleme zeigt, sich wegen dieser Partie wieder verschließt und zudem in der Urlaubs- und WM-Zeit auf einen restriktiveren Kurs umschwenkt, dann wird dieses Spiel den deutschen Fußball noch sehr lange beschäftigen.

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