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  • Berlin
  • Kinder in der Stadtentwicklung

Keine Chance auf Wasserspielplätze

Mitte ist Vorreiter bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei Stadtentwicklungsprojekten

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 4 Min.

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»Im öffentlichen Raum haben junge Menschen zu wenig Platz. Hier dürfen sie nicht und dort auch nicht«, sagt Katharina Homann. Sie leitet die Koordinierungsstelle Kinder- und Jugendbeteiligung im Auftrag des Bezirksamtes Mitte. Beschäftigt ist sie beim freien Träger Moabiter Ratschlag. Seit 2006 gibt es festgelegte Strukturen für die Beteiligung in der Stadtplanung. Damit ist der Innenstadtbezirk Vorreiter in der Hauptstadt.

Konkret läuft das so: Jährlich Ende Februar stellen die Kooperationspartner aus den Abteilungen Jugend und Stadtentwicklung im Bezirk in einem sogenannten Startgespräch ihre Vorhaben vor. »Dann müssen wir sehen, wo eine Beteiligung nötig und sinnvoll ist«, erklärt Homann. »Da ist zum Beispiel die Plansche Singerstraße, nahe der Karl-Marx-Allee«, hebt sie an. »Nach jetzigem Stand soll diese im Ursprungszustand wiederhergestellt werden, was bedeutet, dass es keine Änderungen geben wird.« Damit ist in ihren Augen auch eine Beteiligung wenig sinnvoll, schließlich sind keine Veränderungen vorgesehen.

Anders verhält es sich bei großen Spielplatzum- oder -neubauten mit Kosten ab 50 000 Euro. »Bei kleineren Investitionssummen geht es meist nur um den Austausch von Spielgeräten oder Ausbesserungen, da kann man nicht viel ändern«, sagt Homann. Sechs bis acht Projekte pro Jahr kommen so zusammen, drei Viertel davon sind Spielplatz- oder Kitagestaltungen, beim Rest dreht es sich um Straßen oder Plätze. »Ich selbst kann mich mit meiner halben Stelle nur um zwei Projekte pro Jahr kümmern«, erklärt die Leiterin. Inzwischen ist die Beteiligung jedoch häufig Teil der Ausschreibungen, um die Planungsbüros sich bewerben, sodass sich die Betroffenen auch bei den restlichen Projekten einbringen können.

So wie 2012 an der Waldstraße in Moabit. An zwei Nachmittagen besuchte Homann den dortigen Spielplatz. Auf Packpapier war ein Grundriss des Spielplatzes und der Umgebung aufgemalt. Kinder und Jugendliche konnten auf Kärtchen ihre Wünsche aufmalen und gleich auf dem Plan platzieren. Ein großes Zelt und eine Graffitiwand wünschten sie sich, aber auch einen Ersatz für das Kopfsteinpflaster der Straße, um besser Radfahren zu können. Immerhin 55 Kinder und 28 Erwachsene hatten sich beteiligt. »Je anschaulicher man die Beteiligung macht, desto besser läuft sie«, sagt die Expertin. Für den Spielplatz wünschten sich die Kinder vor allem mehr Klettermöglichkeiten, ein Trampolin, Baumhäuser, Schaukeln und außerdem einen Wasserspielplatz. »Letzteres ist normalerweise fast aussichtslos«, erklärt Homann. Denn aus Gründen des Infektionsschutzes sind einfache Handpumpen nicht mehr zulässig. Stattdessen müssen Druckleitungen installiert werden, was den Betrieb deutlich teurer macht. Davor schrecken die Bezirke zurück.

»Die Kinder stecken das aber erstaunlich gut weg, wenn manche ihrer Wünsche nicht realisiert werden«, berichtet die Beauftragte. »Sie freuen sich, dass sie überhaupt gehört werden, und sind eher überrascht, dass etwas umgesetzt wird.« Wichtig bei der Beteiligung sei, dass die Projekte in einem überschaubaren Zeitraum realisiert werden, also innerhalb eines Jahres. Beim Fritz-Schloß-Park unweit des Hauptbahnhofs dauerte die Umsetzung vier Jahre. »Dann haben die, die sich beteiligt haben, längst andere Interessen«, so Homann. Die Expertin setzt sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche auch bei solchen Projekten gehört werden, bei denen es für die Planer nicht offensichtlich ist, dass sie die Altersgruppe speziell betreffen. Wie die Straßenbahnverlängerung vom Hauptbahnhof zur Turmstraße, »die betrifft auch Schulwege«, nennt sie ein Beispiel.

Mitte war 2006 Vorreiter bei der Kinder- und Jugendbeteiligung in Stadtentwicklungsfragen. Obwohl der Senat bereits 2010 eine Mustervereinbarung für alle Bezirke vorgelegt hatte, haben seitdem nur Pankow, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg diese umgesetzt. Zwei Drittel der Bezirke ignorieren nach wie vor die Beteiligung, die sich letztlich auf die UNO-Kinderrechtskonvention stützt. Doch auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat bisher keine Strukturen, um junge Menschen in die Planung von Projekten einzubeziehen. Beim Dialogprozess »Alte Mitte - neue Liebe?«, bei dem es um die zukünftige Gestaltung des Areals rund um den Fernsehturm ging, gab es überhaupt keine direkte Beteilung von Kindern und Jugendlichen. »In dieser Hinsicht war das kein gutes Verfahren«, so Homann. Nicht viel anders sah es bisher bei der Freiraumgestaltung in der Europacity aus.

»Es muss ein Budget für die einzelnen Projekte eingeplant werden«, fordert Homann. Außerdem müssen die Honorarsätze im Jugendbereich deutlich steigen. »14,70 Euro Stundenlohn werden für die Aufgabe zugestanden - wie für einfache Betreuertätigkeiten«, sagt die Beauftragte. »Dabei ist Beteiligung viel mehr als das.«

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