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Die können alle kaufen

Reproduktion der Gutenberg-Bibel erscheint in Mainz

  • Von Peter Zschunke, Mainz
  • Lesedauer: 2 Min.

Nur Kirchen, Klöster und Rathäuser konnten die ersten Bibeln aus der Mainzer Druckwerkstatt von Johannes Gutenberg erwerben. Die jetzt neu erschienene Reproduktion können alle kaufen, um »die Schönheit der Zeichen und Ausgeglichenheit des Blocksatzes« zu bestaunen, wie der Buchwissenschaftler Stephan Füssel bei der Vorstellung des Faksimile-Werks schwärmte. Die Veröffentlichung der 1268 Seiten originalgetreu wiedergegebenen Seiten, zusammen mit einem Kommentar von 144 Seiten sei »ein Gruß der Stadt Mainz an die Welt, ein Höhepunkt im Gutenberg-Jahr«, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

Die Begeisterung für die gedruckte Bibel von 1454 teilten schon die Zeitgenossen. Aus Frankfurt berichtete der Gesandte des Vatikans Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II., in einem Brief an Kardinal Juan Carvajal von den »Druckbogen in höchst sauberer Schrift«, die der Kardinal auch »ohne Bryll lesen« könnte. Alle 180 Bücher seien bereits ausverkauft.

Vor Gutenberg habe es etwa zwei Jahre gedauert, eine Bibel mit der Hand abzuschreiben, erklärt Füssel. »In diesen zwei Jahren stellt Gutenberg 180 Exemplare her.« In rascher Folge kam es zu weiteren Druckauflagen: 1458 in Bamberg, 1462 in Mainz, 1471 in Rom, 1476 in Venedig und 1491 in Basel. Vom Erstdruck sind 49 Exemplare erhalten. Für den Faksimile-Druck wurde der Band verwendet, der in der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen aufbewahrt wird und im Jahr 2000 ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Diese Ausgabe kann auch im Internet eingesehen werden. Die Digitalisierung in hoher Auflösung war auch Grundlage für die Reproduktion im Taschen-Verlag.

Gutenberg hielt sich bei seinem Druck an eine Handschrift der Vulgata, der lateinischen Bibelausgabe, die um das Jahr 400 aus hebräischen und griechischen Vorlagen übersetzt wurde. Vermutlich stammte diese Handschrift aus der Zeit um 1300 aus einem Kloster oder einer Pfarrgemeinde in Mainz. Sie ist nicht erhalten.

In der Gestaltung des Druckbilds bemühte sich Gutenberg, dem Ideal der handschriftlichen Ausgabe nahezukommen. Für einen gleichmäßigen Blocksatz in zwei Spalten verwendete er 290 unterschiedliche Lettern, darunter Varianten von Buchstaben, Doppelbuchstaben und Abkürzungen. Auch einzelne Wörter wurden den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend abgekürzt. So konnten je nach Gestaltungsbedürfnissen einer Zeile statt sieben Buchstaben von »Christi« nur die drei Buchstaben »xpi« verwendet werden. »Diese Art der Satzarbeit ist konstitutiv für die Gutenberg-Bibel von 1454«, so Füssel. Bei den Forschungen stieß er auf ein Musterbuch, das die Vorlagen für die handgemalten Verzierungen und Initialen der Gutenberg-Bibel enthält. Der Verfasser notierte sogar, wo man die Farben kaufen konnte, in einer Apotheke in Mainz am Brand. dpa/nd

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