Werbung

Jung und mutig

Die Geschichte von Michael »Mike« Jovy

  • Von Roland Kaufhold
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Es war ein höchst außergewöhnliches illegales Treffen zweier junger Menschen an einem außergewöhnlichen Ort. Der 15-jährige Jean Jülich, der den gegen Hitler kämpfenden »Edelweißpriaten« angehörte und nach dem Krieg als Gastwirt eine Berühmtheit wird, und der nur um einige Jahre ältere Michael »Mike« Jovy entwerfen in NS-Haft Pläne, »Köln selbst zu befreien und die verantwortlichen Nazis den Amerikanern zu übergeben«. Ein halbes Jahrhundert später werden die beiden von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als »Gerechte unter den Völkern« geehrt.

Jovy, 1920 in Gladbeck geboren, engagiert sich früh beim katholischen Jugendverband Neudeutschland gegen die Nazis. 1936 wird er erstmals verhaftet und 1941 wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Grundlage waren, so Jovy kurz vor seinem Tod, »unsere angeblichen und von der Gestapo gefälschten Geständnisse«. Er wird in das Zuchthaus von Siegburg verbracht. Dort finden die nächtlichen Treffen mit Jülich statt. Später, 1944, wird Jovy ins Strafbataillon 999 gesteckt und zwingt kurz vor der Kapitulation der Naziwehrmacht bereits den führenden Unteroffizier seiner Einheit zur Aufgabe. Nach Kriegsende setzt er sein Engagement in der Jugendbewegung fort, engagiert sich gegen die Wiederbewaffnung, studiert Politikwissenschaft und promoviert über »Jugendbewegung und Nationalsozialismus«. Der junge Familienvater beschließt, in den diplomatischen Dienst einzutreten, doch der Verfassungsschutz erhebt Einspruch, auf die Gestapoakten zurückgreifend. »Ich sei in der illegalen Jungenschaft gegen Hitler gewesen, ferner Führer der Deutschen Jungenschaft nach dem Kriege und daher Kommunist« erinnert sich Jovi. Das Auswärtige Amt jedoch gibt dem Druck nicht nach. 1955 geht Jovy als Diplomat ins ferne Australien. Später arbeitet er in Mali, in Kongo und Kamerun, in Algerien, Rumänien und Italien.

Kurz vor seinem Tode 1983 erreicht er seine größte Ehrung. Er ist zu krank, um nach Israel zu reisen und nimmt die Auszeichnung in der israelischen Botschaft in Rom entgegen. Der Botschafter nennt ihn einen »mutigen Deutschen«, der es wagte, »die Kraft des Bösen herauszufordern«. Zwei Monate danach hört das von langer Nazihaft geschädigte Herz von Jovi auf zu schlagen. Die Kinder und Jugendlichen der Kölner »Edelweißpiraten« werden noch Jahrzehnte nach dem Krieg in ihrer Heimat als »Kriminelle« angesehen und erst 2005 offiziell rehabilitiert.

Horst-Pierre Bothien/ Matthias von Hellfeld/ Stefan Peil/ Jürgen Reulecke: Ein Leben gegen den Strom. Michael »Mike« Jovy. LIT-Verlag, 184 S., br., 14,90 €.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen