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Erst wenn der letzte Strohhalm ...

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Keine Strohhalme, keine Teller, keine Becher und kein Besteck mehr aus Kunststoff - die EU will Einwegprodukte aus Plastik verbieten. Die Nachricht schlug Anfang der Woche ein wie eine Plastikinsel in die Weltmeere. Davon (von den Inseln) soll es mittlerweile so viele geben, dass die Fische vor lauter Plastik gar nicht mehr zum Fressen ihrer eigentlichen Nahrung kommen. Interessanterweise wurde das Thema medial mit dem Strohhalm in Verbindung gebracht. Das ist kein Zufall, denn wie kein anderes Wegwerfprodukt war dieser Gebrauchsgegenstand eine Insignie der Wohlstandswegwerfkultur. Der Gebrauch dieses Abfallprodukts der Erdölindustrie sollte zeigen: Seht her, wir können es uns leisten, Dinge nur einmal zu nutzen! Dabei war schon der Begriff eine Lüge: Aus Stroh war das dünne Röhrchen, durch das man Cocktails schlürfte, nie. Jetzt wird diesem Fake-Produkt also der Garaus gemacht. Gut so!

Doch Halt! Selbst das niederste Gebrauchsgut ist doch von kulturellem Wert. Auch wenn er in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr aus dem Überbleibsel ausgedroschener Gedreidehalme gefertigt wurde und an unsere Münder kam, so war der verdorrte Getreidehalm doch ein beliebter Lieferant von Metaphern. Wer kennt nicht die Situation, wenn alles den Bach runter geht und man sich voller Verzweiflung an den letzten Strohhalm klammert? Oder wer weiß nicht, was es bedeutet, wenn man sagt, dass es leichter sei, einen Strohhalm aufzuheben, als einen Ast zu brechen? Und schon Martin Luther wusste von der Kunst zu berichten, mit einem Strohhalm auf einen Amboss zu schlagen.

Hoffen wir also, dass der Strohhalm uns erhalten bleibt - und sei es als Distinktionsmerkmal der Schönen und Reichen in seiner aus Holz oder Leichtmetall gefertigten Luxusvariante. Die Chancen dafür stehen gut; auf die Gesetze des Kapitalismus ist nämlich Verlass. jam Foto: dpa/Julian Stratenschulte

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