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Eine Burg als Gemischtwarenladen

Künftige Nutzung von Burg Hohnstein bleibt offen / Zusage: Würdiges Gedenken an KZ

  • Von Hendrik Lasch, Hohnstein
  • Lesedauer: 4 Min.

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In der steilen Auffahrt zu Burg Hohnstein stehen Motorräder mit norddeutschen Kennzeichen; im Innenhof genießen ein paar Rentner den Blick in das tiefe Polenztal. Mehr ist nicht los in dem historischen Gemäuer in der Sächsischen Schweiz. »Saure-Gurken-Zeit«, sagt Bürgermeister Daniel Brade. Er hofft auf den üblichen Ansturm im Sommer, wenn die Jugendherberge auf der Burg gut besucht ist. Auf sie entfallen 20 000 der 70 000 Übernachtungen im Ort. »Die Stadt ist die Burg«, sagt er.

In diesem Jahr hofft Brade noch inständiger als sonst auf Gäste. Bleiben sie aus, merkt er das direkt im Stadtsäckel. Seit Januar wird die Burg von einer städtischen Gesellschaft betrieben. Der langjährige Pächter, das Häuserwerk der Naturfreunde Sachsen, zog sich 2017 nach einem zehn Jahre währenden Insolvenzverfahren zurück. Die Burg fiel an ihren Eigentümer zurück, den Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge. Dieser prüfte mehrere Varianten; auch ein Verkauf stand zur Debatte. Das sorgte überregional für Aufsehen. Grund: Burg Hohnstein wurde ab März 1933 von den Nazis als »Schutzhaftlager« genutzt - sie war eines der wichtigsten der vielen frühen KZ in Sachsen.

An die Lagerzeit wird auch künftig erinnert: »Das Gedenken wird sich auf der Burg wiederfinden - in würdig gestalteter Form«, sagte Heiko Weigel (CDU), der Vize-Landrat, vor den Abgeordneten der Landtagsfraktion der LINKEN, die jetzt auf der Burg eine öffentliche Sitzung abhielten. Wer die Gedenkstätte aber betreibt, ist offen, so wie vieles unklar ist auf Burg Hohnstein: Wie diese künftig genutzt wird, steht ebenso in den Sternen wie die Frage, wer Betreiber wird.

Ziemlich sicher ist nur: Die Kommune wird es nicht sein. »Das ist nur eine Übergangslösung«, sagte Brade. Die Stadt mit nur 3000 Einwohnern wäre hoffnungslos überfordert angesichts notwendiger Investitionen. Allein die Sicherung von Mauern, Dächern und Fassaden würde drei Millionen kosten; insgesamt müsse man acht bis zwölf Millionen in die Hand nehmen, sagt Weigel. Auch der Landkreis, der Jahr für Jahr sechsstellige Beträge in die Burg steckte, ohne damit mehr als die notwendigsten Reparaturen erledigen zu können, sieht sich überfordert. Der Freistaat wiederum, der bereits mehr als zwei Dutzend Schlösser und Burgen in drei landeseigenen Gesellschaften unterhält, hat kein Interesse. Zwar wird aus der LINKE-Fraktion ein solches Engagement gefordert. Für Brade ist die Frage aber geklärt: »Es gibt klare Aussagen aus allen zuständigen Ministerien«, sagt der SPD-Bürgermeister.

Deshalb sucht man nach anderen Lösungen. »Wir brauchen einen Neustart«, sagt Weigel. Bisher würden die »Potenziale der Burg nicht gehoben«. Gerade wird eine Machbarkeitsstudie für ein neues Betreiberkonzept erarbeitet. »Tabus«, betont der Vizelandrat, »gibt es dabei nicht.«

Auch wenn das Papier erst in der zweiten Hälfte des Jahres vorliegen soll, zeichnen sich bereits Ansätze ab. So soll es viele Nutzungen geben: neben der bisherigen preiswerten Herberge auch ein teureres Hotel; dazu Mittelalter- und andere Märkte, Veranstaltungen, womöglich eine Brauerei. Das in der Vergangenheit schon gescheiterte Konzept einer »Kletterburg Hohnstein«, die Bergsteiger über die Felswände erreichen können, soll wiederbelebt werden. Dazu kämen ein Museum und die Gedenkstätte.

Für all diese Nutzungen könnte es unterschiedliche Betreiber geben - in erster Linie private, sagt Weigel, der dazu neben Investoren auch Vereine und Initiativen zählt. Es wäre damit vorstellbar, dass eine Gedenkstätte für das frühe KZ Hohnstein in Regie einer Gedenkinitiative geführt wird. In den vergangenen Jahren hatte sich vor allem das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Pirna (Akubiz) um die Erinnerungsarbeit in Hohnstein bemüht; zuletzt hatte man im März einen Gedenktag ausgerichtet. Ideen, die Stiftung Sächsische Gedenkstätten könnte die Trägerschaft übernehmen, sind seit einer Novelle des Gedenkstättengesetzes 2012 vom Tisch.

So offen wie die künftige Nutzung ist auch, ob der Landkreis Eigentümer bleibt. »Wer das hier trägt«, sagt Weigel - ob der Landkreis, eine Tochtergesellschaft des Kreises oder ein Privater - »das wissen wir noch nicht.«

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