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Bye-bye liberale Großstadtpartei

Martin Kröger über die Personalwahl der CDU

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 2 Min.

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Nach »Mensch« folgt bei Burkard Dregger als nächstes »Deutscher«, dann »Europäer« und zuletzt »Christdemokrat«. Die Eigenbeschreibung des designierten CDU-Fraktionsvorsitzenden auf dem Kurznachrichtendienst Twitter sagt einiges über die Politik aus, die von Dregger künftig zu erwarten ist: ein stramm deutscher Wertekonservatismus nämlich, der sogar in der CDU lange als nicht mehr zeitgemäß angesehen wurde - bis vor einigen Jahren die AfD auftauchte.

Dass sich die CDU in der Metropole unter der Führung von Monika Grütters für die Personalie Dregger entschieden hat, überrascht nur auf den ersten Blick. Mit dem Rechtsruck, den Dregger zweifelsohne repräsentiert, will man offenbar verlorene Stimmen von der AfD zurückgewinnen. Dregger hat sich bereits einige Male einen Schlagabtausch mit den Rechtspopulisten im Abgeordnetenhaus geliefert.

Natürlich hat ein Fraktionschef auch ein gewichtiges Wort bei der Entscheidung für die Spitzenkandidatur 2021 mitzureden. Es ist offensichtlich, dass die CDU auf Arbeitsteilung setzt: Dregger gibt den Law-and-Order-Mann im Abgeordnetenhaus, der die AfD einhegt und vielleicht sogar einbindet, und Monika Grütters tritt 2021 doch noch als Spitzenkandidatin an, die die liberalen urbanen Milieus bedienen soll.

Der Versuch, die Union personell möglichst breit aufzustellen, könnte aber auch scheitern. Gut möglich, dass die Wahl von Dregger den endgültigen Abschied von den einstigen Plänen der CDU bedeutet, eine liberale Großstadtpartei zu werden. Fest steht: Mit Dregger, der in Reinickendorf politisch verwurzelt ist, stellt die Partei erneut einen Mann aus Westberlin in die erste Reihe - allen Sexismusdebatten und Bekenntnissen zu mehr Frauen in Spitzenpositionen zum Trotz.

Grüne und SPD, aber auch einige in der LINKEN dürften aufatmen, der eloquent auftretende Mario Czaja wäre für sie eine andere Herausforderung gewesen. Doch statt das rot-rot-grüne Bündnis durch einen Vertreter der katholischen Soziallehre in Bedrängnis zu bringen, setzt die Union auf einen Hardliner. Zumindest das Feindbild haut damit für alle wieder besser hin.

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