Werbung
  • Sport
  • Protest von Footballspielern gegen Trump

Der beleidigte Gastgeber

US-Präsident Trump sagt die Feier mit dem Super-Bowl-Gewinner Philadelphia Eagles ab

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Stell dir vor, du schmeißt eine Party und keiner geht hin. Dieser Peinlichkeit will sich wohl kein Gastgeber aussetzen. Das dachte sich auch US-Präsident Donald Trump und ließ den für Dienstag im Weißen Haus geplanten traditionellen Empfang für den diesjährigen Super-Bowl-Gewinner Philadelphia Eagles kurzerhand ausfallen. Da nur eine kleine Anzahl an Spielern kommen wollte, habe man die Veranstaltung abgesagt, twitterte Trump am Dienstag (Ortszeit). Allzu traurig dürfte der Überraschungsmeister der Football-Liga NFL, der zum ersten Mal das Finale für sich entschied, darüber nicht sein. Zahlreiche Spieler der Eagles hatten aus Protest gegen Trump und seine Rhetorik ihre Teilnahme an der Siegesfeier abgesagt. Von den ursprünglich 70 ins Weiße Haus eingeladenen Personen wollten am Ende weniger als zehn Teammitglieder an der Zeremonie teilnehmen.

Für Trump liegt der Grund für den Boykott auf der Hand: »Sie streiten mit ihrem Präsidenten, nur weil er darauf besteht, dass sie während der Hymne mit der Hand auf dem Herzen stehen, um die großartigen Männer und Frauen unseres Militärs und die Menschen unseres Landes zu ehren«, teilte er am Montag in einem offiziellen Statement mit. Eagles-Spieler Torrey Smith widersprach dieser Darstellung: »Niemand hat das Treffen abgelehnt, nur weil Trump darauf besteht, dass wir bei der Hymne stehen«, schrieb Smith auf Twitter. Außerdem würde der Präsident die Unwahrheit verbreiten, wenn er sage, dass die Spieler gegen das Militär seien.

Damit geht der sogenannte Hymnenstreit zwischen dem US-Präsident und einem Großteil der NFL-Spieler in die nächste Runde. Aus Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze hatten sich zuletzt zahlreiche Athleten während des Abspielens der Nationalhymne niedergekniet. Trump beschimpfte diese als unpatriotische Spieler und »Hurensöhne«, die entlassen werden sollten. Tatsächlich haben Colin Kaepernick und Eric Reid von den San Francisco 49ers, die den Protest 2016 initiierten, seit Auslaufen ihrer Verträge keinen neuen Verein gefunden.

Vergangene Woche dann das Zugeständnis an Trump: Die NFL beschloss, den Kniefall bei der Hymne unter Strafe zu stellen. Ab der kommenden Saison müssen alle Spieler beim Abspielen der Hymne stehen bleiben - oder aber in der Kabine bleiben. Etliche Teammitglieder der Philadelphia Eagles übten daraufhin scharfe Kritik an der Entscheidung. Und das obwohl sie zu den wenigen Teams gehören, deren Spieler sich nicht an den Hymnen-Protesten beteiligten. Trump legte per Twitter trotzdem noch einmal nach: »Während des Abspielens der Nationalhymne im Umkleideraum zu bleiben ist ebenso respektlos unserem Land gegenüber wie das Knien (während der Hymne). Tut mir leid!«

Die Absage der alljährlichen Siegerehrung ruft indes viel Unverständnis und Kritik hervor. Die Spielergewerkschaft NFLPA zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung des Präsidenten, die dazu geführt habe, dass mehrere Veranstaltungen für junge Menschen in Washington abgesagt worden seien. »Sogar beim Besuch eines Meisterschaftsteams im Weißen Haus geht es nur um Sie. Was stimmt nicht mit Ihnen?« twitterte der demokratische Kongressabgeordnete Brendan Boyle in Richtung Trump. Philadelphias Bürgermeister Jim Kenney kritisierte Trump als »schwachen Egomanen, der Angst davor hat, eine Party auszurichten, zu der niemand gehen will.« Er sei stolz darauf, dass die Eagles für die demokratische Tradition der Ostküstenstadt stünden, in der sowohl die Unabhängigkeitserklärung als auch die Verfassung der USA beschlossen wurden. »Unser Rathaus ist für eine Feier immer offen«, erklärte Kenney.

Dies war nicht das einzige Angebot für ein Alternativprogramm. Auch der demokratische Senator Bob Casey aus dem Bundesstaat Pennsylvania, in dem Philadelphia liegt, hatte eins parat: »Ich bin stolz darauf, was die Eagles erreicht haben. Ich habe sie in den Kongress eingeladen, wie wäre es mit einer Führung durch das Kapitol?«

Trumps Präsidentschaft und die damit verbundene Spaltung Amerikas könnte das Ende der langen Tradition bedeuten, erfolgreiche Spieler im Weißen Haus zu ehren. Bereits im vergangenen Jahr waren mehrere Profis des Super-Bowl-Siegers von 2017, den New England Patriots, wegen »Differenzen mit Präsident Trump« der Zeremonie ferngeblieben. Im Februar sagte NBA-Champion Golden State Warriors seinen Besuch bei Trump ab.

Trump lud indes die Eagles-Fans, die beim Besuch ihres Teams im Weißen Haus dabei sein wollten, zu einer Ersatzveranstaltung ein, »bei der laut und stolz unsere Nationalhymne gespielt wird.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!