Werbung

Strahlen im Kinderzimmer

Umweltorganisation warnt vor gesundheitlichen Schäden durch Smartphones und Tablets

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die meisten Eltern kennen das: Sobald ein Kind auf die Welt kommt, will man alles tun, um es zu beschützen, sofort da sein, wenn es ihm schlecht geht und 24 Stunden am Tag sehen, was es tut, damit man Stürze oder Schlimmeres verhindern kann. Die neuen Medien geben sicherheitsbedürftigen Eltern das Gefühl, das tatsächlich zu können - unabhängig davon, ob es sinnvoll ist: Da misst der Schnuller dauerhaft die Körpertemperatur, das Babyphone beaufsichtigt den Schlaf, ein Sensor zeigt an, wann Urin in der Windel ist. Die totale Überwachung ist dabei aber nicht das einzige Problem, wie eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) zeigt, die die Organisation am Mittwoch in Berlin vorstellte.

Denn ein Teil der fast 100 Millionen mobilen Geräte, die in Deutschland genutzt werden, findet sich auch im Kinderzimmer. Dort strahlen Kinder-Tablets, WLAN-fähige Spieluhren und smartphonegesteuerte Drohnen teils den ganzen Tag vor sich hin. Der US-Spielwarenhersteller Fisher Price bietet sogar eine Rassel für Babys ab sechs Monate an, in die ein Smartphone integriert werden kann - mit praktischem Spuckschutz.

»Angesichts der besonderen Empfindlichkeit von Kindern ist es höchste Zeit, dass die Politik die unregulierte Vermarktung funkbasierter Geräte für den Kleinkindbereich beendet«, sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Denn für solche Geräte gibt es weder Grenzwerte noch kinderspezifische Anforderungen. »Spielzeuge, die nur in Verbindung mit einem Smartphone benutzt werden können, sind keine Spielzeuge«, so Weiger. Dafür müsse man die Eltern sensibilisieren.

Auch Wilfried Kühling, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des BUND und Mitautor der Broschüre »Mobilfunk im Kinderzimmer - eine kritische Betrachtung«, ergänzte, dass zwar medienpädagogische Fragen im Umgang mit neuer Technik diskutiert würden; die Gesundheitsgefahren würden jedoch außer Acht gelassen.

Dabei zeigten Studien, dass funkbasierte Geräte durchaus einen Einfluss auf den menschlichen Organismus hätten - besonders, wenn sie nah am Körper getragen werden, wie es sowohl bei Smartphones als auch bei Kinderspielzeug der Fall sei. Zwar lasse sich nicht eindeutig belegen, welche gesundheitsschädlichen Wirkungen mit erhöhter Funkstrahlung einhergingen, dazu seien andere Umwelteinflüsse zu komplex. Erwiesen sei aber, so Kühling, dass die Strahlung das Körpergewebe erwärme und die Hirnströme beeinflusse. Da der Körper für die speziellen Frequenzen der Mobilfunknetze keine Abwehrmechanismen besitze, seien schädliche Wirkungen besonders auf das Gehirn anzunehmen. Bei Kindern noch mehr als bei Erwachsenen, da sie dünnere Schädelknochen hätten und ihr Gehirn noch wachse.

Es gibt einige Studien, die diese Aussagen belegen, so hat der Schweizerische Bundesrat in einem Bericht mögliche Schäden zusammengefasst: Das Gehirn könne durch die Strahlen schlechter durchblutet, die Fruchtbarkeit geschädigt, der Zelltod beschleunigt werden. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt, die Belastung mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern möglichst gering zu halten, bis »wissenschaftliche Unsicherheiten« beseitigt seien. In Kurzfassung: Lieber das Festnetz als das Smartphone nutzen, lieber Textnachrichten als Anrufe, keine Telefonate bei schlechtem Empfang, in der U-Bahn oder im Auto. Besonders wichtig sei die Minimierung der Strahlenbelastung für Kinder.

Zu all diesen Themen müsse dringend weiter geforscht werden, sagten Weiger und Kühling. In der Zwischenzeit aber gelte das Vorsorgeprinzip. Nur leider sei das »beim Mobilfunk Fehlanzeige«, kritisierte Kühling. Derzeit müssen Geräte nur so konstruiert werden, dass die Strahlung verschiedener Produkte sich nicht gegenseitig beeinflusse und nicht so, dass die Belastung für die Nutzer niedrig sei.

Da vorauszusehen sei, dass in den kommenden Jahren noch mehr kabellose Technologie in die Haushalte einzieht, müssten dringend gesetzliche Regelungen her. Dazu gehörten funkfreie Zonen etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln, strengere Grenzwerte sowie ein Verbot für an Kleinkinder gerichtete Mobiltelefonwerbung. Die Hersteller sollten zudem einen Kindermodus einbauen, mit dem alle Funkverbindungen ausgeschaltet werden könnten. Und auf der Rassel mit Spuckschutz fürs Smartphone solle künftig der Hinweis »Kein Spielzeug« angebracht werden.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen