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Selbstbild, Umfeld, Fremdwahrnehmung

Das Leipziger Museum der bildenden Künste zeigt Serien der Fotografin Karin Wieckhorst unter dem Titel »Begegnungen«

  • Von Doris Weilandt, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.

Nachdenklich sitzt die Künstlerin Angela Hampel auf einem Atelierstuhl. Hinter ihr großformatige Arbeiten, Köpfe, die aus dem Dunkel in den Vordergrund treten. Vor ihr eine Katze, die auf die Schöpferin dieser Bildwelt blickt. Eines der Porträts hat Hampel offenbar übermalt - ein Tier schmiegt sich darauf um ihren Hals und verdeckt dabei eine Gesichtshälfte.

»Begegnungen in Ateliers« ist der Titel dieser Fotoserie, die in den Arbeitsräumen von 24 zumeist unangepassten Künstlern der DDR in den 1980er Jahren entstanden ist. Karin Wieckhorst (Jahrgang 1942) stellt die Künstler in einen umfangreichen Werkzusammenhang. Zu sehen sind die Arbeiten derzeit im Museum der bildenden Künste Leipzig.

Hartwig Ebersbach etwa ist kaum zu sehen inmitten riesiger Maltafeln, die bis zur Decke reichen. Selbstbewusst tritt er hinter seine expressiven Arbeiten zurück, überlässt den Bildern den Raum für die Erzählung. Max Uhlig versteckt sich geradezu in einem Stapel bemalter Leinwände. Im Vordergrund steht ein einfacher Campingtisch ohne Malutensilien. Das eigene Porträt, das ihm Karin Wieckhorst zur Bearbeitung überließ, übermalte er. Der Künstler verschwindet hinter seinem Werk fast vollständig.

Mit verschränkten Armen und ernstem Gesicht zeigt sich der Berliner Maler Klaus Killisch der Fotografin. Umgeben von eigenen Arbeiten, darunter seinen »Raucherbildern«, vermittelt die Aufnahme ein Lebensgefühl der späten 1980er Jahre. Die Rebellion gegen die gelähmte Gesellschaft ist diesem Zyklus deutlich.

Ganz anders der Dresdner Eberhard Göschel. Er vertritt in der Pose eines Arnold Böcklin Erbe und Anspruch einer Malerpersönlichkeit. Mit erhobenem Haupt tritt er selbstbewusst aus dem Halbdunkel des Raumes vor ein großes Gemälde. Die Kennzeichen seiner Profession, eine Palette mit Farben und Pinseln, sind an exponierter Stelle platziert.

Karin Wieckhorst führt den Betrachter mit ihren Schwarz-Weiß-Fotos in die besondere Atmosphäre künstlerischer Arbeit, die nur in diesem Moment für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Die Serie vermittelt den Arbeitsstand, aber auch das Selbstverständnis der DDR-Kunstszene in dieser Zeit. Nach dem Ende der DDR entstand gemeinsam mit dem nur temporär existierenden FrauenMuseum Weimar dann die Idee, Frauen unterschiedlichen Alters, Arbeiterinnen und Akademikerinnen, zu porträtieren und die Bilder mit biografischen Notizen zu verbinden. Wieckhorst machte sich auf die Suche und fand Frauen, die bereit waren, sich einzulassen. Entstanden sind berührende Aufnahmen, Frauen, die ihrem Gegenüber mit entwaffnender Offenheit begegnen. Sie haben in ihren Wohn- und Arbeitsräumen Platz genommen, um auf ihren Werdegang zurückzuschauen. Für alle bildete der Systemwechsel eine Zäsur. Die Fotografin begegnet ihnen mit Respekt und Feingefühl.

Von der Hallenser Keramikerin Gertraut Möhwald ist ein Kommentar zu ihrem Porträt überliefert: »Mein Abbild gefällt mir gut, ich kann mich so annehmen. Es ist nichts Künstliches dabei, das ist gut und tröstet mich über meine Faltigkeit.« Diese »Frauenporträts« sind in der Leipziger Exposition in einem Kubus vereint. Dieser Raum schafft Intimität, steigert aber auch die Intensität und Lebendigkeit, die von den Bildern ausgeht.

Ihre Wiederentdeckung verdankt Karin Wieckhorst dem neuen Direktor des Museum der bildenden Künste Leipzig, Alfred Weidinger. Er möchte das Haus viel stärker für Künstler der Stadt und der Region öffnen und das Museum als Institution begreifen, die ihre Vor- und Nachlässe bewahrt und dem Publikum vorstellt.

Die Ausstellung »Begegnungen« wird noch bis 2. September im Museum der bildenden Künste Leipzig gezeigt.

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