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Einmaliger Wasseraustritt

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Mittwoch, 15:55 Uhr. Ich hasse das Warten auf den Handwerker. Noch schlimmer, wenn er dann gar nicht kommt und sich auch nicht meldet. Ich nehme meinen Rucksack und gehe einkaufen. Das Handy lasse ich auf dem Schreibtisch liegen. Als ich wiederkomme, entdecke ich einen verpassten Anruf.

»Ich war bei ihnen, aber es hat niemand geöffnet«, sagt kurz darauf der Handwerker. »Ich war kurz einkaufen«, erkläre ich. »Es war kurz vor Ende der vereinbarten Zeit und ich dachte, sie kommen nicht mehr.« - »Ich war um Punkt 16 Uhr bei ihnen an der Haustür«, behauptet der Handwerker.

Ich überlege. Wenn ich gegen 15:55 Uhr los bin, aber meine Wohnungstür wegen Kontrollzwang mittlerer Störungsstufe noch mehrere Minuten kontrolliert habe und noch einen Moment an dem wie immer leeren Briefkasten getrauert habe, dann kann ich nicht vor 16 Uhr das Haus verlassen haben. Ich ahne, dass der Handwerker und ich noch Stunden telefonieren könnten und jeder beharrt auf seiner Meinung. Verdammt, wir müssen also einen neuen Termin machen.

»Ich war doch neulich schon mal bei ihnen, richtig?«, fragt jetzt der Handwerker. »Sie haben doch diese merkwürdige Dusche mit diesem hohen Einstieg. So etwas Verrücktes habe ich meinen Lebtag noch nicht gesehen.« - »Richtig«, sage ich und erinnere mich an seinen Besuch. Er hatte wie viele darüber gewitzelt, wie ich es denn wohl schaffe, diese Dusche zu betreten. »Sie waren da wegen der Bleileitung an der Spüle.«

»Also wegen des Wasserflecks in der Wohnung unter ihnen«, sagt jetzt der Handwerker. »Der ist ja fast schon getrocknet. Keine große Sache. Es muss sich dabei um einen einmaligen Wasseraustritt in ihrer Wohnung handeln. Kann es sein, dass sie bei irgendeiner Gelegenheit im Bereich ihrer Dusche eine unsachgemäße Handhabung mit Wasser vorgenommen haben?«

Ich überlege, was er meint, bis es mir dämmert. »Sie wollen wissen, ob ich zum Beispiel einen Eimer Wasser in meiner Küche ausgeschüttet habe?« - »Ja, in etwa. Das würde eine Erklärung liefern.« - »Nein«, sage ich.

Er schweigt. »Aber als sie damals hier waren wegen der Bleileitung«, erwidere ich, »haben sie derart meinen Spülschrank malträtiert, dass ich jetzt nicht mehr die Türen zu bekomme, weil das ganze Ding schief ist. Vielleicht sind sie bei der Gelegenheit mal feste an das Rohr gekommen und das hat dann, vielleicht vor Schreck, etwas Wasser verloren.«

Ich spüre, wie es in dem Handwerker arbeitet. Meine Erklärung klingt etwas plausibler als seine. »Ich melde mich noch mal bei ihnen wegen eines neuen Termins. Tschüss!« Er legt auf.

Ich habe schon gelegentlich mit Handwerkern telefoniert. Keiner von denen hat jemals gesagt, dass er noch mal zurückruft, also wird es bei ihm nicht anders sein.

Ich gehe aufs Klo. Dort steht auf einem Schrank ein Eimer Wandfarbe. Vielleicht gehe ich runter zu den Nachbarn und biete ihnen an, den Wasserfleck zu überstreichen.

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