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  • Wohnungsbau in Berlin

Treptow-Köpenick baut auf

Bezirk mischt beim Wohnungsbau mit - es geht aber auch um teures Wohnen in Denkmalen

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 5 Min.

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Treptow und Köpenick, das steht nicht nur für weite Parks, Dampferausflüge, Kleinstadtidylle und Eigenheimsiedlungen im Grünen. Sondern auch für eine große Industrietradition. Davon sind allerdings, etwa in Ober- und Niederschöneweide und Köpenick, vom Kabelwerk Oberspree, vom Werk für Fernsehelektronik oder vom Funkwerk Köpenick, oft nur leere Klinkerhallen oder gespenstische Brachen geblieben. Gerade ihr denkmalgeschützter Charme ist es, der sie als potenzielle Wohnquartiere interessant macht.

Wie so etwas aussehen kann, lässt sich derzeit am Beispiel der künftigen »Wasserstadt Spindlersfeld« miterleben. Dort, am Spreeufer, entsteht auf etwa zehn Hektar unter Einbeziehung der riesigen, seit 1995 leer stehenden roten Klinkerbauten einer Großwäscherei ein schickes Wohngebiet vor allem für gehobene Ansprüche. Hier hatte der VEB Rewatex, zuvor VEB Blütenweiß, schmutzige Hauptstadtwäsche gewaschen. Entstanden war der Betrieb, ein Vorreiter der chemischen Reinigungen in Deutschland, 1873.

Nach Plänen des Architekten Klaus Theo Brenner sollen hier mehr als 700 Eigentumswohnungen entstehen, 360 Wohnungen in den Denkmalobjekten und 350 Wohnungen in Neubauten. Am Ufer werden gut 200 Bootsliegeplätze geschaffen. Investor ist die Kanton Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH. Vermarktet wird das Projekt durch die Metropole Marketing GmbH, die auf ihrer Homepage mit »350 Eigentumswohnungen als Kapitalanlage« wirbt. Der Bezirk habe im Februar 2018 den Bau der sogenannten SpindlerTowers genehmigt, die 2020 fertig sein sollen.

Nach Angaben von Bezirksbaustadtrat Rainer Hölmer (SPD) werden auf dem einstigen Rewatex-Gelände zwischen Ernst-Grube-Straße und Spreeufer durch den entsprechenden Bebauungsplan »Wohnungsbauflächen für bis zu 760 Wohnungen und die notwendige technische und soziale Infrastruktur planungsrechtlich gesichert«. Wie er dem »nd« auf Anfrage mitteilte, gehören dazu sowohl die innere Erschließung (Bau von öffentlichen und privaten Straßen mit Stellplätzen und Baumpflanzungen) als auch die äußere Erschließung, eine Kindertagesstätte und ein öffentlicher Kinderspielplatz. »Auf dem Ufergrünzug wird der Geh- und Radweg erneuert und für die Nutzung für die Öffentlichkeit rechtlich gesichert«, stellt er klar, denn betroffen ist am Ufer ein Abschnitt des vielbefahrenen Fernradwegs R1. Laut Hölmer dürften den ersten Baugenehmigungen weitere bald folgen. »Wann das Gebiet insgesamt fertiggestellt sein wird, kann vom Bezirksamt nicht prognostiziert werden.«

Auch der Bezirk Treptow-Köpenick, der scheinbar so verschwenderisch viel Platz hat, sucht nach geeigneten Wohnungsbaustandorten, um der dringenden Nachfrage der wachsenden Stadt nachkommen zu können. Nach Angaben des Bezirksstadtrats weist das Wohnbauflächeninformationssystem (WoFIS) des Senats für den Gesamtbezirk bis 2030 ein Potenzial von rund 30 000 Wohneinheiten (WE) aus - überwiegend im Geschosswohnungsbau. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg mischt der Bezirk im berlinweiten Wohnungsbau ganz vorn mit. Danach wurden 2017 in Treptow-Köpenick 2097 Wohnungen fertiggestellt, davon 1873 als Neubau, er lag damit nur hinter Lichtenberg (2544/neu: 2213) und Mitte (2510/2088). Auch für die ersten vier Monate 2018 lag der Bezirk mit 1356 Baugenehmigungen für Wohnungen auf Rang drei in Berlin.

»Im ehemaligen Stadtbezirk Köpenick liegen die Entwicklungsschwerpunkte in der Bezirksregion (BZR) Dammvorstadt auf den Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs Köpenick (rund 1800 WE) und der Friedrichshagener Straße 10-12 (circa 900 WE)«, erklärte Hölmer. Zweiter Schwerpunkt sei Köpenick-Süd mit den Wohnungsbauvorhaben Marienhain (1000 Wohnungen) und Funkwerk (700) westlich der Wendenschlossstraße. Als dritten Schwerpunkt nannte er Rahnsdorf/Hessenwinkel mit den Vorhaben Dämeritzsee (400), Fürstenwalder Allee 324 und 356 (600 Wohnungen).

Baurecht werde bei allen Vorhaben über Bebauungsplanverfahren geschaffen, bei denen das Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung zur Anwendung komme, so Hölmer. Es schreibt einen Anteil an mietpreisgebundenem Wohnraum fest, der je nach Beginn des Planverfahrens zwischen 25 und 30 Prozent liege. »Der Bezirk strebt einen Mix aus Wohnformen an.«

Ein Problem bei der Entwicklung der Grundstücksflächen liegt in ihrer bisweilen heiklen früheren Nutzung durch Industrieunternehmen oder das Militär. Bei fast allen Wohnungsbauvorhaben in den ersten beiden Entwicklungsschwerpunkten Köpenicks handelt es sich um Konversionsflächen. Das ist eine der Ursachen dafür, dass sich die Planungsverfahren häufig so in die Länge ziehen.

Am Beispiel der von jahrelangem Verfall gezeichneten Brache des ehemaligen Kabelwerkes Köpenick an der Friedrichshagener Straße erläuterte Rainer Hölmer, was an der Konversion so kompliziert ist. Ziel sei dort die Sanierung der denkmalgeschützten Bauten und die Errichtung neuer Wohngebäude auf dem umliegenden Areal. »Das aktuelle Baurecht erlaubt das noch nicht, da das Gelände früher gewerblich genutzt war. Deshalb hat das Stadtentwicklungsamt ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet, das dazu dient, das neue Baurecht zu definieren«, so der Bezirksstadtrat. »Im Verfahren soll geklärt werden, wie hoch und wie dicht das Grundstück bebaut werden darf, wie es erschlossen wird und wie der Uferweg künftig geführt wird.« Um alle öffentlichen und privaten Belange abzuwägen und mögliche spätere Konflikte im Vorfeld auszuräumen, werde die Öffentlichkeit beteiligt. Die Deutsche Wohnen, der Investor, habe die geforderte denkmalfachliche Untersuchung inzwischen an ein Büro vergeben. Mit ersten Ergebnissen dazu werde im August gerechnet.

Hölmer geht derzeit von einem Potenzial von rund 900 Wohneinheiten aus, der Investor von etwa 1000. Anzuwenden sei das »Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung«, demzufolge hier 30 Prozent der Wohnfläche als bezahlbarer Wohnraum entstehen werden. Doch seit 2015 ruhe das Verfahren. »Das Stadtentwicklungsamt hält jedoch am Planungsziel Wohnungsbau fest. Die derzeitige Eigentümerin - Deutsche Wohnen - hat die Grundzustimmung vorgelegt, sodass das Bebauungsplanverfahren nun fortgeführt werden kann«, so Hölmer. Wie berichtet, hatte die Deutsche Wohnen eigenen Angaben zufolge das Areal des Kabelwerks und der benachbarten Fotochemischen Werke im Frühjahr 2017 gekauft und gegenüber dem »nd« die Absicht, 1000 Wohnungen zu bauen, bekräftigt. Baubeginn sei aber »frühestens in drei bis vier Jahren«.

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