Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Antisemitismusbeauftragter fordert Zivilcourage

Prozessauftakt gegen Schläger nach mutmaßlich antijüdischer Attacke in Berlin-Prenzlauer Berg

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Zum Auftakt des Prozesses wegen einer mutmaßlich antisemitischen Attacke auf zwei junge Männer mit Kippa in Berlin hat der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, zu Zivilcourage aufgerufen. Die Menschen sollten bei anti-jüdischen Vorfällen aufstehen und dagegenhalten und diese nicht hinnehmen, sagte Klein am Dienstag im Südwestrundfunk (SWR). Im Gegensatz zu heute sei »Jude« früher kein Schimpfwort auf dem Schulhof gewesen, das müsse die Gesellschaft alarmieren.

Antisemitismus sei sichtbarer geworden, das habe auch mit den sozialen Medien zu tun, dort würden entsprechende Inhalte viel mehr verbreitet, beklagte Klein. Dagegen helfe eine »Kultur des Hinschauens und des beherzten Eingreifens«. Vorbildlich sei das mutige Eingreifen einer Frau gewesen, die bei dem mutmaßlich antisemitischen Angriff auf Kippaträger in Berlin-Prenzlauer Berg dafür gesorgt habe, dass die Situation nicht eskaliere. »Solche Beispiele brauchen wir mehr«, sagte Klein im SWR-»Tagesgespräch«.

Der in Oldenburg erscheinenden »Nordwest-Zeitung« (Dienstag) sagte Klein, der Berliner Prozess müsse auch ein Signal für das Umfeld des mutmaßlichen Täters sein. »Wer sich antisemitisch äußert oder betätigt, steht außerhalb unserer Gesellschaft«, betonte er. Es müsse »absolut alarmieren, wenn sich Juden nicht mehr an jedem Ort sicher fühlen können«.

Vor dem Amtsgericht Tiergarten hat am Dienstag der Prozess wegen der Attacke im Stadtteil Prenzlauer Berg begonnen. Die Attacke Mitte April in Berlin Prenzlauer-Berg hatte bundesweit für Empörung gesorgt und eine Debatte über muslimischen Antisemitismus ausgelöst.

Dem Beschuldigten, einem zum Tatzeitpunkt 19-jährigen Syrer, werden gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vorgeworfen. Der Angeklagte soll den Israeli mindestens zehn Mal mit einem Gürtel geschlagen und dabei mehrmals auf Arabisch »Jude« geschrien haben. Das Amtsgericht Tiergarten hat zunächst einen Verhandlungstag angesetzt.

Ein Video des Angriffs war in den sozialen Netzwerken verbreitet worden. Bei den Angegriffenen handelte es sich um einen in Deutschland lebenden arabischen Israeli und einen Deutsch-Marokkaner. Zurzeit ist die Kopfbedeckung des Opfers im Jüdischen Museum in Berlin als »Kippa des Anstoßes« in einer Vitrine zu sehen. epd/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln