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  • Berlin
  • Antisemitismus in Berlin

Angeklagter gesteht Attacke auf Kippa-Träger

Ein Mann aus Syrien hat vor Gericht zugegeben, im April einen Israeli mit seinem Gürtel geschlagen zu haben

  • Lesedauer: 3 Min.

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Der 19-jährige Angeklagte Knaan S. hat am Dienstag vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Tiergarten gestanden, im April einen Kippa tragenden Israeli in Prenzlauer Berg mehrfach mit seinem Gürtel geschlagen zu haben. »Es tut mir leid. Das war falsch«, sagte der Syrer, der seit 2015 in Deutschland lebt, zum Prozessauftakt.

Er habe sich durch den jungen Mann aus Israel und dessen Begleiter, einem ebenfalls Kippa tragenden Deutsch-Marokkaner, provoziert gefühlt. Die beiden Männer hätten ihn zuvor beleidigt und als »Hurensohn und Bruder einer Schlampe« beschimpft. Als das spätere Opfer auch noch seine Mutter beleidigt habe, habe er seinen Gürtel aus der Hose gezurrt und dreimal zugeschlagen. »Ich habe mich im Recht gefühlt«, wie der Angeklagte auf Arabisch durch eine Dolmetscherin erklärte. Er habe zum Zeitpunkt der Tat unter Drogeneinfluss gestanden, Marihuana geraucht und Ecstasy genommen. »Mein Kopf war müde«, sagte S.

Dass es sich bei der Attacke um einen antisemitisch motivierten Angriff gehandelt habe, stritt der Angeklagte vehement ab. »Ich hasse weder Juden noch Christen. Für mich sind alle gleich.« Er habe erst nach den ersten beiden Schlägen gesehen, dass der Israeli eine Kippa auf dem Kopf trug.

Erst danach habe er wiederholt »Yehudi«, Arabisch für »Jude« gerufen. »Jude ist für mich ein Schimpfwort«, sagte der Angeklagte. Er habe damit aber nicht alle Juden, sondern den Mann persönlich beleidigen wollen.

Das Opfer, der 21-jährige Adam Armoush, stellte den Tathergang am Dienstag anders dar. Von seinem Freund und ihm sei keinerlei Provokation ausgegangen.

Die beiden seien kurz nach dem Verlassen ihrer Wohnung am Helmholtzplatz von dem Angeklagten und einem weiteren seiner insgesamt zwei Begleiter beschimpft worden. »Als mein Freund rief, sie sollen uns in Ruhe lassen, kam der Täter auf unsere Straßenseite und schlug auf mich ein«, sagte

Armoush. Der Angeklagte habe zehn Mal mit seinem Gürtel auf ihn eingedroschen und ihn dabei mit der Schnalle im Gesicht, am Bauch und an den Beinen getroffen. Seine Lippe sei aufgeplatzt. Während der Attacke habe Knaan S. »dreckiger Jude« gerufen. Die Kippa habe der Täter von seiner Position auf der anderen Straßenseite in jedem Fall sehen müssen, sagte Armoush. Seit dem Angriff fühle er sich in Berlin nicht mehr sicher.

Im Laufe des Nachmittags wurden weitere Zeugen vernommen. Mit einem Urteilsspruch wird in der kommenden Woche gerechnet. Knaan S. bleibt bis dahin in Untersuchungshaft.

Armoush hatte den Übergriff gefilmt und das Video ins Netz gestellt. Die Attacke hatte international für Empörung gesorgt. In ganz Deutschland gingen Menschen aus Solidarität mit Kippa auf die Straße.

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