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  • Nordkoreas Machthaber in Peking

Treffen der symbolischen Sieger

Kim und Xi demonstrieren nach Singapur-Gipfel einmal mehr Geschlossenheit

  • Von Finn Mayer-Kuckuk, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.

Nordkoreas Staatsführer ist zum dritten Mal seit März nach China gereist. Der Vorsitzende Kim Jong Un sei für einen zweitägigen Besuch in Peking eingetroffen, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Dienstagabend. »Wir hoffen, dass dieser Besuch die strategische Kommunikation zwischen unseren Ländern stärkt.« Präsident Xi Jinping empfing Kim mit allen Ehren in der Großen Halle des Volkes inklusive jubelnden Kindern und einem staatsmännischen Foto vor den roten und blauen Fahnen der beiden Länder. Am Morgen hatten bereits die Landung von Sonderflugzeugen am Hauptstadt-Flughafen und Straßensperren auf besonderen Besuch hingedeutet.

Die offizielle Stellen offenbarten zwar keine Details zum Programm des Gastes aus dem Nachbarland, ganz zu schweigen vom Inhalt der Gespräche. Doch Kims Eintreffen in der chinesischen Hauptstadt allein ist schon eine starke Botschaft. Engere Beziehungen zwischen China und Nordkorea nützen derzeit beiden Seiten. Denn nach dem aufsehenerregenden Zusammentreffen Kims mit US-Präsident Donald Trump in der vergangenen Woche in Singapur sind die Karten neu gemischt. Jetzt versuchen alle Beteiligten, eine möglichst vorteilhafte Position aufzubauen.

China will vor allem verhindern, im Nordkorea-Prozess beiseite geschoben zu werden. Die Strategen in Peking werden besonders aufgehorcht haben, als Trump kurz nach seiner Rückreise in einem TV-Interview ankündigte, ab jetzt regelmäßig mit Kim zu telefonieren. »Ich kann ihn einfach anrufen«, sagte Trump. »Ich habe ihm meine direkte Nummer gegeben.« So einfach kann das sein. Die Einrichtung eines heißen Drahtes zwischen Nord- und Südkorea war im Januar noch eine riesige Sache, und Xi und Kim haben jahrelang eine umständliche Form der Diplomatie betrieben, bei der Unterhändler unter großer Geheimhaltung zwischen Peking und Pjöngjang hin- und hergereist sind. Jetzt hat Trump seinem neuen Kumpel Kim einfach seine Nummer gegeben.

Die Annäherung der USA an Nordkorea ist aus chinesischer Sicht zwar erwünscht. Das verringert die Gefahr eines Krieges in der eigenen Region - Peking hat lange Zeit befürchtet, dass die USA eine militärische Krise nutzen könnten, um ihren Einfluss in Nordostasien weiter auszudehnen. Etwa durch eine Wiedervereinigung des geteilten Korea. Doch Xi will Kim auch nicht einfach Trump überlassen. Schließlich ist die Ostküste Chinas mit Südkorea, Japan und Taiwan in einem großen Halbkreis von schwer bewaffneten Verbündeten der Amerikaner umgeben. Nordkorea ist hier das einzige kommunistische Bollwerk.

Xi muss sich aber keine Sorgen machen, vergessen zu werden: Er hat auch weiterhin erheblichen Einfluss auf Kim. Das hat schon dessen Anreise nach Singapur gezeigt. China hat dem statusgierigen Nordkoreaner zwei moderne Großflugzeuge geliehen, damit er stilgerecht dort einschweben konnte. Im Normalfall liefert China auch 80 Prozent der nordkoreanischen Importe. Für Kim wäre es nun wichtig, dass Xi den Handel schnell wieder anfahren lässt, den er für UNO-Sanktionen gestoppt hat.

Kim profitiert auch sonst von diesem Treffen. Er kann Trump zeigen, dass er noch andere Verbündete hat. Mit dem starken China an seiner Seite hat Kim eine stärkere Verhandlungsposition für die anstehenden Gespräche mit US-Vertretern. Diese sollen das vage Abkommen von Singapur mit konkreten Vorgaben ausgestalten.

So könnte es Kim gelingen, die zwei Weltmächte ein wenig gegeneinander auszuspielen. Bisher hat das bereits genützt: Xi war offenbar brennend an einem weiteren Treffen interessiert, nachdem die Zusammenkunft Kim - Trump so harmonisch verlaufen war. Trump wurde seitdem nicht müde zu betonen, wie sehr er Kim mag und respektiert.

Nach China sandte Trump dagegen andere Signale: erst Strafzölle auf Waren mit einem jährlichen Handelswert von 50 Milliarden Dollar, dann einige Beleidigungen und am Dienstag die Drohung mit neuen Zöllen auf Waren im Jahreswert von 200 Milliarden Dollar. Dass die USA sich einmal - zumindest nach außen hin - mit Nordkorea besser stehen würde als mit China, hat sich in Peking vor Trump vermutlich keiner vorstellen können.

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