Werbung

Neymar in Tränen

Der 222-Millionen-Euro-Fußballer sichert Brasilien spät einen 2:0-Sieg über Costa Rica

  • Von Jirka Grahl, St. Petersburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Der Mann mit der Nudelfrisur saß auf dem Rasen und hielt sich die Hände vors Gesicht. Neymar da Silva Santos Júnior weinte - zuletzt hatte man das 2016 bei den Olympischen Spielen sehen können, als er mit Brasilien im Maracana-Stadion den Olympiasieg geschafft hatte. Diesmal aber wirkte der Gefühlsausbruch des 222-Millionen-Euro-Stürmers von Paris St. Germain überzogen: War es wirklich so bewegend, Costa Rica zu bezwingen?

Nun, die Zentralamerikaner hatten es den Brasilianern schwer gemacht. Ehe Coutino in der ersten Minute und Neymar schließlich in der siebenten Minute der Nachspielzeit den standesgemäßen 2:0-Sieg gesichert hatten und der erste Sieg Brasiliens bei diesem Turnier feststand, hatte Neymar eine Menge gehadert, gemeckert und gelitten.

Brasiliens Lieblingsfußballer stand schon im zweiten WM-Spiel unter riesigem Druck. Denn wie die Fans in seinem Heimatland so sind - viel weniger als der Titel darf es eigentlich nicht sein, schon gar nicht 2018, vier Jahre nach dem großen Debakel bei der Heim-WM 2014. Ein 1:1 im Auftaktspiel in Rostow am Don gegen die Schweiz hatte die Brasilianer jedenfalls zweifeln lassen, auch wenn Selecao-Trainer Tite seine Nummer 10 nach dem Spiel immer wieder gegen die Vorwürfe verteidigt hatte, Neymar spiele zu eigensinnig: »Wir werden ihm sein Wesen nicht nehmen«, hatte Tite vor dem Match erklärt: »Er ist ein Genie.«

Dass er eine Sonderrolle im Team des Rekordweltmeisters spielt, zeigte Neymar von Beginn an. Er lief und lief, war im Angriff fleißig und sich für die Abwehrarbeit nicht zu schade. Er forderte und bekam von seinen Mitspielern in schöner Regelmäßigkeit das Spielgerät zugeführt, doch anfangs gab es wenig Gelungenes zu vermelden vom Starfußballer aus Paris. Seinen ersten Freistoß flankte er nach zehn Minuten ins Nichts. Zuvor war dem Edeltechniker bei einer recht einfachen Annahme der Ball versprungen. Es lief nicht rund.

Eine seiner besten Szenen in Halbzeit eins war noch eine Ballannahme im gegnerischen Strafraum nach einem formvollendeten Pass von Coutinho, doch an Costa Ricas überragendem Torwart Keylor Navas kam er nicht vorbei. Mal ließ er Innenverteidiger Johnny Acosta ins Leere laufen, mal seinen Gegenspieler Cristain Gamboa. Als es aber in die Pause ging, konnte sich Costa Rica über einen Teilerfolg freuen. 0:0 zur Halbzeit, ein guter Anfang gegen die Selecao.

Die Mittelamerikaner verbarrikadierten sich wie erwartet 90 Minuten lang. Vorn lauerte der wuchtige Marcos Urena und hielt Brasiliens Innenverteidiger Thiago Silva und Miranda auf Trab, später zeigte sich auch sein Sturmkollege Johan Venegas als gefährlich. Doch allzu viele ernsthafte Torchancen gelangen den Costa-Ricanern in der Abwehrschlacht nicht, schon gar nicht in der zweiten Halbzeit, in der sie von den Brasilianern regelrecht belagert wurden. Immer wieder trieben Marcelo, Coutinho und Neymar die Mannschaft an, doch es schien nichts zu glücken, nicht einmal mit einem bisschen Theater wie in der 80. Minute als Schiedsrichter Bernd Kuipers beinahe einen Elfmeter gegeben hätte. Im Videobeweis erkannte er allerdings Neymars Schwalbe deutlich und gab Freistoß für Costa Rica. Kurz darauf sah Neymar sogar Gelb, als er den Ball wütend weggeschleudert hatte.

Doch dann ging alles ganz einfach: Kopfball Firmino, weitergeleitet von Jesus und Coutinho schiebt den Ball mit der Pike ins Netz. Brasiliens Trainer Tite fiel beim Jubeln vor lauter Freude. Beim 2:0 durch Neymar wehrten sich die enttäuschten Costaricaner schon gar nicht mehr richtig: Douglas Costa hätte auch selbst abziehen können, doch entscheid sich, Neymar zu bedien, der unbedrängt das 2:0 markierte. Happy End für das Genie, das am Ende weinte. Philippe Coutinho, erklärte schließlich, was in Brasileins Spielern vorging: »Es waren unglaublich große Gefühle. Und erst ganz zum Schluss sind wir belohnt worden für unsere Geduld.«

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen