Werbung

Ex-Black-Panther darf nicht reden

Universität Wien verbietet nach Antisemitismusvorwurf Auftritt von Dhoruba bin Wahad

  • Von Hannes Hofbauer, Wien
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Vorlesung war von langer Hand vorbereitet und mit dem Institut für Afrikanistik der Universität abgestimmt. Dhoruba bin Wahad, Ex-Black Panther und Mitbegründer der Black Liberation Army, sollte am 21. Juni 2018 im Rahmen einer Studienreihe im Seminarraum 1 der Wiener Afrikanistik als Zeitzeuge auftreten. Der Titel des Vortrages lautete: «Born in the storm to become a Black Panther».

Der heute 70-Jährige hat ein bewegtes Leben hinter sich. 19 Jahre davon verbrachte er als politischer Gefangener in US-Gefängnissen, bevor ihm der Staat wegen eines Fehlurteils 400 000 Dollar Entschädigung auszahlte. Heute sieht er sich als «Kämpfer für einen pan-afrikanischen, nicht-eurozentrischen Blick auf die koloniale Vergangenheit und die rassistische Gegenwart in Amerika», wie er auf einer Pressekonferenz mitteilte. Darüber wollte und sollte er vor Studierenden an der Universität Wien sprechen. Sollte. Denn aus dem angekündigten Vortrag wurde nichts.

Wenige Tage vor der Veranstaltung begann die Österreichische Hochschülerschaft, unterstützt von der Vereinigung jüdischer Hochschüler in Österreich, Druck auf das Institut für Afrikanistik und seine stellvertretende Leiterin, Birgit Englert, auszuüben. Anfangs ging es vor allem gegen den Mitveranstalter Dar al Janub, eine Wiener Nichtregierungsorganisation, die sich den kulturellen Dialog auf ihre Fahnen schreibt. Dass sie im Rahmen der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen«) auch zum Boykott israelischer Waren aufruft, brachte die Kampagne ins Rollen. Im Nu war auch Dhoruba bin Wahad als Antizionist geoutet, was offensichtlich bereits Grund genug für die Lancierung einer Initiative »Kein Platz für Antisemit*innen an der Uni Wien« war.

Die Kampagne gegen bin Wahad war umso erstaunlicher, als dass sein Vortrag überhaupt nichts mit dem Thema Nahost zu tun gehabt hätte, geschweige denn mit Israel. Er war nach Wien gekommen, um über seine Erfahrungen mit Rassismus und Kolonialismus zu sprechen.

Das »Institut für Afrikanistik« wollte sich dementsprechend nicht geschlagen geben und forderte die akademische Community auf, gegen den Versuch Stellung zu nehmen, eine kritische Stimme mundtot zu machen. Über 100 Universitätslehrerinnen und Lehrer aus aller Welt unterschrieben den Offenen Brief, indem sie die Einmischung der Österreichischen Hochschülerschaft und der jüdischen Studierenden verurteilten. Darunter waren auch international bekannte Forscher wie Henning Melber, Ilan Pappe oder Moshe Zuckermann.

Geholfen hat es nichts. Der Druck auf das Institut für Afrikanistik und bin Wahad nahm zu. Der frühere Black Panther sollte nicht zu Wort kommen dürfen. Um die Kampagne gegen ihn zu verschärfen, wandten sich die Initiatoren direkt an das Rektorat der Universität Wien. Dieses erließ – unter Umgehung des Instituts – zwei Auflagen zur angekündigten Vorlesung von bin Wahad.

Er dürfe nicht über Nahost sprechen und die Vorlesung dürfe nicht öffentlich sein, also nur von den circa zehn TeilnehmerInnen des Seminars besucht werden. Unter solchen Umständen sah bin Wahad keinen Sinn mehr, an der Universität aufzutreten. Das Rektorat war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen