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Deutsche Unternehmer, so entnahm ich kürzlich einer Pressemitteilung, gehören zu den besten Sklavenhaltern Europas. Nun, eigentlich stand hier »Arbeitgeber«, aber ich finde, »Sklavenhalter« trifft es besser. Nicht dass die Beschäftigten Sklavenarbeit verrichten würden, beileibe nicht, so weit möchte ich nicht gehen, nein, es ist die Haltung der Beschäftigten, die man sklavisch nennen muss. Ein brandenburgisches Pflegeunternehmen, so hieß es beispielsweise in der Pressemitteilung, belege in der Größenklasse der Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern den ersten Platz. Wer die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich kennt, muss hier entweder Manipulation unterstellen oder eben einen Untertanengeist, der selbst die schlimmsten Arbeitsbedingungen mit Niedriglohn noch mit vollem Einsatz goutiert.

Die Ergebnisse gingen auf die Befragung von über 1,6 Millionen Beschäftigten zurück, hieß es in dem Schreiben weiter. Auf Platz eins unter den Ländern Europas liegt übrigens Großbritannien, also jenes Land, das von Margaret Thatcher schon vor fast 40 Jahren auf eine neoliberale Sklavenmentalität getrimmt wurde.

Es herrscht ein gespaltenes Bewusstsein unter Deutschlands Werktätigen. Man schickt sich in die Verhältnisse und lässt die Wut über sie an anderen aus, bevorzugt an jenen, die man unter sich stehend wähnt. Seit einem Jahr teilen wir uns mit einer Bekannten ein Stück Garten in einer Datschenkolonie in Lichtenberg. Mit den Nachbarn ist das so eine Sache. Entweder sie lassen ihr Waschwasser ungeklärt ins Erdreich fließen oder ihre Köter kläffen unentwegt. Am nettesten ist, nein, war der Nachbar mit dem kleinen Pool. Er redet zwar viel; ich erfuhr im vergangenen Sommer in kürzester Zeit seine komplette Lebensgeschichte. Als Koch und Leiter einer Kantine gehörte er zu Ostzeiten zu einer angesehenen Berufsgruppe. Die Wende gen Westen hat er beruflich erfolgreich absolviert; er leitet jetzt eine Kantine in Westberlin. Nur das mit der gesunkenen Anerkennung wurmt ihn. Seine Frau arbeitet ebenfalls im Westen. Manchmal muss sie beruflich in den Wedding, das ist dann wie eine Auslandsreise für sie.

Als in diesem Frühjahr die Gartensaison begann, fiel auf, dass der Herr Kantinenkoch einen Sichtschutz zwischen unserem und seinem Garten hochgezogen hatte. Wir grüßen uns jetzt nur noch sporadisch. Dafür hören wir die Gespräche mit, die jenseits der Seitenmarkise geführt werden. Vor Kurzem wurde es lauter. Der Herr Koch und seine Frau tauschten sich über den »Fall Susanna« aus. Zur Erinnerung: Im Mai dieses Jahres wurde in Mainz die 14-jährige Susanna getötet, tatverdächtig ist ein irakischer Geflüchteter. Irgendwann platzte es aus dem Herrn Koch heraus: »Ein Deutscher oder ein Osteuropäer hätte so etwas nie getan«, sagte er zu seiner Gattin. An dieser Stelle konnte meine Bekannte nicht mehr an sich halten und rief hinüber: »Stimmt, die vergreifen sich nur an kleinen Kindern!«

Daraufhin verstummte auf der anderen Seite das Gespräch. Seitdem ist Ruhe im Garten. Das hat auch sein Gutes.

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