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Ein Royal und die britischen Nahosterbsünden

Prinz William trifft Palästinenserpräsident Abbas in Ramallah und verärgert nicht nur Israel

  • Von Oliver Eberhardt, Kairo
  • Lesedauer: 3 Min.

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Viele Jahre hat man an diesem Besuch gefeilt, über Termine verhandelt und am Programm gefeilt. Als dann Prinz William Anfang der Woche tatsächlich an Bord einer Maschine der britischen Luftwaffe von Jordanien aus kommend auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv landete, die britische Nationalhymne erklang, »da ist einem schon das Herz aufgegangen«, sagt ein Sprecher der britischen Botschaft in Tel Aviv, wo man den Besuch als eine schöne Werbung für Großbritannien sieht.

Denn der 36-jährige Prinz William, Nummer zwei auf der britischen Thronfolge-Liste, ist so ganz anders, als man sich einen zukünftigen König vorstellt, und diesen Aspekt kehrte man auch bei jeder Gelegenheit hervor: Mit jüdischen und arabischen Jugendlichen spielte er Fußball; dass er selbst Fan von Aston Villa und nicht des in Israel sehr beliebten FC Liverpool ist, »das kann man ihm vergeben«, so ein Kommentator des israelischen Militärradios. Natürlich sah er sich auch das Strandleben in Tel Aviv an, traf sich mit der Sängerin Netta Barzilai, besuchte israelische und palästinensische Organisationen, die sich um Koexistenz bemühen, Holocaust-Überlebende und besichtigte die Altstadt von Ost-Jerusalem. Auf dem Programm standen zudem, natürlich, auch Treffen mit dem israelischen Präsidenten Re‘uven Rivlin und dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, sowie Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Und stets war die britische Seite sichtbar bemüht, jegliche Politik aus dem Besuch heraus zu halten: Auch in den offiziellen Gesprächen wurden vor allem Nettigkeiten ausgetauscht, und die Notwendigkeit von Frieden und Koexistenz betont. Abbas forderte zudem von Prinz William, er möge sich dafür einsetzen, dass die britische Regierung Palästina anerkennt, und sich klar gegen die israelische Besatzung positioniert.

Für Unmut hatte zuvor der Wortlaut des Besuchsprogramms gesorgt. Die palästinensische Seite kritisierte, dass darin nicht von »Palästina« die Rede ist. Rechte israelische Politiker monierten indes, dass der Besuch an der Klagemauer und auf dem Tempelberg/Haram al-Scharif unter »besetzte palästinensische Gebiete« aufgeführt wurde. Es handele sich dabei eben um die offizielle Position der britischen Regierung, stellte die britische Botschaft knapp klar.

»Vertreter der Krone haben eben keine politische Funktion«, heißt es in der britischen Botschaft. Hinzu kommt aber auch: Großbritannien und der Nahe Osten haben eine wechselvolle gemeinsame Geschichte. Es war die britische Regierung, die 1917 in der Balfour-Deklaration die Errichtung eines jüdischen Staates in der Region in Aussicht stellte, damit gleichermaßen dem politischen Zionismus Auftrieb verlieh und den damals bereits schwelenden Nahostkonflikt anheizte. Ab 1923 fungierte Großbritannien dann als Mandatsmacht in der Region, die im Laufe der Zeit sowohl von Juden als auch Arabern als Besatzerin gesehen wurde, bevor man dann 1947 den Abzug der Truppen bis Mitte 1948 bekannt gab und damit einen erheblichen Beitrag zur Unabhängigkeit des Staates Israel leistete. Damals ließ man allerdings zwei Dinge zurück. Einige der Militärverordnungen, die von der Mandatsmacht erlassen wurden, gelten bis heute, darunter die umstrittene Praxis der Zerstörung der Häuser von palästinensischen Attentätern. Auch das israelische Rechtssystem basiert bis heute zu einem erheblichen Teil auf dem britischen Rechtssystem.

Nun bemühte man sich auf Seiten der israelischen Regierung, diesen ersten offiziellen Besuch eines Mitglieds des Königshauses in Verbindung mit dem 70. Jahrestag der Staatsgründung zu bringen, während auf der britischen Seite immer wieder betont wurde, das sei Zufall. Doch gleichzeitig sagen britische Diplomaten auch, dass man durchaus politische Ziele mit dem Besuch verfolge: Die britische Regierung sucht nach Zugang zu den israelischen Amtskollegen, die Großbritannien indes heute allerdings als außenpolitisch irrelevant betrachten. Deutlich zu spüren bekam London dies, als sich Israels Regierung während der Skripal-Affäre gegen deutlich geäußerte Forderungen verwahrte, russische Diplomaten auszuweisen. Und Netanjahu kritisierte öffentlich, dass Großbritannien seine Botschaft nicht nach Jerusalem verlegen möchte.

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