Wenn der Mähdrescher das ganze Feld in Brand setzt

Die anhaltend trockene Witterung macht den Bauern vor allem im Osten schwer zu schaffen - und Regen ist dort nicht in Sicht

Schwerin. Wegen der anhaltenden Trockenheit häufen sich in Mecklenburg-Vorpommern derzeit Brände bei der Getreide- und Heuernte. Wie Polizeisprecher am Sonntag erklärten, entstanden innerhalb weniger Tage bei mehr als einem Dutzend Feuern Schäden in Höhe von einer halben Million Euro. In den meisten Fällen löste Funkenflug an Mähdreschern die Brände aus, da die ausgedörrten Getreidehalme sofort Feuer fangen. Menschen wurden nicht verletzt.

Das Schweriner Agrarministerium hatte die Bauern bereits dazu aufgefordert, in diesem Jahr besonders viel Löschwasser in Behältern an die Felder zu bringen, da die Brandgefahr ungewöhnlich hoch sei.

Auch in anderen Bundesländern kam es zu teils schweren Bränden. In Sachsen war besonders der Landkreis Leipzig betroffen, wo sich im Zuge der Getreideernte zahlreiche Felder und Böschungen entzündeten. In Sachsen-Anhalt wurde am Sonntag die A143 wegen eines Großbrandes auf mehreren Feldern am Dreieck Halle-Süd gesperrt. Auch in mehreren Landkreisen Thüringens kam es zu größeren Bränden auf Feldern oder Wiesen, so in Werningshausen (Kreis Sömmerda).

Insgesamt drohen vor allem im Osten Deutschlands wegen der anhaltenden Trockenheit große Ernteausfälle. »Man kann vielleicht mit ähnlichen Einbußen wie im Jahr 2003 rechnen«, sagte Harald Maier, Agrarmeteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Das wäre dann etwa ein Viertel weniger Getreideertrag. Bei anderen Nutzpflanzen sei die Entwicklung noch nicht so absehbar. Problematisch ist die anhaltende Trockenheit auch für Wälder. In Teilen Niedersachsens und Brandenburgs gilt schon seit Wochen die höchste Waldbrand-Gefahrenstufe, nun soll auch für Unterfranken gewarnt werden. »Das große Problem in diesem Jahr ist der Borkenkäfer«, sagte Maier. »Er fliegt vor allem Bäume an, die stark unter Dürre leiden.« Das gelte vor allem für Fichten: »Das ist die erste Baumart, die unter Wärme leidet.« Auch auf Feldern müsse mit einer stärkeren Ausbreitung mancher Schädlinge wie etwa der Schwarzen Bohnenlaus gerechnet werden, warnte Maier. Auch der Kartoffelkäfer breite sich gerade aus. Eine gute Nachricht gibt es aber auch: »Durch die Trockenheit konnten sich Pilzkrankheiten weniger gut ausbreiten.« Pilze bevorzugen feuchte Bedingungen.

Die wird es in der kommenden Woche deutschlandweit nicht geben. »Es bleibt knochentrocken«, versicherte Andreas Friedrich, Pressesprecher des DWD. Selten seien die verschiedenen Rechenmodelle, aus denen die Meteorologen ihre Prognosen erstellen, so eindeutig gewesen. Diesmal dürfte das auch für die Südhälfte Deutschlands gelten, wo es im Mai und Juni schwülheiß mit zahlreichen Gewittern und Starkregen war. Nicht so in der kommenden Woche. »Wenn überhaupt, gibt es vielleicht ein paar Regentropfen im Schwarzwald«, so Friedrich. dpa/nd

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