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Subtile Methoden im Handelskrieg

China wertet seine Währung ab und gibt Reisewarnungen für die USA heraus

  • Von Finn Mayer-Kuckuk, Peking
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im Handelskonflikt mit den USA vollzieht die chinesische Regierung derzeit eine schwierige Gratwanderung: Sie will eine weitere Eskalation vermeiden und zugleich den Amerikanern klarmachen, dass auch sie viel zu verlieren haben. Die deutlichste Botschaft war eine Reisewarnung des Außenministeriums vom Dienstag. Die chinesische Botschaft in Washington wies die eigenen Staatsbürger auf die Gefahr von »Schießereien und Raubüberfällen« hin. »Um die öffentliche Sicherheit in den USA ist es schlecht bestellt. Seien Sie wachsam!«, heißt es in der Erklärung. Auch unangenehme Durchsuchungen durch Zollbeamte und Abzocke im Gesundheitswesen seien häufige Probleme.

Chinesische Touristen geben auf ihren Reisen weltweit inzwischen umgerechnet mehr als 770 Milliarden Euro pro Jahr aus, wie die China Tourism Academy in einer Studie ausgerechnet hat. An diesem gigantischen Kuchen wollen sich die Gastgewerbe aller Länder natürlich nach Möglichkeiten bedienen. Die japanische Regierung beispielsweise versucht, das eigene Land derzeit gerade für Chinesen attraktiver zu machen. Die Reisehinweise dürften so etwas wie Anti-Werbung für Urlaub in den USA sein - mit finanziellen Folgen für den Tourismus in Amerika.

Die Zentralbank sandte unterdessen ebenfalls gedämpfte Warnungen nach Washington. Sie wertete den Wechselkurs des Yuan binnen Monatsfrist um 3,6 Prozent ab. Das macht chinesische Waren international noch preiswerter und damit wettbewerbsfähiger. In China bestimmt die Zentralbank den Kurs der nicht frei handelbaren Landeswährung nach einer Reihe festgelegter Kriterien. Marktkräfte spielen hier im Normalbetrieb zwar durchaus eine Rolle, doch politischer Einfluss ist ebenfalls möglich. Zentralbankchef Yi Gang machte jedoch noch am Dienstag klar, dass eine Abwertung auf breiter Front derzeit nicht bevorstehe. Der Kurs werde »im Wesentlichen stabil« geführt werden, versprach Yi auf der Webseite der Bank.

Am Freitag treten auf US-Seite Zölle mit einem jährlichen Handelswert von 34 Milliarden Dollar in Kraft. China will zeitgleich 500 US-Produkte höher belasten. Im Handelsstreit mit Präsident Donald Trump verhält sich Peking aber bisher insgesamt zurückhaltend. Im Inland hat die Regierung sämtliche Medien angewiesen, die Stimmung gegen die USA nicht anzuheizen. »Berichten Sie über keine Äußerungen Trumps ohne auf die Antwort des Handelsministeriums zu warten«, lautet eine stehende Zensurvorschrift an alle Redaktionen. »Greifen Sie nicht Trumps primitive Äußerungen an. Das soll kein Krieg der gegenseitigen Beleidigungen werden«, heißt es in der Anweisung weiter.

Chinesische Experten warnen zudem davor, dass eine ökonomische Eiszeit der eigenen Wirtschaft erheblich schaden würde. »Chinas Exporte hängen ganz erheblich von den USA ab«, sagte Li Xiao, Volkswirtschaftsprofessor an der Jilin-Universität im Nordosten des Landes, in einer in den sozialen Medien vielfach geteilten Rede. Zwar stehe China derzeit stark da, doch sei der Aufstieg des Landes »innerhalb des US-dominierten Dollar-Systems« erfolgt. Die Volksrepublik habe sich noch längst nicht von den USA emanzipiert und werde das in einer globalisierten Welt auch in absehbarer Zeit nicht tun, so Li Xiao weiter. Alles andere sei »Wunschdenken«.

In Peking ist immer wieder zu hören, China bereite sich darauf vor, in dem Konflikt mit den USA notfalls mit harten Bandagen zu spielen - aber eben nur ungern. Erste Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex des Landes deuten derweil auf eine Eintrübung der Stimmung hin.

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