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10 Jahre Weltkulturerbe Hufeisensiedlung

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Manchmal spazieren noch Architekturliebhaber zwischen den Hausfassaden und Gärten in Berlins Hufeisensiedlung. Auch zehn Jahre nachdem die UNESCO die sechs Berliner Siedlungen der Moderne zum Welterbe erklärt hat, kommen ab und zu Architekturliebhaber bei schönem Wetter nach Britz. Wie wohl die meisten Bewohner der Hufeisensiedlung, sind Katrin Lesser und Ben Buschfeld auf diese Neugierde auch ein wenig stolz.

Doch nicht erst seit dem 8. Juli 2008, als die UN-Kulturorganisation die Bauten zu Denkmälern mit Weltrang erklärte, interessiert sich das Paar für die Pionieranlagen des sozialen Wohnungsbaus. Lesser und Buschfeld wohnen seit rund 20 Jahren in dem von dem Architekten Bruno Taut (1880-1938) entworfenen Wohnkomplex.

Raus aus den Mietskasernen, weg von den düsteren Hinterhöfen und den stickigen, kleinen Wohnungen mit Außentoilette - so lautete das Credo von Architekten und Planern, die zwischen 1913 und 1934 die sechs Siedlungen der Moderne bauten: Die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark in Wedding, die Hufeisensiedlung, die Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg, die Weiße Stadt in Reinickendorf und die Großsiedlung Siemensstadt in Charlottenburg. Ihre klaren Formen sind wegweisend für die Architektur des 20. Jahrhunderts.

Tauts Weltbild, das sich in seinen Bauten widerspiegelt, sei vom Zusammenspiel von individueller Freiheit und Gemeinschaftssinn geprägt, sagt Jörg Gleiter, Professor für Architekturtheorie an der Technischen Universität Berlin. In seinen Siedlungsbauten mit den immer wiederkehrenden Formen und Strukturen lasse er stets auch Raum für die persönliche Gestaltung der Bewohner.

»Das Beste von Stadt und Land«, beschreibt Buschfeld sein Lebensgefühl in der Hufeisensiedlung. Die U-Bahnstation in der Nähe, das Vogelgezwitscher, die Kirschbäume und eine kleinstädtische Reihenhausidylle ringsum. Um die Qualität und das abwechslungsreiche Bild der Siedlung zu erhalten, engagieren sich Lesser und Buschfeld im Denkmalschutz. 2010 kauften sie ein paar Häuser neben ihrer eigenen Einheit, ein stark herunter gekommenes Reihenendhaus mit Garten. Im Inneren verfügte das Haus noch über ungewöhnlich viel Originalsubstanz, die das Paar mit viel Eigenarbeit und ohne öffentliche Förderung aufwendig restaurierte.

Das alles klingt nach Idylle. Doch taugen die Siedlungen der Moderne als Vorbild zur Lösung der Wohnungsprobleme heute? Schon in den 20er Jahren litt Berlin unter Wohnungsnot, in der Stadt fehlen mehr als 350 000 Einheiten. Im Jahr 1928, zur Hochzeit des Neuen Bauens, errichteten Baugesellschaften wie Gehag und Degewo 28 000 Wohnungen. Von solchen Zahlen ist Berlin heute weit entfernt. Allerdings standen der Stadt damals große Flächen zur Verfügung. Heute muss sich der Wohnungsbau den Vorgaben der Verdichtung des Stadtbilds anpassen. Serielles Bauen, das räumt auch Designer Buschfeld ein, habe außerdem keinen guten Ruf. Eine auf wenige Grundtypen reduzierte Bauweise berge die Gefahr »seelenloser Monotonie« - eine Falle, der Taut mit viel Kreativität entkommen sei. dpa/nd

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