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Jubeltänze morgens um sechs

Russlands Fans lassen sich auch nach dem WM-Aus ihrer Mannschaft die Party nicht verderben

  • Von Jirka Grahl
  • Lesedauer: 2 Min.

Es war eine Nacht, die sie nicht vergessen werden in Russland: 120 Minuten und etwas länger durften sie vom ganz großen Wurf ihrer Sbornaja träumen, weil Denis Tscheryschew und seine Kollegen nun auch noch die Kroaten so gut im Zaum zu halten wussten, dass es in Sotschi tatsächlich erneut zum Elfmeterschießen im abschließenden Viertelfinale Russland - Kroatien kam. Sollte Russland wirklich so sehr vom Glück geküsst werden?

Was für ein Samstagabend: Viele Russen hatten sich für dieses Spiel zu Fußballpartys verabredet. In den Restaurants, die mit Flatscreens und Fußballübertragungslizenz ausgestattet sind, waren seit Tagen keine Tische mehr zu reservieren gewesen. In den Fanzonen der Ausrichterstädte wurde es an diesem Viertelfinalabend auch sehr, sehr eng. Zu Tausenden drängten sie sich vor den Megabildschirmen. Alte, Junge, Russen, Touristen. Und sie alle drückten dem Außenseiter die Daumen: »Rossija, Rossija!«

Wer unglücklicherweise Karten fürs Bolschoi-Theater hatte, ließ heimlich auf dem Handy den Stream laufen, die Ballerinen schauten hinter den Kulissen selbst auf einen kleinen Laptop. In den Nachtzügen indes litten alle Fußballinteressierten, weil sich dort im Sekundentakt die Datenverbindung zum Internet erst langsam aufbaut, um dann sofort wieder zusammenzubrechen: Ab und an hallten kehlige Schreie aus entfernten Abteilen durch die Waggons: »Gooooooooooool.« Türen wurden aufgerissen, Menschen stürzten auf die Gänge und blickten sich fragend an: »Adin - Nol Rossija!« jubelte einer und die Leute fingen zu klatschen an. 1:0 für Russland, Ungläubigkeit in allen Gesichtern.

Danach aber blieb es lange ruhig, zweimal war so etwas wie ein schrilles »Njeeeeet« zu vernehmen, ehe die Bahnfahrer ihr letztes Jubeltänzchen auf dem Gang veranstalteten: »Dwa-dwa«, die Kunde vom Ausgleich in der 117. Minute hatte den Zug Nr. 23E von Kasan nach Moskau erreicht. Ein paar Rufe noch, ein Lacher hier, ein Schreien da, dann aber herrschte Stille. Es war 23.45 Uhr, und in dieser Nacht sollte sie nicht mehr unterbrochen werden. Dass Russland nach dieser vorher nicht für möglich gehaltenen Turnierleistung ausgeschieden war, wollte niemand mehr irgendwie laut herausposaunen.

Doch schon bei Ankunft auf dem Moskauer »Kasanski Woksal« gab es wieder die ersten lachenden Menschen zu sehen: Um 6.37 Uhr stand am Gleis 1 ein Grüppchen Freiwilliger und empfing die Ankömmlinge - singend, tanzend, springend: Sie lassen sich das Singen nicht verbieten. Und schon gar nicht von einer Niederlage die Party verderben.

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