Werbung

Anstand von unten

Robert D. Meyer über die Proteste gegen das Sterben im Mittelmeer

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Als im Oktober 2000 am Eingang einer Düsseldorfer Synagoge mehrere Brandsätze explodierten, rief der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder zu einem »Aufstand der Anständigen« auf, hinter dem sich die erste Riege der Politik versammelte. Selbst Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber teilte die Ansicht: »Wegschauen ist nicht mehr erlaubt.«

18 Jahre später erfolgt solch ein mahnender Appell weder aus der Großen Koalition und schon gar nicht aus dem CSU-regierten Freistaat. Im Gegenteil: Während die Unanständigen auf den Parlaments- und Regierungsbänken sitzen, sind es Tausende auf der Straße, die daran erinnern, dass dem Sterben im Mittelmeer zuzuschauen keine Option ist. Was unter dem Stichwort Seebrücke passiert, erinnert an den kurzen Spätsommer der Willkommenskultur 2015.

Damit der Wind dreht
Bootsbauer Philipp Hahn fährt auf der »Sea-Watch« und ist überzeugt: Die zivile Seenotrettung kann weitermachen

Ein Wiederentdecken der Solidarität, die für viele kaum noch sichtbar war, angesichts der von rechts bis tief hinein ins bürgerliche Lager vergifteten Migrationsdebatte. Doch die Bewegung zeigt, wie darauf zu antworten ist: Öffentliche Räume besetzen, nicht auf Weckrufe von oben warten, den Menschen in Not und ihren Helfern ein Gesicht geben, den Diskurs mit eigenen Schlagworten übernehmen. Seebrücke statt Seehofer. So funktioniert Bewegung von unten.

Nun gilt es, Beharrlichkeit zu zeigen. Das politische Klima lässt sich nicht über Nacht zum Positiven wenden. Beginnt aber niemand, bliebe Humanität weiter eine Sonntagsrednerfloskel.

Seenotrettung ist kein Verbrechen - Tausende protestieren für sichere Fluchtwege

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen