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Buterbrod im Rjuksak

Lehnwörter

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Dass »die Mannschaft«, wie die deutsche Nationalelf in Russland (allzu voreilig) respektvoll genannt wurde, die Vorrunde bei der Fußball-WM nicht überlebte, war genauso überraschend wie der famose Einzug der »Sbornaja«, der russischen Kicker, ins Viertelfinale. Fast hätten sie es sogar ins Halbfinale geschafft. Vielleicht hätten sich die Jungs von Stanislaw Tschertschessow vor dem Elfmeterschießen »sto gram wodka«, ein »Wässerschen«, gönnen sollen, um ihre Treffsicherheit gegen die kroatische Auswahl zu steigern.

Ob nun »woda« aus dem Deutschen oder Englischen (water) stammt, sei dahingestellt. Fakt ist, es gibt eine Unmenge deutscher Lehnwörter im Russischen. Das verwundert nicht angesichts Jahrhunderte enger deutsch-russischer Beziehungen, Begegnungen, Bekanntschaften und Verwandtschaften, von Peter dem Großen über Katharina II. bis hin zu den Bolschewiki, die ebenfalls sehr wohl Geist, Geschicklichkeit, Genialität und auch Glaubensbereitschaft der deutschen Genossen zu schätzen wussten. Es gibt etliche Fachbegriffe aus Handwerk, Wissenschaft und Kultur, die aus dem Deutschen ins Russische einzogen, überwiegend mehr indes aus dem - nicht verwunderlich - militärischen Bereich. So hängt den Deutschen noch immer das chauvinistischer Ideologie entsprungene Unwort vom »blizkrig« an, der zwei Mal im 20. Jahrhundert grandios scheiterte. Aus der Sprache der Militärs wanderten von West gen Ost »feldfebel« und »feldmarschal« samt »kwartirmejstr« und »gaubiza« (Haubitze). Die »marschrut« vieler Ostlandreiter kalkulierte nicht ein, dass auch Russen ein unüberwindbares »bolwerk« errichten können und vor allem niemandem untertan sein wollen.

Den »rjuksak«, den einst jeder »landsknecht« mit sich rumschleppen musste und in dem sich oft nur ein karges »buterbrod« und eine »kartofel« befanden, schenkten die Deutschen den Russen vermutlich schon vor der 1812 in Tauroggen geschmiedeten Waffenbrüderschaft gegen Napoleon. Nicht überraschend sind die Exportschlager »schlagbaum«, »lager« und »wachta« (Wache). Mit Einzäunungen, Ab- und Ausgrenzungen kannten sich die Deutschen schon immer aus. Ihnen verdanken die Russen aber auch die »fortotschka«, die gemäß der sprichwörtlichen russischen Offenheit und Gastfreundschaft eher otkrita (geöffnet) denn saktrita (geschlossen) ist.

Eine Berufsbezeichnung, die ebenfalls mit dem sogenannten deutschen Wesen verbunden wird, ist der »buchgalter«. Das »galstuk« kannte man in Russland schon vor der Gründung der kommunistischen Pionierorganisation 1922, denn es meint dort die Krawatte. Gefördert wird wie zu Sowjetzeiten jedes »wjunderkind«. Wann russische Frauen erstmals den »bjustgalter« umschnallten, ist nicht überliefert.

Wesentlich geringer als die Anzahl deutscher Lehnwörter im Russischen ist die russischer im Deutschen, zudem regional begrenzt. Ostdeutsche fahren am Wochenende immer noch gern auf ihre Datsche, während sie sich zum Subbotnik heute selten treffen. Auch die Samisdat-Literatur starb mit der DDR. Und Alexander Gerst ist kein Kosmonaut wie noch Sigmund Jähn, 1978 »der erste Deutsche im All«, sondern ein Astronaut, kurz: »Astro-Alex«.

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