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Theaterschiff wird in die Werft gebracht

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

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»Allein zu erleben, wie dieses 300-Tonnen-Schiff ins Dock gehoben wird«, schwärmt Timo Schöpf. Schon vier Mal ist er dabei gewesen, wenn eine Instandsetzung des Potsdamer Theaterschiffs notwendig gewesen ist. Immer war es ein Erlebnis. Der Technische Leiter erzählt: »Über eine Tonne Muscheln hängen unten am Schiffsboden.«

Alle fünf Jahre muss der denkmalgeschützte Lastkahn »Sturmvogel« zur Generalüberholung. Nun ist es wieder so weit. An diesem Dienstag um 8 Uhr soll der 50 Meter lange Kahn an der Schiffbauergasse ablegen und zur Hegemann-Werft in Berlin-Spandau geschleppt werden. Dort wird er ins Trockendock gehievt, begutachtet und bis zum 10. August abgestrahlt und frisch angestrichen. Das kostet 128 000 Euro. 64 000 Euro spendiert Kulturministerin Martina Münch (SPD). Sie wollte die Mittel am Montagabend übergeben. Das Theaterschiff setze mit seinen »kreativen, innovativen und oft leidenschaftlichen Inszenierungen« immer wieder spannende Akzente, lobt die Ministerin. »Ich freue mich, dass wir den historischen Kahn mit den Mitteln der Denkmalhilfe sanieren und damit die erfolgreiche kulturelle Nutzung sichern können.« Auch die Stadt Potsdam und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligen sich finanziell.

Das Theaterschiff gilt als die einzige fahrtaugliche Bühne der Bundesrepublik. Pro Jahr gibt es mehr als 250 Veranstaltungen, neben Theateraufführungen auch Konzerte, Lesungen und Kabarettabende. Der Saal im Schiffsbauch bietet für Zuschauer 89 Sitz- und 120 Stehplätze. Außerdem gibt es 40 Sitzplätze auf dem Oberdeck und eine Kneipe.

Der »Sturmvogel« ist Baujahr 1928. In den 1980er Jahren benutzte ihn das Ostberliner Kabelwerk Oberspree (KWO) zum Abtransport seiner Erzeugnisse. Nach der Zerschlagung des KWO wurde der Schleppkahn stillgelegt und auf Anweisung der Treuhandanstalt in der Rummelsburger Bucht geparkt. Binnenschiffer Rainer Röper, der sich um den Erhalt alter Lastkähne bemüht, bot den »Sturmvogel« damals dem am Potsdamer Hans-Otto-Theater engagierten Schauspieler und Regisseur Wilfried Mattukat als Spielort für seine Stadt-Spiel-Truppe an. 1994 wurde der Kahn für diesen Zweck umgebaut und an der Alten Fahrt gegenüber der Potsdamer Freundschaftsinsel vertäut. 2013 zog der Kahn zur Schiffbauergasse um.

Die Stadt-Spiel-Truppe war ein Laienensemble, das Amateurtheater auf beinahe professionellem Niveau zeigte. Ein paar Darsteller von damals sind heute noch an Bord. Die Amateure haben vier bis fünf Inszenierungen im Repertoire, davon eine neue pro Jahr, erläutert Anja Kraus vom Theaterschiff. Seit im Jahr 2011 Martina König die künstlerische Leitung übernahm, gebe es als zweite Schiene professionelles Theater mit Gastspielen, bei denen bereits Stars wie Jörg Schüttauf, Jutta Wachowiak und Rosa von Praunheim mitwirkten. Den laufenden Betrieb fördert das Kulturministerium mit 45 000 Euro jährlich.

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