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  • RAW-Geländer in Friedrichshain

Investoren wollen Hochhäuser

Streit über Planungen für Friedrichshainer RAW-Gelände

Eine Zukunftsvision für das RAW-Gelände in Friedrichshain muss her. Und am besten soll diese auch noch allen gefallen. Deswegen veranstaltete das Stadtplanungsunternehmen Urban Catalyst hierzu eine sogenannte Dialogwerkstatt in Kooperation mit Eigentümern, Senat, Bezirk und Stadtteilinitiativen. Rund 150 Personen folgten der Einladung des Bezirksamts Friedrichhain-Kreuzberg zu der dritten und letzten Veranstaltung unter dem Motto »RAW 2014 - Zukunft konkret«, unter ihnen Clubbesitzer, Anwohner, Eigentümer und Interessierte.

Doch: Was ist nun der Plan? In den ersten beiden Dialogwerkstätten wurde der Charakter des Geländes herausgearbeitet. Heraus gekommen ist ein Papier mit zehn Punkten, ein sogenannter Wertekodex, an dem sich die Entwicklung der Fläche orientieren soll. Darunter sind Forderungen nach Mitbestimmung und die Bitte, die »historische Identität« zu erhalten, aber auch der Versuch, eine produktive Nutzmischung oder die »Balance zwischen sozialen und ökonomischen Interessen« zu finden.

Basierend hierauf wurde nun von Fachwerkstätten ein sogenannter Strukturplan erstellt, der die Möglichkeiten des Umbaus des Geländes skizziert. Dieser wurde am Abend genauer vorgestellt. Doch ganz wichtig: Dieser Plan sei noch nicht der »Masterplan«, betonte der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Es sei nur ein »Raummodell mit Spielregeln«, man stehe zwar am Ende des Dialoges, jedoch erst am Anfang der Planung.

Doch schon jetzt hat es der Plan in sich: Hochhäuser sollen an den westlichen sowie östlichen Enden des Geländes entstehen, und auch in den Süden - zur Bahnlinie hin - sollen die Gebäude nach Wunsch des Investors höher werden. Im mittleren Bereich sollen zwar viele der denkmalgeschützten Bauten erhalten bleiben, insgesamt sieht der Plan aber eine starke Verdichtung vor: Alte Gebäude sollen weichen und Platz machen für sogenannte Sockel, die später noch ausgebaut werden können. Diese sind momentan in der Planung weitestgehend Konsens - allerdings nur, was die Erdgeschossebene angeht. Wie hoch es gehen soll, darüber gibt es vom Eigentümer bis zum Bezirk verschiedene Vorstellungen. Der Investor will, dass am Westende, dort, wo momentan die Kunstgalerie Urban Spree und das Astra-Kulturhaus untergebracht sind, ein Haus mit 60 Meter Höhe entsteht. Das entspricht der Größe des BASF-Turms auf der anderen Seite der Gleise.

Die Politik sieht das bisher noch kritisch: Abgeordnetenhausmitglied Sven Heinemann (SPD) sieht höchstens 22 Meter im Bereich des Möglichen. Am östlichen Ende wird kein Hochhaus entstehen können, so die Verwaltung. Insgesamt begrüßt Heinemann die Weiterentwicklung des Geländes. Der Erhalt der Subkultur stehe für ihn allerdings »an erster Stelle«.

Doch wenn man sich die Visualisierung der Eigentümergesellschaft von Investor Lauritz Kurth anschaut, sieht man von dieser nur noch relativ wenig. Weite Plätze mit Springbrunnen, moderne Fassaden aus Glas und Häuser, die in den Himmel ragen, sind dort zu sehen. Den dreckigen, selbstverwalteten Charme, der bei vielen Bewohnern der Stadt eine Hassliebe auslöst und der für Touristen »so Berlin« ist, kann man nur noch erahnen. Ersetzt werden soll er mit einer Mischnutzung aus Kultur und Gewerbe, die sicherlich ihre Vorteile bei der Effizienz hat, bei Teilen der jetzigen Nutzer und Anwohner allerdings verständlicherweise die Angst vor Verdrängung hervorruft.

So äußerte auch die Stadtteilinitiative um das RAW-Kulturensemble Bedenken zu den Überlegungen. Einer der Vertreter meinte, es handele sich um die »Weiterführung der Eigentümerplanung von 2016«. Für sie sei es unverständlich, wieso so viel abgerissen werden müsse, um Neues zu bauen. In einer Stellungnahme schreibt die Initiative von einer geplanten Bausubstanz, die die jetzige um das Siebenfache übersteige.

Das Problem in dem Interessenkonflikt: Auch die momentanen Nutzer sind sich uneinig. Einige sind froh über die Entwicklung und begrüßen die Modernisierung. Die Situation auf dem Gelände sei ausbaufähig in Sachen Technik, und es gebe Anfeindungen gegenüber Nutzern, die dem Eigentümer wohlgesonnen sind, so Timm Thaler vom Radiosender BLN.FM. Kritiker werfen ihm Spaltung und die Zusammenarbeit mit dem Investor vor. Auch vonseiten der Verteidiger des Plans schwingen Ressentiments mit: Ein anderer Redner sieht die möglichen Arbeitsplätze als Vorteil des Strukturplans. So könnten die Kritiker ihr Hartz IV finanziert bekommen. Das Publikum buht ihn aus.

Wie es nun weitergeht, ist also ungewiss. Die Initiativen wollen den Plan so nicht hinnehmen und Unterschriften für einen Einwohner*innenantrag sammeln. Der Titel: »RAW als städtebauliches Erhaltungsgebiet sichern«. Die Arbeit an dem Konzept geht jedoch weiter. Denn eins ist klar: Die Kurth-Gruppe, die allein für den westlichen Teil des Areals rund 20 Millionen bezahlt haben soll, möchte sicherlich irgendwann einmal eine schwarze Null auf dem Papier sehen. Der Baustadtrat gibt der Planung noch drei Jahre.

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