Werbung
  • Politik
  • Schwarze Bayerin angefeindet

Facebook sperrt Bericht zu Alltagsrassismus

Bayerin Imoan Kinshasa veröffentlichte Anfeindungen bei Weinfest in Traiskirchen aufgrund ihrer Hautfarbe und wurde daraufhin mehrfach gesperrt

  • Von Ulrike Kumpe
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Donnerstagabend wird der Facebook-Account von Imoan Kinshasa zum zweiten Mal gesperrt. Sie schrieb in einem Post, wie sie am vergangenen Wochenende auf dem Weinfest in Traiskirchen in der Nähe von Wien rassistisch beleidigt wurde. Eine Gruppe Jugendlicher habe ihr hinterhergerufen »Jetzt hab ich alles gesehen, ein Neger im Dirndl«, berichtet die gebürtige Bayerin in dem sozialen Netzwerk. Zunächst wird der Post von Facebook gelöscht, später wird ihr Account sogar gesperrt. Kinshasas Geschichte wird dennoch publik.

Anstoß hätten die Gäste auf dem Weinfest daran genommen, dass die junge Frau schwarz ist und ein Dirndl trägt. Kinshasa berichtet anschaulich: »Ich höre die Leute reden. 'Eine schwarze im Dirndl!'. Augenpaare blicken mich verwirrt, böse oder belustigt an. An den Nachbartischen wird geredet und gestarrt. Wir holen essen, nein auch da keine 2 Minuten Ruhe. Ich kann keinen Schritt machen ohne das Gerede und Gelächter zu hören. Ich fühle mich wie eine Aussätzige. Beobachtet und exponiert.« Sie fühle sich ihrer eigenen Kultur beraubt. Als Kind war sie Mitglied im Trachtenverein und stolz auf die Dirndl, die ihre Oma ihr genäht hat.

Kinshasa findet, dass 2018 dunkelhäutige Menschen keine Attraktion mehr sein sollten. Gegenüber »nd« sagt sie, Alltagsrassismus sei sie gewöhnt. »Angestarrt werden, evaluiert werden, gar nicht oder unfreundlich bedient werden. Es ist einfach erniedrigend.« Die Situation in Traiskirchen habe das Fass für sie aber zum Überlaufen gebracht. Deshalb habe sie sich ihre Erfahrung in Traiskirchen von der Seele schreiben müssen.

Die Resonanz und Anteilnahme auf ihren Facebook-Beitrag ist groß. Als ihr ursprünglicher Post gelöscht wird, haben ihn laut Kinshasa bereits 5000 Menschen geteilt und mehr als doppelt so viele mit einem Like oder Empörung reagiert. Mit der Löschung durch Facebook werden automatisch auch alle Kommentare und Interaktionen gelöscht. Als Kinshasa das kommentiert, wird auch dieser Post von Facebook gelöscht und ihr Account zunächst 24 Stunden lang gesperrt. Nach einer erneuten Sperre richtete sie für ihren Post einen eigenen Blog ein.

Der Fall schlägt in Österreich hohe Wellen. Die Zeitschrift »Die Wienerin« schreibt: »Facebook löscht wichtigstes Posting über Alltagsrassismus in Österreich.« Auf Nachfrage des »nd« zeigt sich Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. über die Sperre durch Facebook verwundert. Der Verein, aber auch die einzelnen Mitglieder, hätten bislang keine Probleme, auf der Plattform über Rassismus zu berichten.

Der Account von Kinshasa ist inzwischen wieder freigeschaltet. Eine Stellungnahme des sozialen Netzwerkes gibt es bislang nicht. Dafür hat sich der Bürgermeister von Traiskirchen, Andreas Babler, für das Verhalten der Gäste des Weinfestes entschuldigt und schreibt: »Liebe Imoan, es tut mir unendlich leid, dass du in meiner Stadt so behandelt wurdest.« Außerdem lädt er sie zu einem weiteren Besuch nach Traiskirchen ein, um »seine« Stadt erneut kennenzulernen.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen