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Vom Wasser aus mit allen Sinnen

Badehose statt edler Zwirn - die Therme wird zum Konzertsaal

  • Von Herbert Mackert, Bad Kissingen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Band »Music for a while« spielt in Bad Kissingens Therme.
Die Band »Music for a while« spielt in Bad Kissingens Therme.

Während am Beckenrand Bertolt Brechts Dreigroschenoper mit der berühmten Moritat von Mackie Messer - »Und der Haifisch, der hat Zähne« - erklingt, schwimmen die Konzertbesucher wie Fische im Wasser. Abendkleid und Anzug durften sie diesmal zu Hause lassen und sich stattdessen lässig mit Handtuch und in Badehose in die Konzertarena begeben. Diese ist aber kein Konzertsaal mit ausgefeilter Akustik, sondern das sonst Kurgästen anvertraute Thermalbad »Kisssalis« im unterfränkischen Bad Kissingen. Über und dank Unterwasserbeschallung auch unter dem Wasserspiegel der Musik von Kurt Weill und der »Winterreise« von Franz Schubert zu lauschen, ist für sie ein besonderes Erlebnis.

Ein Experiment, das der Intendant des »Kissinger Sommer«, Tilman Schlömp, in seinem zweiten Jahr wagte. So will er das Musikfestival für neue Zielgruppen öffnen. Neben den klassischen Spielorten wie Kurtheater und Regentenbau nutzt Schlömp auch die Therme und den Innenhof des umfunktionierten einstigen Luitpoldbads als Konzertbühne. Das Venice Baroque Orchestra eröffnete mit Antonio Vivaldis »Vier Jahreszeiten« diesen neuen historischen Konzertort.

Nach Sauna und Therme verwandeln die norwegische Künstlerin Tora Augestad und ihr Ensemble »Music for a while« das Kurbad am Donnerstagabend mit Songs von John Dowland bis Kurt Weill in einen Konzertsaal. Den Weill-Song vom »Surabaya Johnny« und Schuberts »Winterreise« auf dem warmen Wasser treibend oder im Liegestuhl zu hören, ist aber nicht jedermanns Sache. »Wir sind eigentlich sehr aufgeschlossen, was außergewöhnliche Spielorte angeht, aber dieses Ensemble würde auch einen großen Konzertsaal füllen«, sagt Konrad Nachtwey aus Kassel. Das Plätschern im Wasser habe hier und da doch etwas gestört, moniert er, »die Qualität hat doch etwas gelitten«.

Pascal Muller aus Spanien dagegen ist begeistert: »Im Wasser schwebend ist man doch viel entspannter und die Musik kann noch mehr wirken als auf einem harten Stuhl im Konzertsaal.« Die Akustik sei nicht so schlecht gewesen. Auch seine Frau Ines findet Musikgenuss beim Baden eine »sehr schöne, sehr originelle Idee«. Am meisten freuen sich beide, dass Sohn Patrick, der mit klassischer Musik sonst nicht viel am Hut habe, mitgekommen ist. Die Bilanz des Teenagers: »Sehr angenehm, die Temperatur war perfekt, die Musik schön.« Auch die Kuratoriumsvorsitzende des Festivals und Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär (CSU), zeigt sich hernach »sehr beeindruckt«. Vom Wasser aus erlebe man das Konzert mit allen Sinnen. »Ein ganzheitliches Kunsterlebnis, das nach Fortsetzung verlangt.«

In jazzigen Arrangements interpretiert das norwegische Ensemble die klassischen Werke von Weill, Schubert, Franz Servatius Bruinier, John Dowland und Marc-Antoine Charpentier erfrischend anders. »Das war wunderbar«, sagt Sopranistin Tora Augestad nach dem Auftritt, auch für sie war es eine Premiere. »Wir haben schon auf Brücken gespielt, auf Schiffen, am Kai, in der Natur, das ist in meiner Heimat Norwegen nichts Außergewöhnliches - aber in einem Schwimmbad waren wir noch nie.« Wegen der besonderen Akustik des Schwimmbads mit den großen Glaswänden seien die Stücke etwas langsamer und weicher gespielt worden. Hohe Frequenzen eigneten sich nicht fürs Schwimmbad. Doch Augestad ist überzeugt, Weill hätte sich gefreut über so eine Bühne.

Auch Intendant Schlömp begrüßt die neue Lockerheit im Umgang mit der sogenannten ernsten Musik. »Man muss nicht immer mit Schlips und Kragen ins Konzert, sondern kann das auch mal ganz entspannt im Wasser liegend genießen und die Seele baumeln lassen«, findet er. Sein Fazit: »Experiment gelungen!« dpa/nd

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