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Von Leinwandvillen und dem Dübener Ei

Sonderschau zeigt anhand von persönlichen Erinnerungsstücken, wie einst in der DDR geurlaubt wurde

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Es liegen wohl noch große Mengen an Luftmatratzen aus DDR-Zeiten auf ostdeutschen Dachböden und in. Diesen Eindruck hat zumindest Kuratorin Mareike Linnemeier. Für die Sonderausstellung »Urlaub in der DDR - von Ferienfreuden im In- und Ausland« hatte das Museum Schloss und Festung Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) dazu aufgerufen, Urlaubserinnerungen und Original-Objekte einzuschicken.

Das Echo war offenbar beeindruckend. Und es kamen viele Luftmatratzen - aber noch vieles mehr. Badehose, Nähset, zusammenklappbarer Kleiderbügel: Das sind einige von Hunderten Objekten im Obergeschoss, die bis zum 3. März ausgestellt werden. Komplettiert wird das Bild durch Postkarten, Reisekataloge und Fotos.

In einem Raum sind zwei Zelte aufgebaut samt Feldbetten, bunt-gemusterten Luftmatratzen, Grill, Mini-Fernseher und Campingklappstühlen. Es riecht nach Vergangenheit - da kommen sicher bei vielen Besuchern Erinnerungen auf. Natürlich fehlt auch das Thema FKK (Freikörperkultur) nicht. In einer Ecke sind Original-Magazine zu sehen, die für FKK-Strände an der Ostsee werben. Im Hof des Schlosses steht der Campingwohnwagen-Klassiker schlechthin, das »Dübener Ei«.

Etwa die Hälfte der Urlaubsreisen wurde in der DDR nach Einschätzung des Museums privat organisiert. Zum Beispiel ging es auf Zeltplätze oder in Zimmer von Privatleuten, wie die Kuratorin erläutert. Die andere Hälfte der Reisen erfolgte über staatliche Institutionen wie Reisebüros und führten zum Beispiel in Gewerkschaftsheime, Betriebsferieneinrichtungen oder Kinder- und Jugend-Ferienlager.

Der DDR-Apparat habe sich das Thema Urlaub als Aufgabe gesetzt, heißt es von den Ausstellungsmachern. Ziel sei auch gewesen, den Bürgern erschwingliche Reisen zu ermöglichen. Bis Mitte der 1960er Jahre seien Aufenthalte in FDGB-Ferienheimen zudem oft mit Ideologischem verbunden gewesen. Heimleiter seien demnach angewiesen worden, etwa politische Gesprächsrunden zu organisieren, und es habe Sportprogramme im Sinne der sozialistischen Ideologie gegeben. In den Ferienlagern - meist organisiert von Betrieben und staatlichen Einrichtungen, der Pionierorganisation oder der FDJ - habe es sogar vormilitärische Übungen gegeben. Das Ganze habe sich im Laufe der Jahre abgemildert. Das Urlaubsgefühl sei mehr in den Vordergrund gerückt.

In einer Vitrine ist die per Schreibmaschine verfasste Speisekarte eines Ferienheims aus dem Jahre 1969 zu sehen: Zum Mittagessen gab es zum Beispiel Tomatensuppe mit Reis, Schweizer Sahnebraten mit Salzkartoffeln und Salat. Die Gäste konnten aber auch Schonkost wählen: Frikassee mit Butterreis.

Ab Mitte der 1960er Jahre habe sich auch in der DDR ein Trend hin zum Urlauben entwickelt, davor habe das nur bei wenigen eine Rolle gespielt. Der Westen war als Urlaubsziel für die allermeisten Leute tabu. Reiseziele waren die DDR selbst oder das sozialistische Ausland. Nur wenige konnten laut Museum so weit wie etwa nach Kuba oder Nordkorea reisen. Besonders beliebte Ziele waren die Ostsee aber auch Bulgarien und Ungarn.

Am häufigsten reisten DDR-Bürger mit der Eisenbahn. Flugreisen waren damals ein absolutes Highlight, wie es vom Museum heißt. Auch aufs Kreuzfahrtschiff ging es damals für einige, etwa auf der »Völkerfreundschaft« und der »Fritz Heckert«. An einer Informationstafel ist ein Auszug aus einem Schiffsreisetagebuch zu sehen. Das Programm: Zuerst ein Vortrag über die Stadt Leningrad. Und dann? »Wir spielen ›Bingo‹«. dpa/nd

»Urlaub in der DDR - von Ferienfreuden im In- und Ausland« (bis 3. März 2019), Museum Schloss und Festung Senftenberg, Schlossstraße, 01968 Senftenberg, geöffnet in der Sommersaison (bis 31.10.2018) Dienstag bis Sonntag 10.30 bis 17.30 Uhr sowie feiertags.

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