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Kein Einkauf ohne Plastik

Junge Umweltaktivisten wollen mit Aktion Zeichen gegen Ressourcenverschwendung setzen

  • Von Philip Blees
  • Lesedauer: 4 Min.

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»Da sieht man mal wieder die Absurdität des Verpackungswahnsinns«, sagt die 22-jährige Sophie Vermeulen und zeigt auf einen in Plastik eingewickelten Brokkoli-Kopf. Sie wird ihn an diesem Samstag - natürlich nur ausnahmsweise - trotzdem kaufen, denn sie ist mit ihrer Freundin Pauline Häfele bei einer sogenannten Plastic Attack in Neukölln. Zum zweiten Mal findet diese Aktion in Berlin statt, bei der Umweltaktivisten in Supermärkten einkaufen, dann ihre Lebensmittel von Verpackungen aus Plastik befreien und symbolisch den Müll wieder zurückbringen - es soll ein Zeichen gegen die unnötige Verschwendung von Ressourcen sein.

Ihr Ziel: »Dass weniger Plastik benutzt wird«, sagt Häfele. Das Problem beim Einkauf: »Es gibt einfach keine Alternativen.« Das stimmt tatsächlich: In der Lidl-Filiale am Rathaus Neukölln gibt es zwar eine große Auswahl an Obst und Gemüse, ohne Plastikverpackung kommen die Produkte jedoch so gut wie nie aus. Die Kartoffeln in Plastiksäcken, der Bund Bananen mit einem Sticker umwickelt. Bei anderen Produkten sieht es nicht besser aus: Der Tofu ist sogar doppelt verpackt. Das Ausmaß führt selbst bei den beiden Aktivistinnen zu Erstaunen: »Was alles verpackt ist!« Die Supermarktkette ist dabei jedoch keineswegs alleine: Bei der Aktion im Mai in einem Rewe in Friedrichshain sah das Ergebnis ähnlich aus.

Warum sie das Thema so interessiert? Seit Herbst vergangenen Jahres sind die beiden Studentinnen in der Berliner Jugendgruppe des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aktiv. Dort haben sie sich mit der Thematik beschäftigt und dann im Februar an einem sogenannten Plastik-Fasten teilgenommen, also vollkommen auf darauf verzichtet. »Irgendwann bekommt man dann ein Auge dafür«, so Häfele. Dann könne man gar nicht mehr aufhören darauf zu achten, was alles in Plastik verpackt ist.

Das macht den Einkauf gleich viel schwieriger: Sie brauchen mehr Zeit für ihren Einkauf, weil sie länger suchen müssen, um plastikfreie Produkte zu finden. Dadurch sei letztlich auch die Flexibilität beim Kochen eingeschränkt.

Und sie erschweren auch die Arbeit der Verkäufer. Der Kassierer möchte das unverpackte Brot nicht anfassen. »Ich habe schmutzige Finger«, sagt er zu Vermeulen und bittet sie, das Brot selbst vom Band zu heben. Eine hygienische Alternative müsste her. Auch das gehört zur Plastic Attack dazu: Schwierigkeiten aufzeigen, mögliche Alternativen anregen. Die jungen Frauen nehmen an der Kasse ihre mitgebrachten Tüten zur Hand und packen den Einkauf um.

Wenn sie nicht gerade an einer Aktion der BUND Jugend teilnehmen, dann gehen die beiden lieber gleich woanders einkaufen. »Ich versuche es tatsächlich zu vermeiden, in einen konventionellen Supermarkt zu gehen«, sagt Häfele. Die Alternative seien Läden, die ihre Produkte bewusst nicht verpacken - zwei Geschäfte in Berlin bieten all ihre Produkte unverpackt an. Auch Biomärkte oder Naturkostläden achten meist darauf, wenig Plastik zu verwenden.

Myriam Rapior, Mitglied im Landesvorstand der BUND Jugend, geht es nicht um einzelne Geschäfte, die von sich aus anders handeln. Sie findet, es müssten andere Gesetze her. »Oftmals wird Plastik thermal recycelt«, sagt sie. Der Verpackungsmüll werde also größtenteils einfach verbrannt. Sie nennt das »Downcycling« im Gegensatz zum »Upcycling«, bei dem Produkte so wiederverwertet werden, dass etwas Neues aus ihnen entsteht. Das fordert Rapior auch für Verpackungen. Andere Möglichkeiten wären Mehrwegsysteme wie bei Flaschen. Das zu entscheiden, sei Sache des Bundes. Aber auch Berlin könne einiges machen. »Das Thema ist im Abgeordnetenhaus angekommen.« Die Politik fördere schon kleinere Projekte wie wiederverwertbare Kaffeebecher.

Auch bei Lidl muss die BUND Jugend nicht bei Null anfangen. Zwar war das Unternehmen am Wochenende nicht für eine Stellungnahme verfügbar, doch war es zuletzt in die Schlagzeilen, da es bis 2025 seinen Plastikverbrauch um 20 Prozent verringern möchte. Anfang des Monats kündigte es an, bis Ende 2019 Einwegplastikartikel wie beispielsweise Trinkhalme aus dem Sortiment zu nehmen.

Für Häfele und Vermeulen ist jedoch klar, dass es weitere Aktionen wie ihre geben muss: »Kein Supermarkt ist sicher!« Sie wünschen sich eine dezentrale Plastic Attack in ganz Berlin, um mehr Druck auf die Märkte auszuüben.

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