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Kanzlerinnenbesuch bei Helden

Merkels Visite in Paderborner Pflegeeinrichtung wurde sekundiert von Debatte über schlechte Bezahlung

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 3 Min.

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Überraschend hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung im letzten Jahr zugesagt, als der Altenpfleger Ferdi Cebi sie einlud, sich mit eigenen Augen von den Arbeitsbedingungen in seinem Metier zu überzeugen. Am Montag war es soweit, und Merkel besuchte das Evangelische Pflegeheim St. Johannisstift in Paderborn. Über den Verlauf wurde Freundliches gemeldet, offenbar waren die Bewohner des Heims von ihrem Gast angetan, und Merkel wandte sich ihnen zu, wie man es bei solcher Gelegenheit erwarten darf. Wovon Pfleger Cebi die Kanzlerin gern überzeugt hätte, hatte er der Öffentlichkeit schon vorher mitgeteilt. Dass der Beruf attraktiver gemacht werden müsse, damit mehr Pflegestellen besetzt werden können, darum ging es ihm in erster Linie. Und darum geht es auch vielen anderen, die sich mit der Materie beschäftigen, denn der Pflegenotstand in Deutschland ist in nahezu aller Munde. Allerdings will der 36-jährige Ferdi Cebi kein negatives Bild von seinem Beruf vermitteln. »Die positiven Seiten gehen ein bisschen unter, und das finde ich schade.« Dieser Beruf habe viel mehr schöne Seiten als negative.

Vorsorglich hatte auch Merkel am Wochenende in ihrem Podcast die Bedeutung der Pflege gewürdigt. Von den dort Beschäftigten sprach sie dabei als »Helden unseres Alltags«. Auch der Koalitionsvertrag beschäftigt sich mit dem Thema; allerdings nach Meinung vieler Experten viel zu halbherzig. Am Monatsbeginn hatte die Bundesregierung eine »Konzertierte Aktion Pflege« gestartet. Pfleger Cebi jedenfalls kennt den Zusammenhang, der auch für jedermann sonst auf der Hand liegen dürfte: Die Attraktivität des Berufs erhöht sich auch mit seiner Bezahlung. Nötig seien ein flächendeckender Tarif und mehr Erholungszeit für die Beschäftigten, machte er deutlich.

Unterstützung fand er in einem Punkt am Montag auch von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Gehälter bis zu 3000 Euro im Monat und damit deutlich mehr als derzeit »sollten möglich sein«, sagte Spahn. »Anerkennung drückt sich nicht nur in Worten aus. Es geht auch ums Geld.« Im ZDF-»Morgenmagazin« meinte Spahn, er hätte »lieber weniger Leiharbeit«. Allerdings profitierten Leiharbeiter wegen der Nachfrage nach Pflegern derzeit von teilweise besseren Arbeitszeiten und Löhnen als Festangestellte. Zugleich verteidigte Spahn private Investitionen in der Branche.

Dass sich der Arbeitgeberverband bpa über die LINKE beklagte, die den privaten Betreibern vorwirft, Tarifverträge abzulehnen, ergänzt die Debatte. Es gebe keine Tarifverträge, weil ver.di als Vertragspartner keine Mitglieder habe und damit nicht zur Verfügung stehe, beklagte sich Verbandschef Rainer Brüderle. Die Branche würde gern mehr zahlen, heißt das wohl, nur kann sie nicht - weil ver.di sie nicht dazu zwingt. Man kann nur hoffen, dass die Pflegekräfte im St. Johannisstift noch lange vom Besuch der Kanzlerin zehren.

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