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Streik trotz Gratis-Eis

2400 Amazon-Beschäftigte legten am Dienstag gegen schlechte Beschäftigungsbedingungen die Arbeit nieder

  • Von Niklas Franzen
  • Lesedauer: 3 Min.

Schlechte Bezahlung, körperliche Belastung, Überwachung: Die Liste der Vorwürfe gegen Amazon ist lang. Seit Jahren kämpfen Beschäftigte des Weltmarkt-Führers im Online-Handel für ihre Rechte - auch mit Streiks. Am Dienstag legten laut ver.di rund 2400 Arbeiter*innen in sechs deutschen Amazon-Standorten die Arbeit nieder.

»Es ist hervorragend gelaufen«, sagt der Pressesprecher des ver.di-Bundesvorstandes, Günter Isemeyer, dem »nd«. »Es haben sich mehr Beschäftigte beteiligt, als wir erwartet hatten. Das zeigt, dass viele Beschäftigte unzufrieden sind und für Verbesserungen kämpfen wollen.«

Am Standort Rheinberg in Nordrhein-Westfalen sollen so viele Arbeiter*innen gestreikt haben, dass das Management aufgefordert werden musste, in der Logistik mitzuhelfen. »Das ist vollkommen normal bei uns, das wird öfters so gemacht«, verteidigt Amazon Deutschland Pressesprecher Stephan Eichenseher das Vorgehen gegenüber »nd«. Er kommt zu einem anderen Fazit des Streiktages: »Der größte Teil der Belegschaft hat gearbeitet und der Streik wird keinerlei Auswirkungen auf unser Lieferversprechen haben. Der Kunde kann sicher sein: Das Paket kommt an.«

Der Streik fiel mit dem Amazon Prime Day zusammen, dem traditionellen Schnäppchentag des US-Konzerns. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert seit vielen Jahren einen Tarifvertrag zu Einzelhandelskonditionen, den Amazon ablehnt. Isemeyer kritisiert, dass auf dem »Rücken der Beschäftigten« Umsatz gemacht werde und die extreme Belastung der Beschäftigten die Konzernleitung nicht interessiere.

Amazon-Sprecher Eichenseher meint hingegen: »Wir gehen davon aus, dass Mitarbeiter nicht von einem Tarifvertrag profitieren würden.« Amazon habe »wettbewerbsfähige Löhne« und biete viele Zusatzleistungen. Gerade Mitarbeiter*innen mit geringer Bildung würden in dem Konzern gefördert: »Amazon achtet darauf, dass jeder eine Chance bekommt.«

Viele Amazon-Beschäftigte klagen jedoch über die schweren gesundheitlichen Belastungen. Lange Schichten, monotones Arbeiten und schwere körperliche und psychische Belastung sorgten für etliche gesundheitliche Probleme. Ver.di fordert daher auch einen Gesundheitstarifvertrag. Der Online-Riese bietet als gesundheitsfördernde Maßnahme sogenannte Obsttage an.

Am Prime Day erhielten alle Mitarbeiter*innen, die zur Arbeit erschienen, als »Dankeschön für ihre Arbeit« ein Eis. »Einen Hohn« nennt Isemeyer das. »Wir wollen Arbeit, die nicht krank macht.«

Eine Verhandlung mit ver.di lehnt Amazon weiterhin ab. Der Konzern würde direkt mit den Beschäftigten und den Betriebsräten kommunizieren, heißt es. Ver.di-Pressesprecher Isemeyer kündigte an, auch in Zukunft weiter mit Streiks Druck zu machen - solange bis ein rechtsverbindlichen Tarifvertrag erreicht werde. Die internationale Zusammenarbeit der Amazon-Mitarbeiter*innen solle zudem ausgebaut werden, denn es gebe ein »europaweites Interesse an einer Vernetzung«.

So kam es am Dienstag auch in anderen Ländern zu Protesten gegen Amazon: In einem Standort in Madrid wurde gestreikt, von 1800 Mitarbeiter*innen sollen nur 120 zur Arbeit erschienen sein. Auch an einem Amazon-Standort in Polen beteiligten sich Mitarbeiter*innen an einer Aktion gegen die schlechte Arbeitsbedingungen.

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