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Franco wird «sehr bald» exhumiert

Spanien will Pilgerstätte durch Umbettung des Diktators unattraktiv machen

  • Von Ralf Streck, San Sebastián
  • Lesedauer: 3 Min.

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«Die Entscheidung steht: Wir werden die Exhumierung des Diktators im ›Tal der Gefallenen‹ vornehmen», hat der sozialdemokratische spanische Regierungschef Pedro Sánchez am Dienstag im Parlament erklärt. «Das wird sich bald, sehr bald, materialisieren», kündigte er an. «Die Wunden waren viele Jahre geöffnet, zu viele, und der Zeitpunkt ist gekommen, sie zu schließen. » Es ist kein Zufall, dass er dies am 17. Juli verkündet hat. Genau vor 82 Jahren haben Franco und seine Generäle gegen die gewählte Republik geputscht und das Land in einen blutigen Krieg gestürzt.

Es müssten nur noch einige Probleme gelöst werden, sagte Sánchez. Schon kurz nach seiner Amtsübernahme per Misstrauensantrag gegen die rechte korrupte Vorgängerregierung, hatte er mit Blick auf den Urlaubsmonat August Journalisten angekündigt: «Ich werde euch damit noch bei der Arbeit erwischen.» Ob die Überreste des Diktators aber nun noch im Juli umgebettet werden, ist fraglich. Sein Infrastrukturminister José Luis Ábalos sagte am Montag: «Ich kann nicht sagen, wann es soweit ist.»

Dass am Sonntag gut 1000 Faschisten zum Mausoleum im «Valle de los Caídos» gepilgert sind, um gegen die Exhumierung zu protestieren, scheint die Regierung in der Entscheidung zu bestätigen, dass es 50 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Madrid nicht länger einen Pilgerort für Ewiggestrige geben darf. Das Monument steht für den Sieg der Franquisten über die Republikaner im Bürgerkrieg und ist seit dem Tod des Diktators (1975) eine Pilgerstätte für seine Anhänger.

Noch zu Lebzeiten hatte Franco die Gedenkstätte schaffen lassen, die er selbst einweihte. Über dem Mausoleum thront ein riesiges 150 Meter hohes Betonkreuz, das auf einen Felskegel in die karge kastilische Landschaft gesetzt wurde und für beklemmende Gefühle sorgt. Hier haben die Faschisten am Sonntag wieder den faschistischen Gruß gezeigt, die Diktatur verherrlicht und faschistische Lieder gesungen. Das ist, eine weitere spanische Besonderheit, nicht verboten, allerdings sind politische Aktivitäten im Tal der Gefallenen verboten.

«Ein Land, das in die Zukunft blickt, muss in Frieden mit seiner Vergangenheit sein», sagte Sánchez zu der Entscheidung. Er selbst gehöre einer Generation an, die in einer Demokratie aufgewachsen sei. «Keine Demokratie kann es sich leisten, Denkmäler zu haben, die eine Diktatur preisen», sagte der 46-Jährige. «Unsere auch nicht.»

Sánchez will eine Übereinkunft mit der Familie für die Umbettung der Reste in eine Krypta, die die Francos in Madrid hat. Damit soll juristischer Streit vermieden werden. Gerade hat die Familie des Putschisten José Sanjurjo Sacanel ein Urteil erreicht, wonach der vor zwei Jahren exhumierte Faschist wieder in der Krypta in Pamplona bestattet werden muss. Die linke Stadtregierung hatte ihn aus dem Monument für die Gefallenen beseitigen lassen und hat Widerspruch gegen die Entscheidung angekündigt.

Diese Probleme zeigen an, dass die Rechtslage auch heute noch schwierig ist. Das hat damit zu tun, dass das einst geplante Gesetz zur «historischen Erinnerung» auf Druck von Rechtsradikalen und der katholischen Kirche stark verwässert wurde. Es wurde zum «Gesetz zur Anerkennung und Ausweitung der Rechte der Opfer des Bürgerkriegs und der Diktatur umbenannt. Es hat auch nicht einmal die Aushebung der Massengräber vernünftig reguliert, in denen bis heute mehr als 100 000 Opfer der Diktatur verscharrt sind.

Die Opfer haben praktisch kaum Rechte. Auch im Tal der Gefallenen wurden etwa 34 000 Menschen verscharrt, meist Republikaner, Anarchisten, Kommunisten, baskische und katalanische Unabhängigkeitskämpfer. Hier blieben auch viel Zwangsarbeiter, die den Bau nicht überlebt haben. 20 000 politische Gefangene mussten bis 1958 unter unmenschlichen Bedingungen das Monument in die Felsen der Sierra de Guadarrama schlagen und viele verloren dabei ihr Leben. Sánchez hat auch ein neues Erinnerungsgesetz angekündigt, um Organisationen verbieten zu können, die wie die Franco-Stiftung die Diktatur verherrlichen und dabei sogar immer wieder von Regierungen subventioniert wurden.

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