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Zu Gast bei Milchbauern

Angela Merkel auf Betriebsbesuch / Handelsabkommen setzen Erzeuger weiter unter Druck

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Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in dieser Woche dabei, Besuchsversprechen aus Wahlkampfzeiten abzuarbeiten. Nach dem Besuch in einer Pflegeeinrichtung ist die CDU-Politikerin am Donnerstag beim Milchviehbetrieb der Familie Trede im schleswig-holsteinischen Nienborstel zu Gast. Bäuerin Ursula Trede hatte Merkel bei einer Wahlkampfveranstaltung in Lübeck mit der Situation der Milchviehbetriebe konfrontiert und später zu sich nach Hause eingeladen. »Wir möchten ihr gerne von der Basis aus darstellen, wo unsere Probleme liegen«, erklärte Trede der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld.

Der Milchviehbetrieb mit derzeit 140 Kühen ist seit mehreren hundert Jahren in Familienbesitz, genau die Art Betriebe, die vom Höfeseterben betroffen sind. Die Situation sei angesichts eines Milchpreises von 32 Cent ernst, sagt Trede, die seit 20 Jahren im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) engagiert ist. »Wenn wir noch lange abwarten, haben wir keine Betriebe mehr oder eben nur noch solche Massenfabriken, die keiner möchte.«

2016 musste der Milchpreis durch eine Intervention der Europäischen Union und der Bundesregierung stabilisiert werden, er lag teilweise unter 23 Cent pro Kilogramm - das sind 34 Prozent zu wenig, um überhaupt kostendeckend arbeiten zu können. Seitdem hat sich der Milchpreis mit Schwankungen stabilisiert und liegt zumindest konstant über 30 Cent pro Kilogramm.

Laut aktueller Kostenstudie des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft erhielten Erzeuger im April dieses Jahres 33,42 Cent pro Kilogramm. Damit sind die Produktionskosten, die bei 42,70 Cent je Kilogramm liegen, nur zu 78 Prozent gedeckt. Im Januar hatte die Kostendeckung demnach noch bei 88 Prozent gelegen.

Für Johannes Pfaller, Milcherzeuger aus Süddeutschland und Vorstandsmitglied des European Milk Board (EMB), spiegeln die Zahlen die Situation auf den Höfen. »Wir befürchten, dass die Produktionskosten in den nächsten Wochen weiter steigen werden, da aufgrund der Trockenperioden in weiten Teilen Europas Futtermittel zugekauft werden müssen.«

Die Folge: Nach wie vor stellen Milchviehbetriebe die Produktion ein. Das liegt laut BDM zum Teil daran, dass sie sich nicht von der Krise erholen konnten, zum anderen aber fehle ihnen die Perspektive, dass sich ihre Marktstellung und ihre Möglichkeiten, ein auskömmliches Einkommen zu erwirtschaften, verbessern könnte, erklärt BDM-Vorsitzender Stefan Mann. »Wir Milchviehhalter brauchen ein klares Signal, dass an Lösungen gearbeitet wird, die ihren Interessen dienen, da sie ja bisher das ganze Marktrisiko tragen.«

Daran wird sich wohl auch durch den Merkel-Besuch in Schleswig-Holstein nichts ändern. Die Bundesregierung setzt seit Jahren ebenso wie die Europäische Union auf Liberalisierung und animiert die Milchbauern zu mehr Wachstum. Jüngstes Beispiel ist das Freihandelsabkommen mit Japan, das europäischen Milchbauern hohe Exporte verspricht.

Das Freihandelsabkommen wirke »destruktiv für bäuerliche Strukturen in beiden Ländern«, wie Berit Thomsen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) kritisiert. »Durch die steigenden EU-Exporte können die nationalen und lokalen Agrarmärkte in Japan massiv gestört werden.«

Ein anderes Beispiel ist das geplante Freihandelsabkommen mit den Milchexportländern Australien und Neuseeland. Hier sind es die europäischen Landwirte, die den bisher weitgehend geschützten Milchmarkt bedroht sehen. Durch das Handelsabkommen könnten zusätzliche Milchimporte zugelassen werden, befürchtet Ottmar Ilchmann von der AbL. Nach Berechnungen des Thünen-Institutes könnte - im Falle einer vollständigen Liberalisierung - die Produktion in Deutschland um bis zu vier Prozent zurückgehen.

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