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Treibende Gefahr

Dorf entgeht - vorerst - Katastrophe durch Eisberg

  • Von Bengt Arvidsson, Stockholm
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auf einmal war er da, fast wie in einem Hollywood-Katastrophenfilm. Am letzten Donnerstag türmte sich ein gigantischer, treibender Eisberg vor dem 169 Einwohner zählenden Küstendorf Innaarsuit im Westen Grönlands auf. An der höchsten Stelle ragt der gestrandete Eisberg rund 90 Meter aus dem Wasser. Laut Schätzungen ist er insgesamt rund 250 Meter hoch und bis zu elf Millionen Tonnen schwer.

Immer wieder brachen bereits Teile von ihm ab und stürzten, große Wellen vor dem Dorf verursachend, ins Meer. Wenn ein zu großes Stück auf der falschen Seite ins Wasser gebrochen wäre, hätte es eine zerstörerische Flutwelle auf das Dorf geben können.

Die Behörden hatten deshalb den Gemischtwarenladen, weitere Einrichtungen und 33 Einwohner, deren Häuser nicht hoch genug über dem Meeresspiegel lagen, evakuiert. Die meisten kamen bei Verwandten in Nachbardörfern unter oder im Gemeindehaus. Es war niemandem klar, ob die eisige Belagerung des Dorfes Monate anhalten oder schon nach wenigen Tagen vorbei sein würde.

Doch nun können die Dorfbewohner zumindest ein wenig aufatmen. Bereits am Samstag hatte der gestrandete Koloss sich dank Hochwasser und starkem Wind langsam rund 500 Meter weg Richtung Norden bewegt. Am Dienstag hatte sich der Abstand noch etwa weiter vergrößert. Die Polizei hat die Sperrzone von zehn auf fünf Meter über dem Meeresspiegel verringert. Mehrere Dorfbewohner dürfen nun heimkehren. Die Betreiber des Gemischtwarenladens der Kette Pilersuisoq, das Elektrizitätswerk wie auch mehrere Einwohner, die zu nah an der Küste wohnen, müssen noch warten. Die 25 Arbeiter der lokalen Fischfabrik konnten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Noch am Wochenende hatten sie befürchtet, dass rund 175 Tonnen eingelagerter Fisch verderben könnte, sollte die Evakuierung länger andauern.

Treibende Eisberge sind an der Küste Grönlands eigentlich ganz normal. Sie gehören zum Panorama. Dieser Eisberg ist nur besonders groß und war ausgerechnet vor dem Dorf zeitweise auf Grund gelaufen. Die Marine Dänemarks hatte sofort das Erkundungsschiff »Knud Rasmussen« entsandt. Es sollte zur Rettung von Menschenleben bei einer eventuellen Flutwelle beitragen. Auch Luftaufnahmen machte das dänische Militär. Grönland ist eine teilautonome Region Dänemarks. »Die Leute hier sind nicht mehr so bekümmert. Die Situation hat sich etwas normalisiert. Wir sind große Eisfelder gewöhnt«, sagt Einwohnerin Susanne Eliassen dem Grönländischen Rundfunk KNR.

Gänzlich ist die Gefahr noch nicht vorbei, auch wenn alles danach aussieht. Erst im letzten Sommer, am 17. Juni 2017, kam es ebenfalls in Westgrönland zu einer Katastrophe. Ein Erdrutsch löste da eine gewaltige Flutwelle aus, die das Dorf Nuugaatsiaq traf. Menschen starben und Häuser wurden weggespült.

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