Werbung

Fabriken des Todes

In drei Vernichtungslagern ermordeten die Nationalsozialisten mindestens 1,8 Millionen Menschen

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Auf den ersten Blick erinnert im polnischen Sobibor in der Nähe der Grenze zur Ukraine nichts an den einstigen Vernichtungsapparat der Nazis. Bevor die SS vor der vorrückenden Roten Armee flüchtete, baute sie im Herbst 1943 die Anlagen ab und forstete das Gelände auf. Anders als etwa in Auschwitz sollten in Sobibor sowie in den Lagern Belzec und Treblinka nicht Menschen für den schnellen Tod oder die Zwangsarbeit ausgewählt werden, sondern sie wurden fast ausnahmslos sofort ermordet.

Der Massenmord an mindestens 1,8 Millionen Menschen in diesen drei Lagern, der vor allem an Juden begangen wurde, ist als »Aktion Reinhardt« in die Geschichte eingegangen. Es weist viel darauf hin, dass der durchgeplante Völkermord nach Reinhard Heydrich benannt wurde. Der SS-Obergruppenführer war von Hermann Göring im Jahr 1941 mit der systematischen Ermordung der europäischen Juden beauftragt worden. Seitdem war Heydrich einer der Hauptorganisatoren des Holocausts. Im Mai 1942 wurde er von tschechoslowakischen Widerstandskämpfern bei einem Attentat erschossen.

Die »Aktion Reinhardt« dauerte etwa 16 Monate zwischen Juli 1942 und Oktober 1943 an. Ihr Ziel war es, möglichst alle Juden aus dem von den Nazis errichteten »Generalgouvernement« auf dem Gebiet des heutigen Ostpolens und dem Westen der Ukraine zu ermorden. Die meisten Opfer wurden mit Motorabgasen getötet. Wenn Menschen nicht in der Lage waren, selbst in die Gaskammern zu gehen, wurden sie erschossen. Forscher gehen davon aus, dass in Treblinka mehr als eine Million Menschen getötet wurden. In Belzec fielen rund 500 000 Menschen der Mordmaschinerie der Nazis zum Opfer. In Sobibor geht man von 250 000 Opfern aus.

Unterstützt wurde die SS in den Vernichtungslagern von sogenannten Trawniki. Sie wurden aus Kriegsgefangenenlagern von der SS rekrutiert, in denen Angehörige der sowjetischen Armee saßen. Es wurden hauptsächlich Ukrainer, aber auch Balten oder sogenannte Volksdeutsche ausgewählt.

Nur etwa 130 Menschen überlebten die Vernichtungslager. Möglichkeiten zur Flucht gab es fast allein durch die großen Aufstände in Sobibor und Treblinka. In Treblinka erhoben sich die Häftlinge vor bald genau 75 Jahren am 2. August 1943. Nachdem der Aufstand von der SS niedergeschlagen worden war, wurde das Lager Ende August abgebaut. In Sobibor gelang im Zuge des Aufstands etwa 360 Häftlingen die Flucht. Viele wurden aber noch von den Kugeln der SS-Männer tödlich getroffen, bevor sie den Wald erreichten oder sie traten auf Minen. In Belzec, wo kein Aufstand stattfand, gab es nur drei Überlebende.

Nach dem Krieg blieb die Strafverfolgung der Mörder von Sobibor, Treblinka und Belzec lückenhaft. Der Berliner Historiker Stephan Lehnstaedt wies kürzlich in einem Interview mit der »Jüdischen Allgemeinen« darauf hin, dass von den insgesamt etwa 150 deutschen Tätern etwa ein Drittel noch während des Krieges starb, vermisst oder untergetaucht sei, ein weiteres Drittel verurteilt wurde und dem letzten Drittel gar nichts passiert sei.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen