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Männer mit bis zum Nabel aufgeknöpften Hemden

Die Krautrock-Veteranen Guru Guru machen immer noch Krautrock. Und Alexander Hacke lässt es bedeutsam wummern.

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Mani Neumeier, von Haus aus Freejazzer, Schlagzeuger und Perkussionist, 77 Jahre alt, Krautrocker der ersten Stunde, ist einer, der noch »Scheibe« sagt, wenn er eine Schallplatte oder eine CD meint. Und vielleicht sagt er ja auch »Schießbude«, wenn er von seinem Schlagzeug spricht. Wenigstens schaut der Mann aus, als sei er - im Gegensatz zu Figuren wie dem etwa acht Jahre jüngeren Ex-Außenminister Joschka Fischer - in Würde gealtert: schlohweißer Hippie-Haarschopf, zerklüftetes Gesicht, knallbuntes Hemd mit psychedelischem Muster. »Er gehört in die Generation eines Jimi Hendrix, Frank Zappa und John Lennon. Im Wachsmuseum von Tokyo steht Mani Neumeier als lebensgroße Wachsfigur neben den Ikonen der Rockmusik«, war vor zwei Jahren in der »Rhein-Neckar-Zeitung« anlässlich von Neumeiers 75. Geburtstag zu lesen.

Mit seiner Band Guru Guru (»Der Elektrolurch«, 1973) feiert der in der Odenwaldregion lebende Musiker dieses Jahr sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Eine neue Scheibe, wie Neumeier wohl sagen würde, ist auch gerade herausgekommen, vielleicht die dreißigste oder gar vierzigste, wer weiß das schon so genau: Der darauf enthaltene knuffige Experimental-, Prog- und Space-Rock, der sowohl Einflüsse afrikanischer und indischer Folkmusik als auch einen starken Zug ins Bekiffte aufweist, hört sich - obgleich es sich eigentlich erkennbar um verstrahltes Hippiezeug, also die Musik der heutigen Großvätergeneration handelt - im Vergleich zu den von der Musikindustrie gecasteten, porentief sauberen und gescheitelten Schmierlappen, die heute hierzulande die Charts verstopfen, geradezu superfrisch und progressiv an.

Derzeit touren Guru Guru noch bis Ende des Jahres durch die gesamte Republik, überwiegend treten sie in Schuppen auf, die standesgemäß »Speicher«, »Höhle«, »Gewölbe«, »Rainbow« oder »Kuckucksei« heißen. Da sollte hingehen, wer wissen will, in welcher Umgebung Opa und Oma ihre ersten LSD-Trips schluckten.

Noch psychedelisch aufgedonnerter aber klingt ein anderes Album aus der Abteilung »Langhaarige Lederjackenmänner mit Bärten, Sonnenbrillen und bis zum Bauchnabel aufgeknöpften Oberhemden«, in der schon seit vielen Jahren die beiden Musiker Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) und David Eugene Edwards (Wovenhand, 16 Horsepower) aktiv sind: Auf ihrem gemeinsamen Werk »Risha« rumpumpelt die Drogen- und Männermusik, wie sie sein soll: mal wuchtig, mal gemessen stampfend, sphärisch wagnert es hier und da ein wenig nebelverhangen, da und dort wummert es überaus bedeutsam vor sich hin. Vorne klingklangen naturmystische Flötentöne, Schamanistisches oder Orientalisches, während hinten bei Bedarf das harte Gitarrenbrett dazwischenfährt. Hier Friedenspfeife, dort Sisters Of Mercy, hier Gothic-Weihrauch, dort Waldschratgitarren, Drehleier und Brummkreisel, hier Naturmystizismus und klapperndes Windspiel, dort Nick-Cave-artiges Schmerzensmanngenudel. Toll!

Guru Guru: »Rotate!« (Trance-Music/ in-akustik)

David Eugene Edwards & Alexander Hacke: »Risha« (Glitterhouse/Indigo)

Konzert: 10./11.8, Finkenbach-Festival in Südhessen (mit den Bands Guru Guru, Epitaph, Faust, Amon Düül II, Birth Control, Kraan, Jane u. a.)

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